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Biber setzt Bahndamm unter Wasser

Das Tier hat zwischen Berbisdorf und Radeburg einen Damm in der Promnitz errichtet. Um ihn wegzureißen, braucht die Stadt grünes Licht vom Umweltamt.

Der Biberdamm, der die Promnitz bei Radeburg aufstaut, ist gut zu erkennen. Das Wasser hatte sich in den vergangenen Tagen immer weiter den Gleisen genähert.
Der Biberdamm, der die Promnitz bei Radeburg aufstaut, ist gut zu erkennen. Das Wasser hatte sich in den vergangenen Tagen immer weiter den Gleisen genähert. © Norbert Millauer

Radeburg. Für den Zug, der normalerweise um 15.20 Uhr die Zille-Stadt erreicht, war am Freitag im Bahnhof Moritzburg Endstation. Festgelegt hatte den unplanmäßigen Stopp der zuständige Streckenchef der Lößnitzgrundbahn. Der Grund für die Entscheidung befindet sich indes etwa sieben Streckenkilometer von Moritzburg entfernt vor der Brücke, auf der die Radeburger Umgehungsstraße die Gleise und die daneben fließende Promnitz überquert.

Das im vergangenen Sommer teilweise kaum noch zu sehende Flüsschen hat dort in den vergangenen Tagen einen immer größer werdenden See gebildet. Der Damm, der das Wasser anstaut, ist von der Brücke gut zu sehen. Auf den Baumeister deuten indes nur die Bissspuren an den im Fluss aufgestapelten Zweigen hin.

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Den ersten Hinweis auf die Biberaktivitäten hatte ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung Radeburg bereits vor vier Wochen gesichtet. „Am 3. Dezember hatte er ein kleines Bauwerk in der Nähe des Haltepunktes Anbau entdeckt“, sagt Bürgermeisterin Michaela Ritter (parteilos) auf Nachfrage der SZ. Einen Tag später dann den inzwischen stark ausgebauten Damm vor der Brücke.

„Wir haben daraufhin immer im Abstand von einigen Tagen mehrfach Fotos von diesem gemacht und an das Umweltamt des Landkreises geschickt“, ergänzt die Rathauschefin. Denn die Stadt ist zwar für die Promnitz zuständig, da Biber aber unter strengem Artenschutz stehen, sind ihr bei den von den Tieren errichteten Bauwerken die Hände gebunden. Was mit diesen passiert, kann nur die Naturschutzbehörde entscheiden.

„Unser Problem ist, dass der Damm inzwischen so groß ist, dass wir ihn mit den Möglichkeiten des Bauhofs wahrscheinlich gar nicht mehr beseitigen können“, sagte Michaela Ritter am Freitagvormittag zur SZ. Zudem sei die Stelle, an der der Biber die Sperre in die Promnitz gebaut hat, mit Technik schwer zugänglich.

Da sich das Wasser in den vergangen Tagen immer bedrohlicher den Gleisen des Lößnitzdackels näherte, schaltete sich am Donnerstag auch dessen Betreiber – die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft – in die Bibersache ein. Auch die SZ richtete eine Anfrage an das Landratsamt, um zu erfahren, wie es in der Angelegenheit weiter geht.

Am Freitag überschlugen sich dann die Ereignisse. Ein Mitarbeiter des Umweltamtes sah sich am Vormittag noch einmal selbst vor Ort um. Am Mittag informierte Amtsleiter Peter Jönsson dann die SZ über die getroffene Entscheidung, die zeitgleich auch der Stadt Radeburg übermittelt wurde. „Aufgrund der Gefahr, die von dem Biberdamm für den Betrieb der Lößnitzgrundbahn ausgeht, darf dieser von der Stadt entnommen werden.“ Um schnell eine Entspannung der Situation zu erreichen, müsse der Damm notfalls zunächst per Hand geöffnet werden, um ein Ablaufen des angestauten Wassers zu erreichen.

Peter Jönsson erklärte auch, warum sich das Amt für diese Entscheidung so viel Zeit genommen hat. „Da der Biber streng geschützt ist, bedarf ein derartiger Eingriff in den unmittelbaren Lebensraum des Tieres einer sehr genauen Abwägung. Auch wir können uns strafbar machen, wenn wir die Entfernung eines Biberdamms ohne stichhaltige Gründe genehmigen.“ In dem betroffenen Bereich der Promnitz handele sich wohl um ein neues Revier eines eventuell verdrängten Jungtieres. „Das musste erst einmal genau beobachtet werden.“ Der Amtsleiter verwies auch darauf, dass offenbar bereits ein Bau ohne Genehmigung entfernt wurde.

Im Radeburger Rathaus wurden nach der Entscheidung sofort erste Maßnahmen beraten und umgesetzt. „Beim Versuch der Bauhofsmitarbeiter, den Biberdamm teilweise abzutragen, kam es am Bahndamm allerdings zu Ausspülungen“, informierte die Bürgermeisterin. Daraufhin habe der Streckenverantwortliche der Bahn entschieden, dass vorerst keine Züge mehr nach Radeburg fahren. Wie lange über das Wochenende hinaus stattdessen zwischen Moritzburg und der Zille-Stadt Busse als Ersatz verkehren, war am Freitag offen. Am Montag früh soll in Radeburg das weitere Vorgehen am Biber- und am Bahndamm beraten werden.

Von Freitagmorgen bis zum Mittagszug waren übrigens auf der gesamten Strecke der Lößnitzgrundbahn Busse im Einsatz. In der Nacht war die Dampflok durch einen Schaden ausgefallen. Um eine andere auf die Strecke schicken zu können, musste diese erst angeheizt und so unter Dampf gesetzt werden.