merken

Sport

Sie patzt erneut am Schießstand

Denise Herrmann läuft bei der Biathlon-WM drei Strafrunden und knapp an Bronze vorbei. Doch die neue deutsche Frontfrau aus Sachsen hat etwas zu verteidigen.

Denise Herrmann kämpft mit Gewehr und Wind.
Denise Herrmann kämpft mit Gewehr und Wind. © dpa/Hendrik Schmidt

Das Bangen um die Medaille war für Denise Herrmann wie ein „Horrorfilm. Man weiß nicht, ob man das sehen will oder nicht“, sagte die 31-Jährige, nachdem sie auf dem Handy und der großen Stadionleinwand angespannt mitverfolgte, ob ihr noch eine Gegnerin den dritten Platz im Weltmeisterschafts-Sprint von Antholz entreißt. Am Ende war es so: Weil die zu den großen Favoritinnen zählende Verfolgungsweltmeisterin gleich drei Fehler schoss, reichte es am Freitag über die 7,5 Kilometer im italienischen Biathlon-Paradies trotz der überragenden Laufbestzeit bloß zum fünften Platz.

„Wenn ich normal schießen würde, hätte ich vorn gestanden. Drei Fehler waren definitiv zu viel“, sagte die Sächsin enttäuscht, nachdem sie schon tags zuvor beim vierten Rang in der Mixed-Staffel mit einer Strafrunde am Schießstand gepatzt hatte, und übte sich vor dem Jagdrennen am Sonntag in Galgenhumor: „Ob viermal Schießen wirklich besser ist?“

Anzeige
Wer wird Dresdner Meister?

Der StadtSportBund sucht die besten Nachwuchssportler 2019: Hier geht es zum Voting, jeder kann mitmachen!

Außenseiterinnen schieben sich noch vorbei

Am Ende hatte Herrmann nur 30,5 Sekunden Rückstand auf die siegreiche Norwegerin Marte Olsbu Röiseland mit einem Schießfehler, die nach der Mixed-Staffel bereits ihren zweiten WM-Titel bejubelte. Lediglich eine Strafrunde weniger und Herrmann hätte locker die beiden überraschend auf dem Podest stehenden Susan Dunklee aus USA und Lucie Charvatova aus Tschechien ausgestochen. Bei einem Schießfehler wäre es sogar Gold gewesen.

„Bei der WM ist es natürlich besonders bitter, wenn man so knapp vorbeischrammt an den Medaillen“, sagte Herrmann, die läuferisch in Bestform ist. „Es war ein knapper Fight. Ich hätte mir gewünscht, dass es reicht.“ Doch sie reagierte zu wenig auf den immer wieder auffrischenden Wind. „Ich hoffe, dass der Tag kommt, an dem das auch beim Schießen funktioniert. Auf mein Laufen kann ich mich verlassen.“ Mit Klagen hielt Herrmann sich nicht lange auf, sondern blickte bereits angriffslustig auf die Verfolgung. „Dann ist ein neues Rennen. Die Ausgangsposition ist gut, und es gibt ja auch etwas zu verteidigen. Da greife ich wieder an. Ich weiß, dass ich in einer richtig guten Form bin.“ 2019 hatte sie in Östersund aus ähnlicher Startposition die Goldmedaille im Jagdrennen gewonnen.

Auch andere Favoritinnen straucheln

Auf dem Podium hätte auch Franziska Preuß nach zwei Strafrunden und 40,8 Sekunden zurück stehen können, doch ein Schießfehler zu viel kostete sie eine Medaille. Sie belegte einen guten achten Platz. „Ich ärgere mich schon richtig, wenn man die Ergebnislisten sieht“, sagte die 25-Jährige, die auch in dieser Saison wieder mit gesundheitlichen Beschwerden zu kämpfen hatte, aber beim Höhepunkt der Saison rechtzeitig fit ist. „Es freut mich, dass ich mich läuferisch wieder gut fühle. Das ist eine gute Ausgangsposition. Jetzt heißt es Attacke am Sonntag.“ Dort will auch die Sprint-14. Vanessa Hinz erneut angreifen. Karolin Horchler wurde bei ihrem WM-Debüt trotz bloß einer Strafrunde lediglich 23. Bei Janina Hettich, der zweiten Debütantin, flossen nach dem 65. Rang und dem Verpassen des Jagdrennens die Tränen.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Das sollten Sie über die Biathlon-WM wissen 

Die deutschen Athleten sind bei den Titelkämpfen in Antholz nicht die Top-Favoriten, aber eine Sächsin hat gute Chancen.

Doch Herrmann war nicht die Einzige der Topfavoritinnen, die bei schwierigen Verhältnissen ins Straucheln gerieten. Lokalmatadorin Dorothea Wierer musste sich mit dem siebenten Rang zufrieden geben, Norwegens sechsfache Saisongewinnerin Tiril Eckhoff schaffte nach sechs Schießfehlern als 59. gerade so die Qualifikation für das Jagdrennen. (dpa/sid)