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Bildergalerie unter der Kegelbahn

© Thomas Morgenroth

Im Gutshof Pesterwitz wird am Sonnabend der Kunst-Raum eröffnet – mit einigen Überraschungen.

Von Thomas Morgenroth

Freital. In Dresden wird er nicht mehr gebaut, dafür fliegt er in Pesterwitz durch die Lüfte: Phaeton, der Strahlende. Freilich ist es nicht die Luxuskarosse von Volkswagen, die den Boden unter den Rädern verloren hat, höchstens sprichwörtlich. Es ist der Sohn des Sonnengottes Helios aus der griechischen Mythologie, der die Kontrolle über den Sonnenwagen verliert, eine globale Feuersbrunst auslöst und dabei stirbt. In Pesterwitz ist er noch putzmunter, und die Menschen unter ihm ahnen nichts vom kommenden Inferno. So malte ein unbekannter Künstler um 1650 den „wagenbegierigen Phaeton“ auf eine Holztafel.

Das Gemälde gehört zu einer wunderschönen Decke aus der Zeit der Spätrenaissance, die im Juli vor sechzehn Jahren bei Sanierungsarbeiten im Gutshof Pesterwitz entdeckt wurde. Einige der Tafeln und Balken sind in den neuen Sälen auf Schloss Burgk als dekorative Deckenelemente zu besichtigen, die meisten aber sind eingelagert. Nach mehr als anderthalb Jahrzehnten kommen nun erstmals vier weitere Szenen aus der antiken Sagenwelt für wenige Tage ans Licht der Öffentlichkeit – im Kunst-Raum Pesterwitz.

„Die Tafeln sind unser Highlight“, freut sich Gisela Raap, die sich als Kuratorin um die bemerkenswerte Schau anlässlich der 950-Jahr-Feier des Ortes bemüht. Und wie: Die 81-jährige Architektin baute zunächst ein Modell des Ausstellungsraumes, der sich unter der Kegelbahn am Dorfplatz befindet, um einen Überblick über die verfügbaren Flächen zu gewinnen. Schließlich trug Gisela Raap, die seit 1994 in Pesterwitz wohnt, Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Fotos und Dokumente von dreizehn Pesterwitzer Künstlern zusammen.

Artur Moritz (1893-1959) ist darunter, der Pesterwitzer Heimatmaler schlechthin, und natürlich Heinz Kürbis. Der noch immer aktive 100-Jährige, der neben jüngeren Gemälden auch eine Zeichnung aus dem Jahre 1939 zeigt, will dem Freitaler Ortsteil zur Eröffnung am Sonnabend ein dreiteiliges Gemälde schenken.

Gisela Raap konnte zudem vier im Ort ansässige Architekten dazu bewegen, ihre Bilder zu zeigen – sie selbst eingeschlossen. So sind nun von Barbara Braun Aktstudien zu besichtigen, von Peter Senf „Das goldene Pesterwitz“ und von Gisela Raap das Pesterwitzer Jochhöhschlösschen, eine Zeichnung, die sich seit 1998 auf sämtlichen Weinetiketten des Gutes Pesterwitz findet. Die Ausstellung erinnert zudem an alte Meister, die mit Pesterwitz in Verbindung stehen, wie den Kupferstecher Constanz Robert Petzsch (1827-1895) und den Bildhauer Johann Benjamin Thomae (1682-1751), dessen Figuren unter anderem den Barockgarten Großsedlitz schmücken.

Selbst das untergegangene Defa-Trickfilmstudio Dresden kommt zu Ehren. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Animationsfilm werden die Pesterwitzer Regisseure Christl und Hans-Ulrich Wiemer sowie Otto Sacher gewürdigt. Wiemer übrigens, der 2012 starb, schrieb einen interessanten Text zu den fast vierhundert Jahre alten Tafeln, der die Ausstellung nun wunderbar ergänzt.

Kunst-Raum Pesterwitz, 8. bis 16. September, Mo.-Fr. 15-19 Uhr, Sa./So. 11-19 Uhr; Eröffnung am 8.9., 11 Uhr.