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Bewerbungsgespräch mit der Bibel

Mit einer Sonntagspredigt kandidieren zwei Männer und eine Frau um die freie Pfarrstelle in der Dresdner Kreuzkirche.

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© dpa

Von Sandro Rahrisch

Werbung auf der Kanzel: Drei Wochen vor der Wahl des neuen Kreuzkirchen-Pfarrers stellen sich die drei Kandidaten jetzt der Gemeinde vor. Kernige Wahlkampfreden muss die aber nicht über sich ergehen lassen – die Bewerber predigen.

In der evangelischen Kirche ist die öffentliche Vorstellung der Kandidaten üblich. „Gewählt werden sie dann in einer geheimen Sitzung des Kirchenvorstands“, sagt Tabea Köbsch von der Landeskirche. Das soll am 25. März passieren. Dann steht fest, wer die Arbeit des langjährigen Kreuzkirchen-Pfarrers Joachim Zirkler fortführt, der im September seinen Dienst beendet hatte und nun Studienleiter im Zentrum des Lutherischen Weltbundes ist.

Und das sind die Kandidaten: Antje Hinze, die sich bereits am Sonntag vorgestellt hat, ist derzeit Vertretungspfarrerin an der Kreuzkirche. Die 52-Jährige tritt gegen den Dresdner Polizeipfarrer Andreas Pech an. Der 56-Jährige predigt am kommenden Sonntag um 9.30 Uhr. Eine Woche darauf leitet Holger Milkau den Gottesdienst. Als Auslandspfarrer arbeitet der 52-Jährige derzeit in Italien.

„Der Kirchenvorstand kann auch alle drei Kandidaten ablehnen, das ist auch schon passiert“, sagt Tabea Köbsch. „Dann beginnt das Prozedere von vorn.“ Das heißt, die Landeskirche sucht aus allen Bewerbern wieder drei aus und schlägt sie dem Vorstand vor. Ob es für diesen Fall überhaupt noch genügend Kandidaten gibt, ist unklar. Denn wie viele Pfarrer in Sachsens größtem Kirchenbau predigen wollen, möchte die evangelische Kirche nicht verraten. Der Job dürfte allerdings zu den stressigsten in Dresden gehören: Rund 300 000 Besucher strömen jedes Jahr in das Gotteshaus – die Heimstätte von einem der ältesten Knabenchöre Europas. Die Liste der Veranstaltungen ist lang, Höhepunkte sind die Mettenspiele des Kreuzchores zu Weihnachten und Ostern.

Gern hätte die Landeskirche auch jüngere Pfarrer für diese Mammutaufgaben vorgeschlagen. Doch Theologie-Absolventen werden nach ihrem Studium erst einmal aufs Land geschickt. Somit hat der Kirchenbezirk Dresden-Mitte den höchsten Altersdurchschnitt bei Pfarrern in Sachsen.