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Betrunken neunmal den Notruf gewählt

Zwei Männer wollen unter der 110 Anzeige wegen Beleidigung erstatten. Sie kapieren nicht, dass das kein Notfall ist.

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Im Minutentakt klingelte es bei der Notrufzentrale am 19. Januar 2012. Abwechselnd waren zwei Männer aus Döbeln am Telefon, die betrunken in den Hörer lallten, dass sie Anzeige wegen Beleidigung beziehungsweise Verleumdung erstatten wollen.

Jedes Mal erklärte ihnen der Polizist am anderen Ende, dass dies kein Notfall sei und sie für die Anzeigenerstattung doch bitte das örtliche Polizeirevier aufsuchen sollten. Zweimal wählten sie trotzdem nochmals die 110, um zu fragen, wann denn nun endlich die Polizei kommen würde. Neunmal hatten sie insgesamt angerufen. Doch ihre Anzeige nahm niemand mehr auf. Stattdessen landeten die Arbeitslosen selbst vor Gericht – wegen Missbrauchs von Notrufen.

An drei Telefonate konnten sich die beiden noch erinnern. Dass es vielleicht ein paar mehr gewesen sind, könne sein. „Wir waren besoffen. Wenn wir mehrmals angerufen haben, tut uns das leid“, sagte einer der Angeklagten. In einem Geschäft hätte man sie beleidigt.

Das wollten sie sich nicht bieten lassen. „Das müssen sie auch nicht“, sagte Richter Janko Ehrlich. Aber dafür sei der Notruf nun mal nicht zuständig. Wie viel die Männer an jenem Tag getrunken hatten, wussten sie nicht mehr. Aus der Akte gehe jedoch hervor, dass sie betrunken waren. Um die genaue Anzahl der Anrufe zu ermitteln, hätten die Polizisten aus Leipzig als Zeugen bestellt werden müssen. Darauf wollte der Richter gern verzichten.

Durch den hohen Promillegehalt sei die Schuld sowieso gering. Darum einigten sich Staatsanwalt, Richter und die Angeklagten darauf, dass beide jeweils 100 Euro Strafe an die Döbelner Tafel zahlen müssen – in monatlichen Raten von 25 Euro. Dann wird das Verfahren eingestellt. Und die Angeklagten kommen damit deutlich günstiger weg. (pz)