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Betten stehen bereit

Ein Bürogebäude in Dresden wurde zu einem Asylheim für Flüchtlinge umgebaut. Die wohnen ab kommender Woche mitten in Löbtau.

© Christian Juppe

Von Lars Kühl

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Das dunkle Grau des Fußbodens erschlägt die Besucher geradezu. Der Belag erfüllt zwar seinen Zweck, besonders einladend wirkt das Treppenhaus aber nicht. Dafür ist es schön hell, die großen Fenster lassen viel Licht herein. Durch die fällt der Blick auf eine Industrie-Ruine. Ansonsten wirkt alles noch ziemlich trist im neuen Asylbewerberheim, das der Eigentümer in den vergangenen Monaten in der Tharandter Straße 8 herrichten ließ. Für etwas Farbe sorgt im Aufgang die Pinnwand mit den bunten Klebe-Zettelchen. Das Netzwerk „Willkommen in Löbtau“ will den künftigen Bewohnern das Einleben mit Tipps so einfach wie möglich machen. Draußen hängen Begrüßungsschilder.

An der Tharandter Straße, in unmittelbarer Nähe zur Löbtau-Passage, steht das neue Asylbewerberheim. © Christian Juppe

Doch wer sind die Neuen, und wann werden sie erwartet? Das sind brennende Fragen vieler der rund 500 Neugierigen bei der Besichtigung am Freitag. Ausnahmslos alleinstehende Männer, erklärt Susanne Cordts, die Leiterin des Sozialamtes. „Sie sind bereits ausgesucht und stammen aus Somalia, Eritrea, Tunesien und Libyen. Wir haben keinen Einfluss auf die Zuweisung.“ Die Asylbewerber sind schon in Dresden untergebracht. Nächste Woche ziehen sie nach Löbtau, am Mittwoch, spätestens Freitag. Mit seinen 40 Plätzen gehöre das Haus zu den kleineren zentralen Unterbringungsorten in Dresden, sagt Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos). Über drei Etagen verteilen sich die Flüchtlinge auf fünf eigentliche Dreiraumwohnungen. In den unteren beiden sind jeweils drei Dreibett- und auf der anderen Seite ein Zwei-bett- sowie zwei Dreibettzimmer angeordnet. Im Dachgeschoss sind es nur zwei Dreibettzimmer. Dazu ist dort im Moment noch das Büro des Hausleiters untergebracht. Der ist ständig vor Ort. Von 22 bis 4 Uhr gibt es zusätzlich einen Wachschutz.

Kleine Zimmer

Hinter den braunen Wohnungstüren, die einzeln abschließbar sind, riecht es nach frischer Farbe. Vor der Umgestaltung waren hier große Büroräume. Inzwischen wurden Trockenwände eingezogen, damit die Raumaufteilung entsteht. Die Zimmer sind klein, aber völlig ausreichend. 18 Quadratmeter Wohnfläche ist das Minimum für drei Flüchtlinge. Das wird erfüllt. Jeder hat sein Bett, einen Kleiderschrank und ein Sideboard. In der Mitte steht ein kleiner Tisch mit Stühlen. In vielen Jugendherbergen sieht es nicht anders aus.

Viele Besucher sind positiv überrascht. Vom Flur gehen zwei Bäder mit Dusche, Toilette und Waschbecken ab. Ebenfalls im Gang ist der Platz für die Küche: ein Herd, eine Spüle und ein Kühlschrank mit Frostfach. Selbst Geschirr, Töpfe, Pfannen und Besteck, samt scharfer Küchenmesser, liegen schon bereit. Essen zubereiten dürfte kein Problem sein. „Alles passt, aber der Kochplatz geht nicht“, sagt Werner Leyh, der sich genau umgeschaut hat. Es fehle einfach eine Abzugsmöglichkeit für Dampf und Düfte. „Die Schimmelgefahr ist groß.“ Die Lüftung soll über die Badfenster erfolgen, erklärt Sozialamtsmitarbeiter Frank Heinze. Die Umbauten seien alle abgestimmt und genehmigt.

Stadt hat das Haus gemietet

Eigentlich sollte das Übergangsheim schon im Dezember vorigen Jahres öffnen, aber es gab Bauverzug. Für die nächsten zehn Jahre hat die Stadt das Haus vom Eigentümer gemietet. Bis zur Mitte des Jahres betreibt Human Care das Objekt. Das Unternehmen ist bereits für vier andere Asylbewerberheime in Dresden zuständig. Der Auftrag für das Löbtauer Haus wird aber demnächst neu ausgeschrieben.

Im Stadtteil finden die Flüchtlinge gute Bedingungen vor. Die künftige Zentralhaltestelle Tharandter Straße an der Kesselsdorfer ist nur reichlich 100 Meter entfernt. Einkaufsmöglichkeiten, wie die Löbtau-Passage und der Dreikaiserhof, befinden sich in unmittelbarer Nähe. Neben der Heimleitung unterstützen Sozialarbeiter stundenweise die Asylbewerber. Der Betreuungsschlüssel wurde kürzlich im Stadtrat auf 1:100 herabgesetzt. Zurzeit ist ein Sozialarbeiter noch für 200 Flüchtlinge zuständig. „Den neuen Schlüssel wollen wir sofort umsetzen“, verspricht Bürgermeister Seidel. Dafür werden die Betreuer, die alle bei sozialen Trägern angestellt sind, von zwölf auf 22 aufgestockt.

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