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Bier als Türöffner für Touristen

Der Landkreis Bautzen und die gesamte Oberlausitz könnten von einer spannenden Reise-Idee profitieren. Auch wirtschaftlich.

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

Bautzen. An der Neiße trinkt man Landskron, in Bautzen Kupfer, in Kamenz Liesker oder Wittichenauer und in Radeberg natürlich Radeberger. „Und Neugier geht durch den Magen“, sagt Olaf Franke, der Chef der Marketinggesellschaft Oberlausitz (MGO). Und Bier kann diese Neugier durchaus würzen, ist er überzeugt. Das Ganze soll nun helfen, verstärkt Touristen von Dresden aus in die Region zwischen Radeberg, Bautzen und weiter Richtung Görlitz zu locken.

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Eine Region, in der sich viele mit dem Begriff Oberlausitz schwertun, weil der nicht alle Bereiche dieses vielfältigen Landstrichs wirklich anspricht, wie Olaf Franke weiß. Und doch ist er überzeugt, „dass es mit den Themen Essen und Trinken funktionieren kann, das Wirtschaftsstandbein Tourismus in dieser Region zu stärken und gleichzeitig dem Begriff Oberlausitz Schwung zu geben, weil es eine Art regionale Dachmarke braucht“. Er ist jedenfalls begeistert, dass sich jetzt beim „touristischen Türöffner Bier“, wie er sagt, etwas Spannendes tut.

Pilsner lockt Zehntausende an

Deshalb machte sich Olaf Franke dieser Tage auf den Weg in die Bierstadt Radeberg; im südlichsten Zipfel des Landkreises Bautzen. Gemeinsam mit dem Dresdner Reiseveranstalter Sachsenträume hat die Radeberger Exportbierbrauerei zwei weitere sächsische Brauereien ins Boot geholt – Freiberger und Krostitzer bei Leipzig. Geschnürt wurde ein fünftägiges Gruppen-Reisepaket, aus bereits bestehenden Angeboten. Brauereirundgängen, Dampflokfahrten auf der Weißeritztalbahn und Städtebesuchen. Alles rund ums Thema Bier. „Das Ganze soll ein Anfang sein“, hofft die Radeberger Brauereisprecherin Jana Kreuziger. Eine Idee, die sich auch weiter in den Landkreis Bautzen und die Oberlausitz entwickeln soll. Nicht ohne Grund sei die Figur des Radeberger Bierkutschers Ernst ja auch Botschafter der Oberlausitz – „und wir sind auch beim traditionellen Eibauer Bierzug dabei“, fügt die Brauereisprecherin an. Denn auch bei Radeberger weiß man um das touristische Potenzial des hier gebrauten Pilsners. Alljährlich schauen sich um die 20.000 Besucher bei Brauereirundgängen in Radeberg um, gut 25 000 Besucher kommen ins Radeberger Biertheater. „Es funktioniert“, freut sich auch Radebergs Wirtschaftsreferent Marco Wagner: „Wir haben knapp 300 Betten für Touristen und über 35 000 Übernachtungen pro Jahr, Tendenz steigend!“ Und natürlich lassen Touristen auch Geld in der Region. Dafür müssen aber aus Einzelkämpfern vor Ort Partner werden, macht Radebergs Brauereisprecherin Jana Kreuziger deutlich. Denn nur gemeinsam sind zum Beispiel kostspielige Messe-Auftritte zu stemmen.

Genau auf diese Gemeinsamkeit setzt auch Olaf Franke mit seiner Marketinggesellschaft Oberlausitz: „Wir brauchen viele interessante Bausteine, die sich zu einem großen Ganzen zusammenfügen.“ Dafür könne die MGO die notwendige Marketing-Maschinerie bereitstellen. „Diese Bierreise zum Beispiel ist eine wunderbare Idee, die sich bestens auf die Oberlausitz ausweiten lässt“, ist er überzeugt. Aktuell werde die Region aber noch viel zu selten mit dem Thema Bier in Verbindung gebracht.

Ein Problem übrigens, das für ganz Sachsen gilt, sagt Barbara Sarx-Lohse. Sie ist die Geschäftsführerin des Sächsischen Brauerbundes. „Sachsen ist ein absolutes Bierland, aber das wird überregional kaum wahrgenommen.“ Der Freistaat habe die höchste Pro-Kopf-Produktion in Sachen Bier in ganz Deutschland. „Und das Begeisternde an Sachsen ist ja, dass man hier das Kulturgut Bier mit anderen Kulturgenüssen kombinieren kann – beste Voraussetzungen für touristischen Erfolg also“, beschreibt sie. Auch das mit Blick auf die Reisepremiere. Und auch Barbara Sarx-Lohse sieht beim Thema Bier und Tourismus für die Oberlausitz enormes Potenzial. „Weil hier große Brauereien und kleinere bis hin zu ganz kleinen ansässig sind – eine wunderbare Vielfalt, aus der sich Marketing erarbeiten lässt“, ist die Chefin des Brauerbunds überzeugt.

Auch Kleine können profitieren

Interessant findet die Idee dann zum Beispiel auch Johannnes Glaab von der Wittichenauer Stadtbrauerei. „Auch, wenn wir als vergleichsweise kleine Brauerei unser Hauptaugenmerk natürlich eher auf regionale Kunden legen.“ Dennoch hätte die Stadt vor den Toren Hoyerswerdas mit dem Lausitzer Seenland oder auch der Schaukäserei in der Milchwelt im Wittichenauer Ortsteil Kotten durchaus Spannendes zu bieten, kann sich Johannes Glaab durchaus auch Besucher von außerhalb vorstellen. Eher schwierig sieht man hingegen im Missionshof Lieske bei Kamenz das Thema. Hier wird Bier zwar in einer professionellen Brauerei, aber quasi im Einmann-Betrieb gebraut. „Wir haben da leider kaum Kapazität für regelmäßige Führungen – und auch unser Bierausstoß gibt das kaum her“, bedauert Sebastian Winkler, der Chef des Missionshofs. Aber interessant findet auch er die Bierreise-Idee.

Es wird also mit Sicherheit noch eine Menge Arbeit zu erledigen sein, bis das Bier die Tourismustüren in die Oberlausitz öffnen hilft. Aber der Anfang ist gemacht!