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Biathleten haben Angst vor neuen Enthüllungen

Vor dem Start der WM in Östersund dominiert ein Thema – und die Frage, ob Laura Dahlmeier rechtzeitig in Form gekommen ist. Die wichtigsten Fakten: 

Laura Dahlmeier gewann bei der vergangenen WM in Hochfilzen fünfmal Gold. © Foto: dpa/Sven Hoppe

Kann Laura Dahlmeier ihre Erfolge von Hochfilzen wiederholen?

Das ist sehr unwahrscheinlich. Vor zwei Jahren hatte sie einen unglaublichen Rekord aufgestellt, als sie in allen Rennen auf dem Podest stand und fünfmal Gold gewann. In diesem Winter hat die 25-Jährige immer wieder mit gesundheitlichen Rückschlägen zu kämpfen, ihr Immunsystem streikte, sie verpasste zehn von 18 Rennen. Um sich besser auf die Titelkämpfe vorbereiten zu können, fehlte sie auch beim WM-Test in Soldier Hollow. „Mein Ziel ist, dass ich wieder ganz vorne ankomme“, erklärte sie. Ihr Heimtrainer Bernhard Kröll glaubt, dass sie nun wieder „stabiler und belastungsverträglicher“ sei.

Und wie stehen die Chancen der anderen deutschen Starter?

Bei Denise Herrmann, die läuferisch eine Klasse für sich ist, kommt es auf die Schießform an. Mit ihrem jüngsten Sieg in der Verfolgung von Soldier Hollow unterstrich sie ihre Möglichkeiten. Auch Franziska Hildebrand, zuletzt Zweite und Dritte, sowie Franziska Preuß, Siegerin im Massenstart von Ruhpolding, rechnen sich Podestchancen aus. Bei den Männern ist Sprint-Olympiasieger Arnd Peiffer und Sprint-Weltmeister Benedikt Doll einiges zuzutrauen. Simon Schempp sagte die WM aufgrund einer Formschwäche ab.

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Wer sind die Stars der 50. WM – und damit die deutschen Konkurrenten?

Bei den Männern führt kein Weg an Überflieger Johannes Thingnes Bö vorbei. Der Norweger feierte in diesem Winter bereits zwölf Einzelsiege im Weltcup und ist, wenn er fehlerfrei bleibt, nicht zu bezwingen. Martin Fourcade, der sieben Mal in Folge den Gesamtweltcup gewonnen hat, schwächelt in dieser Saison, könnte aber nach einer gezielten WM-Vorbereitung überraschen. Bei den Frauen dominieren die Italienerinnen mit Dorothea Wierer und Lisa Vittozzi. Sonst gibt es mehrere Frauen mit Chancen: Marte Olsbu Roiseland (Norwegen), Kaisa Mäkäräinen (Finnland), Anais Chevalier (Frankreich) und Anastasiya Kuzmina (Slowakei).

Gibt es einen neuen Wettbewerb im WM-Programm?

Ja, die Single-Mixed-Staffel feiert ihre Premiere. Dabei bilden nur eine Frau und ein Mann pro Nation eine Mannschaft. Sein Debüt im Weltcup feierte der jüngste Wettbewerb im Februar 2015, olympisch ist er (noch) nicht.

Wie groß ist die Sorge vor einer Dopingrazzia wie in Seefeld?

Die erschreckenden Bilder der Operation Aderlass bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld sind auch in Östersund noch präsent, ebenso wie die Angst vor ähnlichen Vorfällen. Olle Dahlin, dem Präsidenten der Internationalen Biathlon-Union (IBU), ist „bislang keine Verbindung zum Biathlon bekannt“. Dabei gab es auch bei den Skijägern einen Skandal. Seit Monaten ermitteln Behörden wegen eines Doping- und Korruptionsskandals in der IBU. Dabei sollen russische Betrugsfälle vertuscht worden sein. Der fünfmalige Olympiasieger Martin Fourcade wäre „nicht überrascht, wenn hier in Östersund wieder Doper entdeckt werden. Wenn es in anderen ähnlichen Sportarten passiert, kann es hier natürlich auch passieren“, sagte der Franzose. Geschockt war auch Dahlmeier. „Das erschüttert die ganze Szene, auch uns.“ Sie spreche für die gesamte deutsche Mannschaft, wenn sie sagt: „Wir sind absolut sauber. Der Arzt in Erfurt war mir persönlich gar nicht bekannt.“

Sind die russischen Athleten trotz der Enthüllungen am Start?

Ja, auch wenn in Österreich noch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen und längst nicht alle Fragen zum russischen Staatsdoping rund um die Winterspiele in Sotschi geklärt sind. Athleten ohne nachgewiesene Dopingvergehen oder mit abgeleisteten Sperren dürfen antreten. Allerdings ist Russland nach diversen Verstößen in der Vergangenheit kein vollwertiges Mitglied der IBU mehr.

Stoppen die TV-Sender bei einem Dopingskandal die Übertragungen?

Eurosport zeigt alle Rennen, bei den öffentlich-rechtlichen Sendern beginnt die ARD, das ZDF übernimmt ab dem 12. März. Ein Ausstiegs-Szenario bei möglichen Dopingfällen haben die Sender nicht vorbereitet. „Es gibt keine Vorratsentscheidung“, sagte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann. „Natürlich schauen wir genau hin und entscheiden, wenn etwas sein sollte.“ ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky erklärte: „Es gibt keine Zahl von Fällen, bei der wir jetzt sagen würden: Dann steigen wir aus.“ 2007 hatte die ARD mitten in der Tour de France die Übertragung abgebrochen, musste in den folgenden Jahren aufgrund bestehender Verträge wieder einsteigen. Eine solche Bindung gebe es für die Biathlon-WM nicht, erklärte Fuhrmann. (mit dpa/sid)