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10. Women’s Award für starke IT-Frauen geht nach Stuttgart

Erstmals wurde der sächsische Preis für Nachwuchs-Informatikerinnen bundesweit ausgelobt. Die Gewinnerin kümmert sich um Krebstherapie.

Women's-Award-Gewinnerin Louisa Fay (l), mit Elke Büdenbender, Schirmherrin und Ehefrau von Bundespräsident Steinmeier.
Women's-Award-Gewinnerin Louisa Fay (l), mit Elke Büdenbender, Schirmherrin und Ehefrau von Bundespräsident Steinmeier. © Sebastian Kahnert/dpa

Louisa Fay macht es Spaß, an Problemlösungen zu tüfteln. Die 25-jährige Masterstudentin für Elektro- und Informationstechnik aus Stuttgart hat ein Softwareprogramm geschrieben, mit dem Ärzte und Ärztinnen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) eine Vorhersage treffen können, ob eine Immuntherapie bei Hautkrebspatienten anschlägt oder nicht. 

So könnte ihnen eine Chemotherapie vielleicht erspart werden. Dafür erhielt sie am Montagabend in Dresden den „Women’s Award“ für junge Informatikerinnen von Preisstifterin Viola Klein und Schirmherrin Elke Büdenbender, der Frau des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, überreicht.

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Der Preis wurde erstmals in ganz Deutschland ausgelobt. Bewerben konnten sich Studentinnen der Informatik, Wirtschaftsinformatik oder Medieninformatik, unabhängig davon, ob sie einen Bachelor, Master- oder Diplomabschluss anstreben. 42 Bewerbungen gingen ein. Die Entscheidung sei der zehnköpfigen Jury angesichts der hohen Qualität der Leistungen sehr schwergefallen, betonte Viola Klein. 

Die Gründerin des Dresdner Softwareunternehmens Saxonia Systems AG hatte den Preis als „Saxonia Woman Award“ 2011 initiiert, um die vielfältigen Karrierechancen für Frauen in der Informatikbranche in den Blickpunkt zu rücken. Mit der Übernahme von Saxonia Systems durch die Zeiss Gruppe im Frühjahr diesenJahres wurde die Auszeichnung nun eine deutschlandweite.

Dresdner Preis erstmals bundesweit

Viola Klein fand die Bewerbung von Louisa Fay so interessant, „weil ich so gut nachvollziehen konnte, wie sich ihr Leben verändert hat“. Irgendetwas habe einen Knall ausgelöst, ihr Herz berührt und sie in der Informatik ganz nach vorn gebracht. „Das gefunden zu haben, ist großartig“, so Klein.

Und in der Tat hätte sich Louise Fay niemals nach dem Abi getraut, Elektrotechnik oder Informatik zu studieren, erzählt die Studentin später selbst. In der Schule habe sie immer viel geturnt, hatte überlegt, Sport zu studieren, doch welchen Beruf hätte sie anschließend damit ausüben können. „Und in einem Fitnessstudio wollte ich nicht arbeiten“, sagt sie. Mathe sei ihr aber auch immer leichtgefallen und so begann sie als einzige Frau unter 50 Männern ein Studium der Wirtschaftsinformatik. 

Das sei herausfordernd gewesen und nach dem ersten Semester hätte sie auch fast das Studium geschmissen. „Doch dann habe ich mir gesagt: Auch wenn es nicht leicht ist, ich will das machen, was mir Spaß macht“, so Louisa Fay. Und das ist Antworten zu finden für gesellschaftliche Fragen unserer Zeit, ob im Klimaschutz oder wie in ihrem Fall in der Bekämpfung lebensgefährlicher Krankheiten.

Fatima El Hassan, die Zweitplatzierte in diesem Jahr, untersucht in ihrer Abschlussarbeit zum Beispiel die ethischen Aspekte bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz. In Experteninterviews ist die zweifache Mutter, die ihren Master in Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin macht, der Frage nachgegangen, inwiefern KI eine Gefahr für unsere menschlichen Wertevorstellungen sein kann und was deshalb bei der weiteren Entwicklung berücksichtigt werden muss. Ihre Bachelorarbeit hat sie in der weiblichen Form geschrieben, um ein Zeichen zu setzen.

"Zu wenig Frauen involviert"

Ein Zeichen setzen soll auch der Women’s Award. „In die Entwicklung der Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz sind zu wenige Frauen involviert. Da darf man sich nicht wundern, wenn Alexa von Amazon anfangs Probleme hatte, weibliche Stimmen zu erkennen“, betont Viola Klein.

Der Frauenanteil in MINT-Studienfächern an sächsischen Hochschulen liegt unter 30 Prozent, der Anteil von Gründerinnen bei Hightech- und IT-Startups in Deutschland beträgt nur rund elf Prozent. Ganz anders in Finnland, da wird fast jedes zweite IT-Unternehmen von einer Frau gegründet. Was die Finnen anders machen, will Viola Klein im kommenden Jahr mit einer Unternehmerinnenreise selbst auf die Spur gehen, kündigte sie an.

Und Schirmherrin Elke Büdenbender, die sich sichtlich freute, persönlich bei der Verleihung in Dresden anwesend sein zu können, ergänzte: „Die Programmiergruppe muss so heterogen wie möglich sein, um zu verhindern, dass vorhandene Klischees und Vorurteile durch die KI-Algorithmen weitergegeben werden“. Für sie sind alle Nachwuchsinformatikerinnen Rollenvorbilder für jedes kleine Mädchen, das zu Beginn seiner Schulzeit feststellt, dass Mathe Spaß macht.

Das dies im weiteren Schulleben auch so bleibt und mehr junge Frauen sich für IT-Studiengänge entscheiden, hat Preisträgerin Louisa Fay einen Vorschlag: mehr frauenspezifische Themen ansprechen. In Vorlesungen und Projektarbeiten „geht es nur um Autos und Fußball, beides Themen, die mich nicht interessieren“, so Fay. 

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