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Bierstube kehrt in Neue Mensa zurück

Einen Betreiber für die Kneipe gibt es allerdings noch nicht. Dafür gibt es eine Summe, was die Sanierung des gesamten Hauses kostet.

© René Meinig

Von Nora Domschke

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Lange war es unklar, nun steht es fest: Die kultige Bierstube in der Neuen Mensa an der Bergstraße wird wieder öffnen. Generationen von Studenten haben dort das ein oder andere Bierchen getrunken, Fisch und Chips gegessen, Fußball-Europa- und -Weltmeisterschaften geschaut. Und dabei wohl auch mal eine Vorlesung oder ein Seminar versäumt. Nun also die gute Nachricht für viele weitere Studentengenerationen. Und wie die Visualisierungen des beauftragten Architekturbüros verraten: Die waschechte 70er-Jahre-Optik der Bierstube kehrt ebenfalls zurück. Ziegelsteinwände und -boden, schwere Holzmöbel – sie dominieren den Innenraum der Bierstube, die sich an der Nordseite der Neuen Mensa befindet.

Dank des Denkmalschutzes wird die Bierstube in altbekannter Optik zurückkehren. © Visualisierung: AGZ Zimmermann GmbH
So soll das Mensagebäude nach der Sanierung aussehen. Im Süden des Hauses wird es Außenplätze geben. © Visualisierung: AGZ Zimmermann GmbH

Ob der Charme vergangener Zeiten nun gefällt oder nicht – der Denkmalschutz fordert ihn. Ein ganz besonderes Detail ist dabei auch die sogenannte Moki-Decke aus speziell angefertigten Gipsplatten. Darauf legten die Denkmalschützer großen Wert. „Die Wiederherstellung wird deshalb auch mit 300 000 Euro bezuschusst“, erklärt Tobias Lorenz vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, der sich für das Studentenwerk um die Sanierung der Neuen Mensa kümmert. Erhalten bleiben und aufgearbeitet werden sollen unter anderem auch Aluminiumdeckschalen der Fenster, sämtliche Holzvertäfelungen, Leuchten, Terrazzofußböden sowie Holztüren.

Als Eigentümer will das Studentenwerk nun auch noch einen Betreiber für die Bierstube finden. „Dafür hatten wir bislang keine Zeit“, erklärt Sprecherin Heike Müller. Zunächst soll erst einmal die Sanierung angeschoben werden. Erste Arbeiten haben an der Mensa bereits stattgefunden. So wurde ein Anbau abgerissen und Lampen und Bänke auf den Außenanlagen abgebaut. Einige der Umfassungen, kleine Mauern, werden eingelagert und nach der Sanierung wieder verwendet. Zurzeit werde an letzten Planungen gearbeitet, so Lorenz. An den eigentlichen Speiseräumen im Inneren soll es keine großen Veränderungen geben. Der Brandschutz muss erneuert und die Küchen- und Haustechnik modernisiert werden. Auch, weil sich die Art der Essenausgabe ändert. Anstatt der ursprünglichen Bandausgabe soll es einen offenen Bereich mit mehreren Ausgabestellen wie etwa Buffets und Theken geben. Dort können sich die Gäste mit Hauptgerichten, Desserts und Salaten selbst versorgen und dadurch ihre eigene Wahl treffen. Das Ganze nennt sich „Free-Flow-System“.

Ein modernes Konzept in alten Mauern. Gebaut wurde die Neue Mensa von 1974 bis 1978 nach den Entwürfen von Ulf Zimmermann – sein Sohn Norbert Zimmermann kümmert sich nun um die Sanierung. Eröffnet wurde die Mensa 1981. 2014 musste sie aufgrund der baulichen Mängel geschlossen werden. Als zwischenzeitlich sogar ihr Abriss diskutiert wurde – vor allem wegen der hohen Baukosten, die der Denkmalschutz mit sich bringt – setzten sich etliche Unterstützer für ihren Erhalt ein. Nur durch diesen heftigen Widerstand, auch von Professoren, war der Abriss letztlich vom Tisch. Ähnlich groß ist nun die Forderung nach der Rückkehr der Bierstube. So wurde Anfang des Jahres eine Petition gestartet, die bis jetzt 1 600 Menschen unterzeichnet haben. Nötig ist die Petition nicht, wie Heike Müller vom Studentenwerk versichert. Und wundert sich über die Aufregung, denn schließlich hätte eine Nachfrage beim Studentenwerk schnelle Aufklärung gebracht.

Wenn die Bauarbeiten ohne Schwierigkeiten vorangehen, werden in Mensa und Bierstube wohl ab dem Wintersemester 2020/21 wieder Gäste versorgt. Zur Fußball-Europameisterschaft, die 2020 stattfindet, wird es also noch nichts mit Public Viewing in der Bierstube. Wenn sich die deutschen Kicker 2022 den Weltmeistertitel zurückholen wollen, sollte das allerdings passen.

Hungrige Studenten muss es bis zur Eröffnung der Neuen Mensa nicht geben. In der Mensa Reichenbachstraße und im Zeltschlösschen werden sie gut versorgt.