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Biete und Suche auf dem Facebook-Flohmarkt

Über 6.000 Dresdner machen Facebook zum virtuellen Basar. Der Erfolg überrascht selbst die Initiatorin der Gruppe.

Von Tobias Hoeflich

Die abgelaufene Milchpackung wird doch im Mülleimer landen. Mit zwei Klicks löscht Lisa Wüllenweber das Angebot in ihrer Facebook-Gruppe. Ein Käufer hätte sich wohl kaum gefunden. „Bei solchen Angeboten ist klar, dass sie nicht ernst gemeint sind“, sagt die 21-Jährige aus Wölfnitz. „Zum Glück sind nur wenige solcher Spaßvögel hier dabei.“

Vor etwa zwei Jahren hat die TU-Studentin im sozialen Netzwerk Facebook eine Gruppe gegründet. Dresdner können hier Gesuche aufgeben und Dinge verkaufen. Vom Klapphandy bis zur Kommode bieten sie all das, was in ihrem Haushalt bloß noch als Staubfänger dient. „Am Anfang hatte ich nur meine Dresdner Freunde in die Gruppe eingeladen“, erinnert sich Wüllenweber. Wenige Monate später war die Zahl der Mitglieder schon dreistellig.

Inzwischen hat Dresdens angesagter Online-Flohmarkt über 6.000 Nutzer. Bis zu 50 Angebote und Gesuche werden täglich aufgegeben. Ihre Tauschbörse hat eine Eigendynamik entwickelt, die selbst die Studentin überrascht. „Damit habe ich nicht gerechnet. Ich hab schon gestaunt, als die 100er-Marke überschritten wurde.“

Als Initiatorin des Netzwerks wacht Wüllenweber über das Einhalten der Regeln. Und die sind schnell erklärt: Jeder, der bei Facebook angemeldet ist, kann mitmachen und die Mitgliedschaft in der Gruppe beantragen. Das Angebot oder Gesuch wird auf der Pinnwand des Netzwerks veröffentlicht. Fertig. Ist das Interesse eines Nutzers geweckt, kann er das Angebot kommentieren – oder direkt Kontakt aufnehmen.

Starker Zuwachs zum Semesteranfang

Vor allem Studenten sind in dem Netzwerk aktiv. Allein der Beginn des neuen Semesters hat die Mitgliederzahl um 2.000 hochschnellen lassen. Gebrauchte Dinge zu kaufen, ist für Studenten attraktiv – und liegt bei Jüngeren im Trend. „Viele Dinge werden weggeschmissen, obwohl andere sie brauchen könnten.“ Lisa Wüllenweber gibt diesen unliebsamen Stücken eine Chance zur Zweitverwertung.

Die Idee dazu hat die Lehramtsstudentin aus ihrer Heimatstadt Düren in Nordrhein-Westfalen importiert. „Dort hat es viele solcher Gruppen gegeben“, sagt sie. Warum also nicht in Dresden? Der Facebook-Flohmarkt hat vielerlei Vorteile: wetterresistent, bequem, 24 Stunden geöffnet. Und die Erfolgsquote ist hoch: „Die meisten Angebote werden vermittelt“, sagt Wüllenweber. Sie selbst hat schon allerhand Unliebsames verhökern können. „Nur den alten Esstisch will nach wie vor niemand haben“, sagt sie und lacht.“

Doch mit dem Erfolg des Netzwerks kommen auch Probleme. Einige zwielichtige Personen sind auf die Gruppe aufmerksam geworden, wollten sie als Werbeplattform missbrauchen. Lisa Wüllenweber und vier weitere Gruppenmitglieder, die mit ihr das Netzwerk verwalten, werfen deshalb mehrmals täglich einen Blick in den Facebook-Flohmarkt. „Solche Anzeigen werden sofort gelöscht und die Nutzer aus der Gruppe ausgeschlossen.“ Doch auch die wachsende Mitgliederzahl macht die Tauschbörse unübersichtlicher. „Vielleicht machen wir bei 10.000 Mitgliedern einen Aufnahmestopp“, sagt Wüllenweber. Sicher ist das aber nicht.

Die Fülle an Nutzern führt indes nicht nur zu Tauschgeschäften – auch zu Beziehungen zwischen ihnen. Lisa Wüllenweber hat das selbst erfahren. Das Gesuch nach einem Videorecorder hat ihr nicht nur ein neues Abspielgerät beschert: Mit dem Verkäufer, ein Student aus der Nachbarschaft, ist sie seit über einem Jahr zusammen.

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