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Bierkrug als Wurfgeschoss

In einer Straßenbahn verletzt der Angeklagte einen Mann. Der Täter kann fliehen. Dass er ausfindig gemacht wird, hat mit seiner Vergangenheit zu tun.

© Foto: Polizei

Von Jürgen Müller

Radebeul. Der 34-jährige Radebeuler feiert gern und oft, fährt regelmäßig zu Volks- und anderen Festen. Vor allem, weil dort der Alkohol in Strömen fließt. So ist es auch an jenem Oktobertag, als in Dresden der „Tag der Deutschen Einheit“ gefeiert wird. „Es gab so viele Stände, an jedem wurde was anderes angeboten“, schwärmt der Mann. Er trinkt sich von Stand zu Stand durch, fährt dann kurz nach Mitternacht mit der Straßenbahn nach Hause. Es ja ein ganzes Stück von Dresden bis Radebeul, da hat er sich „Wegzehrung“ mitgenommen. Einen Maßkrug Bier, den er während der Fahrt leert. Was dann passiert, ist nicht mehr vollständig aufzuklären. Offenbar gibt es einen Wortwechsel mit anderen Fahrgästen. Dann steigt der Mann aus, wirft den Bierkrug gezielt und mit voller Wucht nach einem Mann. Der wird getroffen, erleidet eine Platzwunde am Kopf, die im Krankenhaus genäht werden muss. Außerdem hat der Mann aus Niedersachsen ein paar Tage lang einen „Brummschädel“.

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Der Täter kann fliehen, wird aber dennoch eindeutig überführt. Zum einen, weil die Straßenbahn videoüberwacht wird. Vor allem aber, weil der Angeklagte eine kriminelle Vergangenheit hat. Deshalb wurde er schon vor längerer Zeit erkennungsdienstlich behandelt, ihm also auch Fingerabdrücke abgenommen und gespeichert. Und diese Fingerabdrücke findet das Landeskriminalamt auf dem Maßkrug aus Glas.

Der Angeklagte will sich an die Tat nicht mehr erinnern können. Er wisse nur noch, dass er von dem Fest Bier mitgenommen habe. Dann setze seine Erinnerung erst wieder ein, als er zu Hause aufgewacht sei. Erst durch die Vorladung zur Polizei habe er erfahren, dass da etwas vorgefallen sein soll, sagt er. Er sei viel zu betrunken gewesen. Das kann allerdings nicht sein. Der Bruder des Geschädigten hat bei dem Angeklagten kein Schwanken, kein Torkeln oder andere Ausfallerscheinungen festgestellt. Zwar sei er alkoholisiert gewesen, habe aber normal sprechen können. Der Wurf sei gezielt gewesen. Beim Aussteigen habe der Mann auch absichtlich die Tür blockiert.

Der Angeklagte hat neun Vorstrafen, wurde wegen Beleidigung, Sachbeschädigung, Trunkenheit im Verkehr und Körperverletzung verurteilt. Etliche Ermittlungen wurden von der Staatsschutzabteilung geführt. So hat der Angeklagte beispielsweise in der „Bunten Republik Neustadt“ in Dresden Polizisten beleidigt und eine Bierflasche auf ein Polizeiauto geworfen. Dafür wurde er zu einer Geldstrafe von 170 Tagessätzen verurteilt, was ungewöhnlich hoch ist für eine Beleidigung. Zwar gibt es den Straftatbestand der Beamtenbeleidigung nicht, werden allerdings Polizisten in Ausübung ihres Dienstes beleidigt, wirkt das strafverschärfend. Auch wenn sich der Angeklagte dazu nicht äußern will, scheint klar, dass er einer bestimmten politischen Szene angehört.

Den Vollrausch nimmt die Staatsanwältin dem Mann nicht ab, er sei keineswegs schuldunfähig gewesen. „Sie sind eine ganz gewalttätige Person“, sagt sie und fordert acht Monate Haft. Wegen gefährlicher Körperverletzung wird der Radebeuler erstmals zu einer Haftstrafe verurteilt. Der Richter geht über den Antrag der Staatsanwältin hinaus, verhängt zehn Monate Gefängnis, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Außerdem muss der Mann an den Geschädigten ein Schmerzensgeld von 800 Euro zahlen.

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