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Betrunkene Flüchtlinge dürfen jetzt im Asylcamp ausnüchtern

Auf Drängen des Landkreises hat das DRK seine umstrittene Hausordnung geändert – und erhält nun sogar Lob für seine Arbeit in Zeithain.

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© Sebastian Schultz

Von Antje Steglich

Zeithain. Das Flüchtlingscamp An der Borntelle leert sich. Seit seiner Eröffnung im Dezember lebten nicht so wenige Asylbewerber in der ehemaligen Lagerhalle wie jetzt – aktuell zählt der Landkreis dort noch gut 50 Flüchtlinge. Und die sollen nach den vielen Vorfällen in den vergangenen Monaten nun besser integriert werden.

So hatten zuletzt vor allem betrunkene Asylbewerber nicht nur für viel Aufregung, sondern auch für ein befristetes Alkoholverbot im Dorf und diverse Anzeigen gesorgt. Unternehmer aus dem Gewerbegebiet hatten sich beschwert, dass alkoholisierte Flüchtlinge nicht mehr in die Unterkunft gelassen werden und ihren Rausch stattdessen auf den Firmengrundstücken ausschlafen.

Die Geschäftsstelle des DRK als Betreiber der Unterkunft will sich dazu gegenüber der SZ allerdings nicht mehr äußern und verweist an den Landkreis. Dort heißt es von Kreissprecherin Kerstin Thöns: Dieses Zugangsverbot gibt es nicht mehr, das Landratsamt hat dieses in Absprache mit dem Deutschen Roten Kreuz aufgehoben. Sie bestätigte zudem, dass vom privaten Vermieter weitere Räumlichkeiten im hinteren Teil der Halle zur Verfügung gestellt worden sind. Dazu, dass dort künftig die betrunkenen Bewohner versorgt werden würden, äußerte sie sich allerdings nicht. Stattdessen sollen dort künftig Deutschkurse durchgeführt werden und ein Sportraum entstehen, so Kerstin Thöns.

Vom Landratsamt wird die Flüchtlingsarbeit des DRK in Zeithain zudem ausdrücklich gelobt: „Das DRK vor Ort arbeitet nach Einschätzung des Ausländeramtes sehr engagiert mit den Asylbewerbern“, erklärt die Kreissprecherin. In der Halle fänden schon jetzt regelmäßig Unternehmungen statt – Deutschkurse, Kreativworkshops und Sportangebote würden vorgehalten. Ebenso vermittele das DRK Kontakte zu Vereinen und Betrieben. Aktuell werde zudem versucht, ein Netzwerk zu knüpfen, um die Nachbarn mit einzubeziehen.

Freiwillige Helfer gesucht

Dafür haben die Gemeinde Zeithain und das Deutsche Rote Kreuz bereits einen gemeinsamen Aufruf gestartet. Einige engagierte Ehrenamtler und Helfer haben schon ihre Unterstützung angeboten, und es finden bereits Aktivitäten statt, so Kerstin Thöns. „Es wäre sehr schön, wenn sich noch mehr Zeithainer melden würden. Soziale Kontakte können viel dazu beitragen, die Situation zu entspannen“, so die Pressesprecherin.

Einmal im Monat finden die sogenannten Netzwerktreffen in der Unterkunft statt, bestätigt auch Zeithains Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos). Daran nehmen neben ihm auch zwei Gemeinderäte teil. „An unserer Forderung, das Camp zu schließen, hat sich aber nichts geändert“, sagt Ralf Hänsel. Allerdings habe Landrat Arndt Steinbach (CDU) bei einem erneuten Treffen mit Bürgern, Gemeinderäten und Verwaltung vor Ort wiederholt betont, dass eine Schließung vor Jahresende nicht zur Debatte stehe. Und selbst danach werde das auch nur bei einem weiterhin niedrigen Niveau des Flüchtlingszustromes in Erwägung gezogen.

Gemeinderäte und Verwaltung wollen sich deshalb nun verstärkt für eine angemessene Sozialbetreuung der Flüchtlinge einsetzen. „Es ist sehr befremdlich, dass das Landratsamt dazu keine klaren Aufgaben formuliert hat“, kritisiert BIG-Gemeinderat Dieter Wamser. Das sei dringend nachzubessern. Allerdings lobte er nach seinem Besuch in der Unterkunft auch einige Flüchtlinge: „Es gibt junge Männer, die ständig und freiwillig helfen“, berichtet Dieter Wamser mit Blick auf die Kritik, die Asylbewerber würden sich unter anderem nicht an der Reinigung der Unterkunft beteiligen.

Aufruf zum Ehrenamt unterwww.zeithain.eu