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Hier wächst Herrnhuts neuer Schul-Campus

Vier Jahre nach dem Baustart der Zinzendorfschulen wird weiter gebaut: Turnhalle und Heizhaus entstehen auf besondere Weise in besonderen Zeiten.

Hier wird der Grundstein in der Erde versenkt. Aus ihm soll in der fertigen Turnhalle mal eine Bank entstehen - damit er für alle auch immer sichtbar bleibt.
Hier wird der Grundstein in der Erde versenkt. Aus ihm soll in der fertigen Turnhalle mal eine Bank entstehen - damit er für alle auch immer sichtbar bleibt. © Matthias Weber/photoweber.de

Zu einem wichtigen Bauwerk gehört ein Grundstein samt Zeitkapsel. Und dort kommen genau die Dinge hinein, die zum Beginn des Baus die Menschen gerade besonders umtreiben. Was also darf in der Zeitkapsel der neuen Turnhalle für die Zinzendorfschulen nicht fehlen? Richtig: eine FFP2-Maske, eine aktuelle Coronaschutzverordnung und die Hygienevorschriften. Ein bisschen Mühe machte es schon, diese besonderen Utensilien am Mittwochnachmittag in die metallene Kapsel zu versenken - denn nebenbei mussten ja unter anderem noch die Baupläne, die aktuelle SZ, Lehrpläne und Schülerlisten, die Tageslosung sowie die aktuellen Prüfungsaufgaben in Deutsch und Mathematik eingetütet werden.

Was in die Zeitkapsel für den Grundstein so alles rein muss: Baupläne, FFP2-Maske, Corona-Verordnung, aktuelle Abi-Aufgaben, die SZ, die Namen aller Schüler und Lehrer - und auch ein paar Tonscherben aus Herrnhuts Vergangenheit, die auf dem Baugrund gefunden wurden. Stefan Heidrich, Polier bei Neuer baut (rechts) assistiert Helene Cain (Mitte). Architekt Daniel Neuer (2. von links) hatte noch Beigaben mitgebracht.
Was in die Zeitkapsel für den Grundstein so alles rein muss: Baupläne, FFP2-Maske, Corona-Verordnung, aktuelle Abi-Aufgaben, die SZ, die Namen aller Schüler und Lehrer - und auch ein paar Tonscherben aus Herrnhuts Vergangenheit, die auf dem Baugrund gefunden wurden. Stefan Heidrich, Polier bei Neuer baut (rechts) assistiert Helene Cain (Mitte). Architekt Daniel Neuer (2. von links) hatte noch Beigaben mitgebracht. © Matthias Weber/photoweber.de
Katrin Filschke, Verwaltungsleiterin der Zinzendorfschulen bei der Grundsteinlegung, die wegen der Corona-Regeln in minimalem Rahmen stattfand.
Katrin Filschke, Verwaltungsleiterin der Zinzendorfschulen bei der Grundsteinlegung, die wegen der Corona-Regeln in minimalem Rahmen stattfand. © Matthias Weber/photoweber.de
Zu einer Grundsteinlegung gehört in Herrnhut immer die Einladung zu einem Liebensmahl. Das ging coronabedingt nicht - also gab es das Liebesbrötchen mit nach Hause. Und weil es um eine Turnhalle geht, kam das Gebäck in Fußballform daher.
Zu einer Grundsteinlegung gehört in Herrnhut immer die Einladung zu einem Liebensmahl. Das ging coronabedingt nicht - also gab es das Liebesbrötchen mit nach Hause. Und weil es um eine Turnhalle geht, kam das Gebäck in Fußballform daher. © Matthias Weber/photoweber.de

Dass um eine Turnhalle so viel Wind gemacht wird, mag mancher befremdlich finden. Für die Zinzendorfschulen ist es allerdings nicht irgendein Zweckbau, sondern ein großes Projekt zur Vollendung des Schulcampus'. Abgesehen davon wird auch die neue Turnhalle - so wie das Schulgebäude selbst - sich zwar in die Umgebung einpassen, aber dennoch eine besondere Handschrift tragen. Das Gebäude soll allein wegen seiner Höhe mehr Möglichkeiten für den Sport bieten und nach besonders umweltfreundlichen Standards gebaut werden. Zwar werden Bodenplatte und Säulen aus Beton gefertigt, die Wände aber sollen aus Lehmziegeln gemauert und die Halle selbst ein Fachwerk-Bau werden.

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Auch Befürchtungen, die Halle könnte in ihrer Höhe die Schule überragen und Sichtachsen zerstören, widerspricht Daniel Neuer. Die Halle werde etwas niedriger als die Schule sein. Klar ist nun zudem, dass beide Seiten ein Gründach erhalten werden und an der Stelle der alten Turnhalle entstehen. Dass es nun endlich losgehen kann, liegt vor allem am Fördermittelbescheid, den die Schule kurz vor Weihnachten erhalten hat. Demnach liegt der Kostenrahmen bei rund 11 Millionen Euro für den neuen Campus. Das Geld aus EU-Töpfen ist dabei nicht nur für die neue Turnhalle, sondern zugleich auch für das ebenfalls neu entstehende Heizhaus, das eine barocke Hülle erhalten wird. Und auch die Gelder für die Aula, die an das Schulhaus noch angebaut werden soll, sind in der Summe enthalten. "Wir beginnen jetzt zunächst mit dem Bau der Turnhalle und dem Heizhaus, die Aula folgt in einem nächsten Schritt", erklärt Architekt Daniel Neuer.

Moderner Campus mit Herrnhuter Tradition

Läuft alles glatt - und gibt es keine Probleme mit der Beschaffung von Baumaterialien gibt - soll die Turnhalle Ende des Jahres fertig sein. "Nach Pfingsten werden die Arbeiten für die Bodenplatte beginnen", sagt Neuer. Auch wenn der Campus nach modernen und nachhaltigen Gesichtspunkten gebaut wird, so knüpft die Evangelische Schulstiftung mit ihren Plänen doch immer wieder an Herrnhuter Traditionen an: So fand die Grundsteinlegung erneut an einem 12. Mai statt - so wie vier Jahre für das neue Schulgebäude und genau 297 Jahre nach der Grundsteinlegung für das erste Adelspädagogium der Herrnhuter Brüdergemeine im Jahr 1724.

Und auch in die Zeitkapsel kam am Ende noch etwas ganz Altes: "Bei den Erdarbeiten auf dem Grundstück, auf dem früher der Brüdergarten war, haben wir die Tongrube der alten Herrnhuter Töpferei von Martin Dober gefunden", erzählt Daniel Neuer. Große Schätze waren zwar nicht mehr zu bergen, aber die Scherben einer Schüssel und einer Ofenkachel fanden sich schon. Und die sind jetzt in der Zeitkapsel verschlossen. So wie auch schon beim Schulbau soll der Grundstein aber nicht unter dem Bau verschwinden, sondern immer sichtbar bleiben: "Wo die Stele liegt, wird künftig der Beginn des Lehrerzimmers sein", sagt Neuer. Und damit er der Granit da nicht nur so rumliegt, wird eine Sitzgelegenheit daraus entstehen.

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