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Weißwasser

Bienenstock und Fischernetz statt Gameboy

Das Projekt „Kinder entdecken die Wirtschaft auf dem Lande“ in Rietschen erlebt jetzt seinen Startschuss.

Während des Hubertusfestes 2020 in Rietschen (wenn es denn stattfindet) sollen die Ergebnisse des Projekts innerhalb des Mitmachfonds Sachsen vorgestellt werden. Hier eine Szene des vorjährigen Hubertusfestes: Ausstellung des Jagdverbandes Niederschlesi
Während des Hubertusfestes 2020 in Rietschen (wenn es denn stattfindet) sollen die Ergebnisse des Projekts innerhalb des Mitmachfonds Sachsen vorgestellt werden. Hier eine Szene des vorjährigen Hubertusfestes: Ausstellung des Jagdverbandes Niederschlesi © Rolf Ullmann

Probleme der Wirtschaft hie, das Interesse von Mädchen sowie Jungen im Kindesalter da – wie kann man dies miteinander verbinden? Sind die Heranwachsenden nicht zu jung, um sich damit intensiver zu beschäftigen? Ivonne Walter und Tilmann Havenstein vom Kulturverein Rietschen haben sich diesen Fragen gestellt und gemeinsam ein Konzept entwickelt, das eine tragfähige Grundlage für das Projekt „Kinder entdecken die Wirtschaft auf dem Lande“ bildet. 

Die Jury, die über die Vergabe der finanziellen Mittel für die Projekte im Sächsischen Mitmachfond entscheidet, teilte diese Auffassung und gab grünes Licht für die Verwirklichung des Konzepts. Als finanzielle Basis erhält der Kulturverein Rietschen dafür rund 4.850 Euro .

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Tilmann Havenstein erläutert das Grundanliegen dieses Entdeckerkurses: „Unter Wirtschaft verstehen wir nicht die großen Firmen, die Großindustrie oder die Banken, sondern die wirtschaftlichen Gegebenheiten hier bei uns in Rietschen und seiner Umgebung. Dabei haben wir fünf Bereiche ins Auge gefasst.“ Neben der Forst- sowie der Landwirtschaft sollen dabei die Imkerei, die Teichwirtschaften sowie die Jagd in das Blickfeld der sechs- bis elfjährigen Mädchen und Jungen gerückt werden. Als erster Schritt ist geplant, gemeinsam mit den Kindern herauszufinden, welchen Bereich (oder Bereiche davon) gibt es bei ihnen im Ort – und welche Rolle spielen diese im Alltag der Menschen, die hier leben und arbeiten?

Idealerweise sollen alle fünf dieser Module das Interesse der Kinder finden. In kleinen Gruppen wenden sich die Teilnehmer zum Beispiel solchen Fragen zu: Wie funktioniert es, dass aus Blüten schließlich Honig wird? Oder: Was geschieht unter der Wasseroberfläche in den Teichen? Natürlich sollen auch die Land- und die Forstwirtschaft, die das wirtschaftliche Antlitz gerade im Bereich der Gemeinde Rietschen prägen, nicht zu kurz kommen. Für jede der fünf Gruppen soll ein Ansprechpartner für die Kinder gefunden werden. Im Bereich der Teichwirtschaft ist dies bereits mit Karsten Tusche gelungen. Seitens des Hegeringes Nieskyer Heide wurde ebenfalls die Bereitschaft zur Teilnahme und Unterstützung signalisiert. Dies trifft gleichermaßen für den Staatsbetrieb Sachsenforst zu. Auch bei den Vereinsmitgliedern des Imkervereins Boxberg treffen die Organisatoren auf offene Ohren. Tilmann Havenstein ist zuversichtlich, auch im Bereich der Landwirtschaft einen kompetenten Partner zu finden.

Geplant sind zwei bis maximal vier Treffen der Kinder mit ihren Ansprechpartnern. Mehr wird auf Grund der Kürze der Zeit bis zum geplanten Endpunkt des Projekts anlässlich des traditionellen Hubertusfestes am 1. November in Rietschen wohl nicht möglich sein. Ivonne Walter und Tilmann Havenstein haben diesen Termin ganz bewusst gewählt, da sich hier die Gelegenheit bietet, einer breiten Öffentlichkeit die Ergebnisse des Projekts vorzustellen. Denkbar ist dabei ein Einzug der Teilnehmer mit ihrer anschließenden Vorstellung. Möglich ist auch die Präsentation der Aktivitäten in Form einer kleinen Ausstellung im Festzelt.

 Noch steht das große Fragezeichen im Raum, ob das Hubertusfest stattfinden kann, und wenn ja, in welchem Rahmen es über die Bühne gehen kann. Unabhängig davon tüfteln die Organisatoren daran, mit welchen interessanten Veranstaltungen das Interesse der Kinder geweckt werden soll. Ins Auge gefasst ist dabei ein Besuch der Schliefenanlage des Hegeringes bei Niesky. Ferner soll das Erlebnis eines Abfischens oder auch einmal beim Honigschleudern-Zuschauen möglich gemacht werden. Bei der Gewinnung der Kinder für dieses Projekt setzen die Organisatoren neben der Zusammenarbeit mit den Schulen und Kindereinrichtungen vor allem auch auf die Mund-zu-Mund-Propaganda. Diese sollte in Rietschen sowie den Ortsteilen, in denen man sich untereinander zum großen Teil kennt, auch funktionieren, ist sich Tilmann Havenstein sicher.

„Wenn es uns gelingt, durch das Projekt das Interesse der Kinder weg vom Gameboy und dem Fernseher hin zu den vielfältigen und interessanten Dingen in der Natur und der Tätigkeit des Menschen darin zu lenken, dann haben wir sehr viel erreicht,“ sagt Tilmann Havenstein. Wenn aus dem Kennenlernen von einem oder sogar mehreren Bereichen sich bei den Kindern der Wunsch entwickelt, in einem Verein Mitglied zu werden und sich künftig ständig zum Beispiel mit dem Angeln, oder der Imkerei zu beschäftigen, dann hat das Projekt Weichen für die zukünftige Entwicklung des Heranwachsenden gestellt.

Der Wunsch, später einmal das Hobby in einem Beruf im Rahmen der genannten Bereiche fortzusetzen, setzt dem Bemühen die Krone auf, den Kindern die Wirtschaft auf dem Lande nahezubringen.

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