Arbeit und Bildung
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Alles öko – oder was?

Klimakrise und Energiewende rücken grüne Berufe noch einmal stärker in den Fokus. Das gilt auch für das Freiwillige Ökologische Jahr zur Berufsorientierung. Wer dabei sein will, sollte sich früh bewerben.

Von Annett Kschieschan
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Bäume pflanzen ist wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen Waldwirtschaft. Beim diesjährigen Landesaktionstag des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) in Sachsen packten junge Freiwillige mit an.
Bäume pflanzen ist wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen Waldwirtschaft. Beim diesjährigen Landesaktionstag des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) in Sachsen packten junge Freiwillige mit an. © AdobeStock

Der Wald – auch der in Sachsen – leidet. Das weiß jeder, der in den vergangenen Monaten zum Beispiel im Kirnitzschtal oder in der Königsbrücker Heide unterwegs war. Dürresommer und Borkenkäfer haben vor allem dem Nadelbaumbestand schmerzhaft zugesetzt. Das gilt auch für Stadtwälder wie den von Oederan. Hier haben jetzt allerdings mehr als 70 Freiwillige gemeinsam mit Mitarbeitern des Sachsenforsts angepackt, um dem Wald eine Zukunft zu geben. Organisiert wurde das Ganze über den Landesaktionstag des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) in Sachsen. Ganz praktisch mitmachen, helfen, sich einbringen – das sind die Grundpfeiler des Ökologischen Freiwilligendienstes, der vielleicht noch nie so wichtig war wie jetzt, in den Zeiten von Energiewende und Klimakrise. Vielfach wird das Ökologische Jahr als Berufsorientierung genutzt, oft durchaus mit Erfolg, denn die sogenannten „grünen Jobs“ werden immer beliebter und gleichzeitig immer wichtiger für die Arbeitswelt.

Mehr als 300 FÖJler in Sachsen

Nach Information der Paritätische Freiwilligendienste Sachsen gGmbH absolvieren mehr als 300 junge Menschen jedes Jahr ein FÖJ im Freistaat. Sie arbeiten auf Bauernhöfen, in Naturschutzstationen, in Museen und Umweltbildungseinrichtungen. Und sie pflanzen Bäume wie jetzt in Oederan. Mit der Aktion soll neben dem ganz praktischen Nutzen auch auf die Möglichkeiten des ökologischen Freiwilligendienstes hingewiesen werden. Das passiert zum Beispiel am 7. April in Chemnitz, wo Freiwilligendienstler beim Frühlingsmarkt präsent sind, ihre Einsatzorte vorstellen und über die jüngsten Aktionen berichten.Der FÖJ-Landesaktionstag findet jedes Jahr im Frühjahr statt und wird von den Freiwilligen selbst organisiert. In Oederan und Chemnitz waren FÖJler der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt und des Vereins Grüne Aktion Sachsen beteiligt, nur zwei von vielen Trägern, die ein Öko-Jahr möglich machen. Allein in Sachsen sind es zehn.

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Wer sich vor der Entscheidung einen möglichst breiten Überblick verschaffen will, ist beim Förderverein Ökologische Freiwilligendienste richtig. Er fungiert als Dachverband der insgesamt 52 FÖJ-Träger in Deutschland. Der Anspruch des Vereins: Gerade auch in strukturschwachen Gebieten aktiv sein, Netzwerke schaffen und stärken, Umweltbildung und Job-Potenziale in den Fokus rücken. „Durch Seminare und individuelles Coaching wird im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung Gestaltungskompetenz gefördert. Zentrales Element der pädagogischen Konzepte ist die politische Bildung. Die Freiwilligen lernen, Demokratie zu leben, insbesondere in den Gremien des Sprechersystems“, heißt es beim Förderverein.

Praxiswissen sammeln

Geregelt sind die Modalitäten des Ökologischen Jahres übrigens im Jugendfreiwilligendienstgesetz. Wer sich für ein FÖJ interessiert, muss mindestens 16 und höchstens 27 Jahre alt sowie auf jeden Fall sechs Monate im Einsatz sein. In aller Regel werden allerdings zwölf Monate vereinbart. In Ausnahmefällen kann ein FÖJ aber sogar 24 Monate dauern. Regulärer Start ist am 1. September eines jeden Jahres. Bewerbungen werden von den meisten Trägern auch in Sachsen aber das ganze Jahr über angenommen.

Und: Schnellsein lohnt sich, denn die Nachfrage nach Plätzen im Freiwilligendienst ist seit Beginn der Corona-Pandemie gestiegen. So haben im vergangenen Herbst rund 560 junge Männer und Frauen ihre Einsätze bei den Paritätischen Freiwilligendiensten begonnen, 60 davon im ökologischen Bereich. Sich ein Jahr lang keine Sorgen um die unmittelbare Zukunft machen zu müssen, ganz praktisch zu lernen und zu arbeiten und mit Glück vielleicht sogar die Richtung für den Traumjob zu finden – das Konzept hat quasi nur Vorteile. Gearbeitet wird in der Regel in Vollzeit. Es gibt 24 Urlaubstage und 25 Tage, die für die Weiterbildung reserviert sind. Materielle Reichtümer bringt das Öko-Jahr nicht. Ein Taschengeld von mindestens 300 Euro ist aber immer garantiert. Nicht zu vergessen: Die FÖJler sind pflege-, renten-, unfall- und arbeitslosenversichert. Auch die Krankenversicherung wird vom Träger bezahlt.

Es gibt aktuell also besonders viele gute Gründe, vor dem Start ins eigentliche Berufsleben ein Freiwilliges Ökologisches Jahr einzuschieben. Der vielleicht beste: Das gute Gefühl, einen kleinen Beitrag für eine lebenswerte Umwelt leisten zu können. Sollen Studium und Job später auch einen „grünen“ Background haben, kann das Freiwillige Jahr zudem viele Türen öffnen. Praktische Erfahrungen – ob auf dem Schulbauernhof oder in der Amphibienstation – sind immer gefragt.

Einen Überblick über Träger und Einsatzmöglichkeiten im Rahmen des FÖJ gibt es u.a. hier: www.foej.de

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