merken

Bibliothek als Treff für Familien

Viel mehr als nur Bücher: Mit neuen Ideen will Michael Diezel mehr Besucher in die Bibliothek locken.

© Dietmar Thomas

Von Andreas Neubrand

Anzeige
Winterdorf geht in die Verlängerung

Die Stadtwerke Döbeln haben den Wunsch der Fans erkannt und verlängern das Winterdorf mit überdachter Eisbahn und beheiztem Hüttengaudi-Festzelt bis 22.12.

Waldheim. Die Bibliothek, eine Oase der Ruhe – das war einmal. So sieht das zumindest Michael Diezel, Leiter der Stadtbibliothek Waldheim. Für ihn ist die Bücherei weitaus mehr. „Ich sehe die Stadtbibliothek eher als einen sozialen Treffpunkt, in dem die Erwachsenen Zeitung lesen und einen Kaffee trinken, während die Kinder spielen“, so Diezel. „Sie soll einfach ein Ort sein, an dem sich die Leute wohlfühlen.“

Und dafür tut er auch im neuen Jahr einiges. So ist für März ein Büchermarkt geplant. Dabei können doppelte Ausgaben und andere Bücher gekauft werden. „Mit dem Erlös wollen wir alle Buchpaten einladen“, sagt Diezel. Buchpate kann dabei jeder werden, der in der Buchhandlung Dierbooks ein Buch kauft und es nach der Lektüre der Bibliothek schenkt. „Es soll auf jeden Fall ein kultureller Abend werden“, sagt Michael Diezel. „Doch was wir genau veranstalten, hängt am Ende von unserem Budget ab.“

Auch eine Veranstaltung mit Manga-Comics steht auf der Wunschliste von Michael Diezel. „Wir stehen in Kontakt mit mehreren Verlagen“, so der Bibliotheksleiter. „Ich wünsche mir auch eine Zeichenstunde vor Ort, aber die ist sehr kostspielig“, erklärt er.

Zu Ostern soll es dann für die Kinder Geschenke geben. „Ich dachte an ein Gewinnspiel“, so Diezel. „Wir verstecken Ostereier aus Papier in den Kinderbüchern, und wer sie findet, erhält ein kleines Geschenk.“

An Ideen, die Stadtbibliothek interessanter zu gestalten, fehlt es ihm nicht. „Einen Teil davon habe ich aus dem Studium“, erklärt Diezel. „Aber manche Ideen tragen die Bürger direkt an mich heran. Im Gespräch mit Kollegen überlege ich dann, ob und wie ich sie umsetzen kann.“

Daraus entwickelten sich Projekte, wie der Blockbuster zum Feierabend oder das Bilderbuchkino. Letzteres hat sich etabliert und ist bei vielen Kindern fest eingeplant.

Doch nicht jeder Einfall war von Erfolgen gekrönt. „Unser Vortrag zum Thema Gesundheit war nicht so gut besucht“, gibt er zu. „Der Zeitpunkt war schlecht gewählt und wir haben zu wenig Werbung gemacht“, so Diezel.

„Ich weiß, dass das Buch längst nicht mehr die einzige Informationsquelle ist. Viele Leute beziehen ihr Wissen lieber aus dem Internet“, sagt Diezel. Dem müsse eine moderne Bibliothek Rechnung tragen. „Deshalb haben wir hier freies Wlan eingerichtet. Damit auch Internetaffine die Bibliothek nutzen können.“ Dabei sieht er weder Film noch Internet als Konkurrenz zum Buch. „Gut kombiniert, ergänzen sich die unterschiedlichen Medien“, so Diezel.

Auch wenn er die Bibliothek für moderne Medien öffnet, an die Zukunft des Buchs glaubt er dennoch. „Im letzten Jahr haben wir mehr Bücher erworben, als in den Jahren davor“, so der Bibliothekar.

Doch welche Bücher angeschafft werden, ist nicht immer einfach zu bestimmen. „Auf jeden Fall die Bestsellerlisten, die gehen immer“, sagt er. „Dann haben wir natürlich ein offenes Ohr für die Wünsche unserer Besucher. Gerade bei Sachbüchern und Biografien ist da auch für uns die eine oder andere Überraschung dabei.“ Etwas leichter tue er sich hingegen mit der Kinderliteratur. Wenn da ein Genre gut läuft, suche er nach themenverwandten Büchern, sagt er. „Und dann müssen wir natürlich stets die aktuellsten Bände der beliebtesten Buchserien vorrätig haben.“

Auch wenn ihn sein Beruf ausfüllt, gibt es etwas, was Michael Diezel vermisst: „Lesen. Dazu komme ich leider nur selten.“