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Bewährung für Sextäter

Ein Mann tauscht Kinderpornos übers Internet und missbraucht seine Stieftochter. Warum bleibt er trotzdem auf freiem Fuß?

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Stolpen. Unglaubliche 2 649 Bilddateien und 433 Videos mit kinderpornografischen Inhalten soll sich ein Mann aus der Nähe von Stolpen aus dem Internet heruntergeladen haben. Über eine spezielle Tauschsoftware vermittelte er einen Großteil des Materials sogar an andere Nutzer. Doch damit nicht genug. Im Sommer 2015 fotografierte er heimlich seine damals erst zehnjährige Stieftochter, als diese unbekleidet in einem See badete. Später verging er sich an ihr, nahm alles auf Video auf.

Nach seiner Verhaftung Ende Juni 2017 musste sich der 29-Jährige nun den schweren Vorwürfen stellen. Vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Pirna räumte der Deutsche alle Taten ein. Besonders, was er seiner Stieftochter angetan hatte, bereue er heute sehr, sagte er. Der Mann, der nach eigenen Angaben als Kind ebenfalls missbraucht worden ist, will sich nun in therapeutische Behandlung begeben, verzichtet auf Smartphone und Laptop. „Ich will mit dem ganzen Zeug nichts mehr zu tun haben“, versicherte er.

Therapie nur in Freiheit



Nach langer Beratung entschied das Schöffengericht schließlich gegen eine Inhaftierung des Mannes. Es verurteilte ihn zwar zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe, setzte diese aber für vier Jahre zur Bewährung aus. Das Gericht hielt es für sinnvoller, den Angeklagten auf freiem Fuß zu belassen, da in Vollzugsanstalten nichts zur Vermeidung weiterer Taten getan wird. Nur in Freiheit könne sich der Mann in Therapie begeben, begründete das Gericht seine Entscheidung. Für die Familie des Mädchens ist das wenig nachvollziehbar. Die Eltern hätten sich ein härteres Durchgreifen gewünscht, denn im Gegenzug zum Täter, der eine zweite Chance erhält, hat dessen Übergriff dauerhafte, womöglich irreparable Folgen für das Kind.