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PLUS Familienkompass 2020 Niesky

Wie beliebt ist das Lernen auf dem Land?

An der Neiße wird viel Geld in die Schulen investiert. Nach den Zahlen des Familienkompasses trägt das zu einer hohen Zufriedenheit bei.

Für die Schüler in der Grundschule Rothenburg sind Tablets nichts Besonderes mehr.
Für die Schüler in der Grundschule Rothenburg sind Tablets nichts Besonderes mehr. © André Schulze

Ihre Schulen lassen sich die Städte und Gemeinden in der Neißeregion einiges kosten. Jüngstes Beispiel ist die Oberschule Kodersdorf. Am Montag ist der neue Anbau von den Schülern in Beschlag genommen worden. Dieser bietet mit drei Fachkabinetten und einen breiten Treppenaufgang jetzt mehr Platz in die Gersdorf-Oberschule. Fast 1,9 Millionen Euro hat der Anbau gekostet. Damit sind die Investitionen aber nicht beendet.  

Die drei Kabinette mit ihren neuen Wandtafeln zeigen, wo die Entwicklung hingeht - in das digitale Zeitalter. Aus dem Digitalpakt Schulen, dem sächsischen Förderprogramm, werden weitere elektronische Tafeln und Laptops für die Schüler folgen. 180.000 Euro stehen in Kodersdorf zur Verfügung. Die Ausstattung der Schulen ist auf einem guten Niveau. Das spiegelt sich in den Ergebnissen im Familienkompass der SZ wider. Die Eltern bewerten die Schulen ihrer Kinder im Dreieck Rothenburg, Kodersdorf, Zodel mit gut bis befriedigend. Über dem Landesdurchschnitt liegen in der Benotung von eins bis fünf die Qualität des Schulessens (2.59/3.06), der wenige Unterrichtsausfall (2.48/2.78) und die geringe Verkehrsbelastung auf dem Schulweg (2.61/2.94).

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Mehr Lehrer bedeutet weniger Ausfall

Im Vermeiden von Unterrichtsausfall könnten die Schulen noch besser dastehen, wenn die Personaldecke nicht so dünn wäre. Sowohl Schulleiterin Annegret Böse von der Grundschule Rothenburg als auch Daniela Ritzmann von der Grundschule Zodel bestätigen, dass ihre Lehrer kaum noch Freiräume haben, den Unterricht von ihren Kolleginnen und Kollegen zu übernehmen. "Wenn alle da sind, funktioniert das. Aber sobald jemand krank oder im Urlaub ist, wird das Absichern der Stunden schwierig", sagt Annegret Böse. Das schlägt sich auf die Qualität des Unterrichts nieder. 

Dennoch gehen die Kinder gern zur Schule. Das bestätigen 70 Prozent der Umfrageteilnehmer von Hähnichen, Horka, Kodersdorf, Neißeaue und Rothenburg. Sie sind in dieser Umfrage zusammengefasst. Was den unmittelbaren Schulbetrieb betrifft, ist die Zufriedenheit in Neißeaue am größten. Hier steht ein Wert von 2,47. Im Gegensatz zum Schlusslicht Hähnichen, wo dieser Bereich nur mit 2,93 bewertet wird. Geschuldet sicherlich der Tatsache, dass die Gemeinde seit vielen Jahren keine Schule mehr hat.  

Rothenburger Ergebnisse der Umfrage beim Familienkompass decken sich fast mit dem sächsischen Durchschnitt
Rothenburger Ergebnisse der Umfrage beim Familienkompass decken sich fast mit dem sächsischen Durchschnitt © SZ Grafik
Die Umfrageteilnehmer hätten gern mehr Lohn für ihre Arbeit.
Die Umfrageteilnehmer hätten gern mehr Lohn für ihre Arbeit. © SZ Grafik
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind Rothenburger unzufrieden
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind Rothenburger unzufrieden © SZ Grafik
Wie überall: Ärztemangel.
Wie überall: Ärztemangel. © SZ Grafik
Insgesamt kommt die Kita-Betreuung in Rothenburg gut weg...
Insgesamt kommt die Kita-Betreuung in Rothenburg gut weg... © SZ Grafik
...aber an den Schulgebäuden muss es Verbesserungen geben.
...aber an den Schulgebäuden muss es Verbesserungen geben. © SZ Grafik
Für die Rothenburger stimmt das Wohnumfeld.
Für die Rothenburger stimmt das Wohnumfeld. © SZ Grafik

Neue Oberschule in Rothenburg

Was den Zustand der Schulgebäude betrifft, schätzt über die Hälfte (55,6 Prozent) ihn mit einem "Gut" ein. Im Vergleich mit dem Landesdurchschnitt von 2,3 liegt dieser hier nur bei einem Wert von 2,67. Die Umfrage wurde im Frühsommer gemacht. Da hatte Kodersdorf den Anbau noch nicht und Rothenburg plant eine neue Oberschule samt Turnhalle. Deshalb wird in die beiden Schulhäuser nicht mehr groß investiert, wie Bürgermeisterin Heike Böhm sagt: "Vor der Entscheidung zum Ersatzneubau der Oberschule war die Sanierung des Schulkomplexes in der Friedensstraße geplant. Aufgrund des Oberschulneubaus wurden die Sanierungspläne nicht weiter verfolgt."  

Dennoch ist die Oberschule baulich in einem guten Zustand. In den letzten fünfJahren hat die Stadt jährlich rund 24.000 Euro für Instandhaltung und Modernisierung ausgegeben. "Schwerpunktmäßig wurden Bodenbeläge ausgetauscht, die Elektroanlage instandgesetzt und in die Ausstattung investiert", ergänzt die Bürgermeisterin. Das soll auch so bleiben, bis in die neue Oberschule eingezogen werden kann.

Zodel wartet auf eine Generalsanierung

Anders sieht es mit dem Schulgebäude in Zodel aus. "Der bauliche Zustand wird als sanierungsbedürftig, aber solide eingeschätzt", sagt Steffen Straube, Sachgebietsleiter Bauverwaltung im Verwaltungsverband Weißer Schöps/Neiße. Hinzu kommt, dass das Gebäude nicht barrierefrei ist. Seit seiner Errichtung Mitte der 1970er Jahre gab es keine grundlegende Sanierung. In den 1990er Jahren wurden Dach, Fassade mit Fenstern sowie Toilettenanlagen saniert. Die Wärmeerzeugung für Schule und Turnhalle wurde von Kohle auf Öl umgestellt. Vor neun Jahren wurde in den baulichen Brandschutz investiert wie in den Einbau eines zweiten Treppenhauses. Gegenwärtig werden die Grundleitungen unter dem Schulhaus saniert.

Gefragt sind die Schulhorte. In Zodel befindet sich dieser wie in der Grundschule Horka mit im Schulhaus. Von den 95 Zodler Grundschülern nehmen fast alle die Hortbetreuung wahr. Im Hort "Sonnenhügel" in Rothenburg, gegenüber der Grundschule, wird gegenwärtig ein neuer Hortraum geschaffen, um die rund 150 Mädchen und Jungen unterzubekommen. Grundschüler hat Rothenburg derzeit 161. 

In der Schule fühlt sich die Mehrheit der Schüler gut aufgehoben. In der Kritik steht aber der Schulweg, insbesondere, wenn Tochter und Sohn mit dem Fahrrad unterwegs sind. 54 Prozent der Befragten sagen, dass der Schulweg mit dem Rad nicht sicher ist. Nur 15 Prozent behaupten das Gegenteil. Bleibt die Aufgabe für die Kommunen, nicht nur für gut ausgestattete Schulen zu sorgen, sondern auch für einen sicheren (Rad-)Weg dorthin. 

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