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Bewegte Zeiten mit Unterhaltungswert

Andreas Herrmann über die aktuelle Theaterwoche

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Wer am Montagnachmittag den Fachtag „Nächstenliebe – Polizei – Gesellschaft. Vernetzt für eine starke Demokratie“ im Bautzener Volkstheaterwestflügel verpasst haben sollte, dem servieren wir natürlich gern künstlerisch adäquate Alternativen.

So gibt es am Freitag in Zittau großes „Cabaret“ als Musicalpremiere – in Kooperation mit dem Musiktheater und der Tanzsparte in Liberec. In Regie von Intendantin Dorotty Szalma und in reduzierter Musikversion von Levente Gulyás wird das gesamte Ensemble die Berliner Stimmung am Ende der zwanziger Jahre nachhallend nachzeichnen – mit Martha Pohla als Frontfrau (in der Rolle von Sally-Liza Bowles-Minelli) und natürlich restlos ausgebucht!

Wer wirklich den Schauspiel-Musiktheatervergleich mag, hat dazu am Folgeabend die direkte Chance: Denn da kommt das Görlitzer Musikensemble mit der zotigen Offenbach-Operette „Die Großherzogin von Gerolstein“ die Neiße hochgedüst. Dafür gibt es noch genügend Karten – vielleicht auch, weil die Inszenierung dieser Satire auf höfischen Filz und alberne Kriegslust keinesfalls auf virulente Gegenwartsbezüge eingeht, selbst wenn die Bundeswehr als Nato-Heer in Litauen einhundert Kilometer vor Russland steht.

Höhepunkte der Woche

DIENSTAG

Staatstheater Cottbus: Onkel Wanja (mit Vor- und Abspann als Publikumsgespräch), 19.30 Uhr.

DONNERSTAG

Landgericht Bautzen: Terror, 19.30 Uhr.

FREITAG

Burgtheater Bautzen: Männer und andere Irrtümer, 19.30 Uhr (7-Euro-Schnäppchentag).

Theater Görlitz: Typisch ... (Tanz), 19.30 Uhr (5-Euro-Studententag).

Theater Zittau: Cabaret (Schauspielmusicalpremiere), 19.30 Uhr.

SONNABEND

Sorbisches National-Ensemble Bautzen: Abendvogelhochzeit 2018: Spurensuche, 19.30 Uhr (mit Tanzabend).

Theater Zittau: Die Großherzogin von Gerolstein (Operette aus Görlitz), 19.30 Uhr.

SONNTAG

Theater Görlitz: Typisch ... (Tanz), 15 Uhr.

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Wer es anders – also eher vorherschauend und völkerverbindend mag – dem sei nicht nur der Bautzner „Terror“ am Donnerstag im Landgericht, sondern auch die spurensuchene Abendvogelhochzeit im Sorbischen Natinonal-Ensemble als dreifaches abschließendes Tourneeheimspiel (am Sonnabend mit Tanz) empfohlen. Leichter Kitschverdacht wird durchaus lyrisch und musikalisch ansprechend per Weltreise konterkariert und en passant von den Sorbensorgen als bedrohtes Volk erzählt.

Veranstaltungen für die Region finden sich im SZ-Veranstaltungskalender.