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Bierprobe im Gemeinderat

Nach dem nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung wurde jetzt in Großschönau so viel getrunken wie noch nie.

© Thomas Eichler

Von Holger Gutte

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Eine Bierprobe im Gemeinderat – wo gibt es das schon. Großschönaus Gemeinderäte haben das jetzt praktiziert. Durch zehn Sorten Bier sollten sie sich durchtrinken. Ganz offiziell und sozusagen unter notarieller Aufsicht. Wie schön kann doch die Arbeit eines Gemeinderates sein. Und weil es sich in geselliger Runde besser trinkt, helfen Bürgermeister Frank Peuker (SPD) und die anwesenden Mitarbeiter der Verwaltung kräftig mit. Schließlich geht es hier nicht ums bloße Bier trinken. Für Großschönau soll das süffigste Bier gefunden werden. Da zählt jede Stimme.

Großschönau bekommt nämlich ein eigenes Weberbier. Nicht irgend eines, sondern ein speziell für den Ort gebrautes. Der edle Gesternsaft ist nur eines von möglichst vielen Produkten und Ideen, mit denen die Gemeinde jetzt für sich und die Marke Textildorf in die Werbeoffensive geht. Aber wie soll das Bier aussehen, wie schmecken und welche Stammwürze soll es haben? Diese Fragen haben die Gemeinderäte nun in lockerer Runde mit einer Bierprobe geklärt. Es steht auch schon fest, wer das Weberbier braut. Es reift und gärt im Nachbarort. Die Gemeinde pflegt seit Jahren gute Kontakte mit dem tschechischen Varnsdorf. Bei so einen Treff sprach Bürgermeister Frank Peuker mal die Idee mit dem Weberbier gegenüber Josef Šusta an. Der Brauereichef ist gleich hell auf begeistert davon gewesen. Zum Jahresausklang hatte er Großschönau eine kleine Kostprobe geschickt.

Allerdings mit fatalem Ergebnis. Die Vorgabe vom Bürgermeister – ein leichtes Bier zu brauen, weil die Weber früher arm waren – hatte der Braumeister wahrscheinlich zu wörtlich genommen. Die Kostprobe ist glatt durchgefallen. Das lässt natürlich keine Brauerei auf sich sitzen. „Wir haben jetzt zehn verschiedene Sorten zum Verkosten bekommen“, sagt Frank Peuker beim Gemeinderat. Jeweils vier Flaschen a 0,5 Liter. Gleich nach dem öffentlichen und nichtöffentlichen Sitzungsteil soll die Verkostung losgehen. Umso trockener geht deshalb die Beratung über die Bühne.

Die beiden Amtsleiter Peter Pachl und Markus Hummel beweisen, dass sie durchaus auch Geschick für den Kellnerberuf hätten. 21.13 Uhr schenken sie den Gemeinderäten das erste Bier ein. Die Flaschen sind anonymisiert und lediglich mit Nummern versehen. CDU-Gemeinderätin Christin Hüttel lässt sich nur ein kleines Schlückchen ins Glas gießen. Die Baudenwirtin trinkt sonst kein Bier, sondern eher Wein. Karin Szalai (Freie Wähler) ist da wesentlich gespannter auf die Sorten, die ihr gereicht werden. „Ich trinke gerne mal ein Bier“, sagt Waltersdorfs Ortsvorsteherin. Die Nummer 1 ist ihr aber dann ein zu leichtes Bier. Und das nächste – ein Dunkles – geht gar nicht. „Das schmeckt wie Karamalz ohne Zucker oder wie kalter Kaffee“, schildert sie. Und schon stehen überall leere Gläser auf den Tisch, für die Brühe, die keiner trinken will. Mit der dritten Sorte ist Karin Szalai schon zufriedener. „Das riecht gut, schmeckt gut – ein schönes leichtes Helles“, kommt aus der Runde. Nummer 4 fällt wieder bei fast allen Testtrinkern durch – ebenso die nächste Probe. „Das schmeckt sehr gut“, schwärmt Karin Szalai von Nummer 6. Es riecht nicht so gut, finden einige Gemeinderäte. „Ich mache aber ganz selten eine Flasche Bier auf und rieche daran, so wie ihr jetzt“, entgegnet Volker Hofmann (SPD). Mit ihm haben die Räte sogar einen Notar in ihren Reihen. Mit „das ist süffig“, bewertet Frau Szalai Bier Nummer 7. Auch andere in der Runde loben das Pilsner. Der nächste Gerstensaft ist etwas süßer und wieder ein leichteres Pilsner. Großes Rätselraten kommt bei der vorletzten Sorte auf. Das Bier ist trüb und dunkler als Pilsner. Es schmeckt eigenartig. Trotz ihrer Mini-Kostproben sagt selbst Christin Hüttel: „Das ist zu fruchtig und ungenießbar.“ Die Nummer 10 ordnen die Bierkenner unter den Gemeinderäten in die Kategorie Altbier ein.

Jetzt muss nur noch Sekretärin Silke Schreiter Strichliste führen. Der Reihe nach sagt ihr jeder seine drei Favoriten an. Und es zeigt sich, dass die Geschmäcker sehr verschieden sind. Aber mit 30 Punkten liegt Bier Nummer 7 klar vor Nummer 1 (23) und 10 (18). Großschönaus Weberbier ist gefunden. Jetzt nimmt Frank Peuker Kontakt mit der Varnsdorfer Brauerei „Kocour“ (auf Deutsch Kater) auf, um über die Gestaltung des Etikettes zu reden.

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