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Betrunken zum Dönerladen

Eine Frau wird mit 1,34 Promille erwischt. Die Strafe will sie aber nicht akzeptieren.

Von Jürgen Müller

Es ist eine Unsitte: Das Auto wird entgegengesetzt zur Fahrtrichtung abgestellt. So macht es auch eine 32-jährige Coswigerin am Abend des 14. September dieses Jahres. In Weinböhla fährt sie schräg über die Straße und parkt auf der falschen Seite direkt vor einem Dönerladen. Dabei stellt sie ihren roten Ford auch noch so ab, dass andere behindert werden. Pech für die Blondine: Ihr kommt gerade ein Zivilfahrzeug der Polizei entgegen. Einer der Beamten steigt aus und folgt der Frau in den Imbiss, fordert sie auf, ihr Auto wegzufahren. „Beim Herausgehen lief sie vor mir, ich konnte einen deutlichen Alkoholgeruch wahrnehmen“, sagt der Polizist. Ein Atemalkoholtest ergibt fast zwei Promille. Sie habe vor der Fahrt einen Schluck Sekt getrunken, sagt die Frau und stimmt einer Blutentnahme zu. Deren Ergebnis: 1,34 Promille. Den Führerschein ziehen die Polizisten gleich ein, sie bekommt eine Anzeige wegen Trunkenheit im Verkehr.

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Per Strafbefehl wird sie zu einer Geldstrafe verurteilt, außerdem der Führerschein für sechs Monate gesperrt. Sie legt Einspruch ein. Nun werden ein Richter beschäftigt, ein Staatsanwalt, eine Urkundsbeamtin, eine Anwältin. Ein Sachverständiger erstellt ein Gutachten, zwei Polizisten müssen als Zeuge ran. Und das alles nur, weil die Frau nicht zu ihrer Tat stehen will.

In ihrem Einspruch gegen den Strafbefehl hatte sie behauptet, erst im Dönerladen getrunken zu haben. Dabei haben die Polizisten sie vielleicht mal zehn Sekunden aus den Augen verloren.

Die Verteidigerin versucht es mit allen Tricks. Ob ihre Mandantin denn überhaupt ordnungsgemäß über ihre Rechte aufgeklärt und belehrt wurde, will sie von den Polizisten wissen. Doch die haben ordentlich gearbeitet, wie später der Richter ausdrücklich feststellt. Die Frage, ob sie nach dem Aussteigen noch Alkohol getrunken habe, hatte die Frau damals ausdrücklich verneint. Sie hatte auch freiwillig einer Blutentnahme zugestimmt, und das auch schriftlich. Obwohl die Frau ziemlich betrunken war, stellen die Polizisten keine wesentlichen Ausfallerscheinungen fest. Das lässt darauf schließen, dass sie Alkohol gewöhnt ist.

Ein Gutachter soll schließlich Licht ins Dunkel bringen. Doch der kommt gar nicht zum Zuge. Die Verteidigerin sieht wohl die Felle davonschwimmen, beantragt eine kurze Unterbrechung. Danach beschränkt sie den Einspruch auf die „Rechtsfolgen“, wie es im Juristendeutsch heißt, also auf die Höhe des Urteils.

Doch besser wird es nicht für die Frau, die schon einmal wegen einer Trunkenheitsfahrt zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Es bleibt bei den 350 Euro, der Führerschein ist für noch sieben Monate weg. Außerdem muss sie die Kosten des Verfahrens tragen, also auch das Gutachten bezahlen. Und das kann richtig teuer werden.