merken

Bewährungsstrafe für Messerwurf auf Polizisten

Ein hörsehbehinderter Mann ist wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Es gelten mildernde Umstände.

© Patrick Seeger / dpa

Von Tina Soltysiak

Sächsische.de zum Hören!

Zu Hause, unterwegs, in der Pause – Sächsische.de kann man nicht nur lesen, sondern auch immer und überall hören. Hier befinden sich unsere Podcasts.

Döbeln. Zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung, ist ein Gehörloser, stark sehbehinderter Mann am Donnerstag am Amtsgericht Döbeln verurteilt worden. Richterin Marion Zöllner sah es als zweifelsfrei erwiesen an, dass der Döbelner ein Messer auf zwei Polizisten geworfen hat. Ihm werden versuchte gefährliche Körperverletzung sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zur Last gelegt.

Die Einsatzkräfte waren vor anderthalb Jahren in die Wohnung des Angeklagten gerufen worden, weil dieser seine Frau geschlagen hatte. Er deutete an, sich mit einem Messer an den Handgelenken verletzen zu wollen, richtete dann das Messer gegen einen Polizisten. Er und sein Kollege verließen daraufhin zur Eigensicherung die Wohnung, warteten jedoch im Treppenhaus. „Ich stand auf dem Absatz zwischen zwei Treppen, mein Kollege auf halber Treppe“, schilderte der 32-jährige Polizist in der Fortsetzungsverhandlung.

Als der Angeklagte in den Hausflur trat und ihn erblickte, sei unvermittelt das Messer geflogen gekommen. „Ich hatte den Eindruck, der Angeklagte hat mich trotz seiner Seheinschränkung bewusst wahrgenommen“, sagte er. Er habe sich reflexartig geduckt. „Das Messer schlug knapp neben mir gegen die Wand.“ Der Vorfall habe sich binnen weniger Sekunden abgespielt. Er bestätigte die Schilderung seines Kollegen: Beide hätten die Hand an der Dienstwaffe gehabt, diese aber – entgegen der Aussagen des Angeklagten und dessen Frau – nicht gezogen.

Zum Zeitpunkt der Tat war der Beschuldigte alkoholabhängig. Es sei davon auszugehen, dass er einen Blutalkoholwert von 2,8 Promille hatte. „Dies führt zu einer verminderten Schuldfähigkeit. Beim Strafmaß ist zu berücksichtigen, dass er vorher nicht straffällig geworden ist. Von dem Handeln des Angeklagten ging aber eine erhebliche Gefährlichkeit aus“, so Richterin Marion Zöllner. Zumal er aufrund seiner Sehfeldeinschränkung nicht die gesamte Lage überblicken konnte, ergänzte sie. Der Angeklagte muss zusätzlich eine Geldstrafe in Höhe von 500 Euro an den Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen zahlen. Die Richterin folgte mit ihrem Urteil, das nicht rechtskräftig ist, weitgehend dem Vorschlag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. (DA/sol)