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Kein Kind wird aufgegeben

Die Hans-Fallada-Schule Rietschen feiert ihren 40. Geburtstag. Sie fördert Schüler, die besonderer Zuwendung bedürfen.

Schüler der Klassen 1 bis 4 in der Unterstufe führen zum Auftakt des Tages der offenen Tür das Stück "Geschichte von der Geschicht" von Hans Fallada
vor den zahlreichen Gästen im Schulhof auf.
Schüler der Klassen 1 bis 4 in der Unterstufe führen zum Auftakt des Tages der offenen Tür das Stück "Geschichte von der Geschicht" von Hans Fallada vor den zahlreichen Gästen im Schulhof auf. © Rolf Ullmann

Rietschen. Als Schulleiterin Magdalena Häßler am Donnerstagnachmittag die ersten Sätze in das Mikrofon spricht, fallen Spannung und Aufregung, die sie zuvor empfand, gleichsam von ihr ab. Sie begrüßt die zahlreichen Gäste, die bei bestem Spätsommerwetter auf dem Schulhof der Hans- Fallada-Schule in Rietschen Platz genommen haben, zu einem denkwürdigen Anlass.

Denn vor nunmehr 40 Jahren begann die Geschichte dieser Bildungseinrichtung – damals in Weißwasser. Sie ist untrennbar mit dem Namen des Kinderheimes „Maxim Gorki“ verbunden. Als Schulstätte und als Heimstatt für schwer erziehbare Kinder begann ihre Geschichte in der damaligen Werner-Seelenbinder-Straße. Heute erinnert dort nichts mehr an ihre Existenz.

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Nach der Wende zog die Schule in die Brunnenstraße in Weißwasser um. Mit ihrem neuen Domizil änderte sich auch ihr Name in „Hans-Fallada-Schule“. – „Diese Namenswahl ist kein Zufall, denn als Schriftsteller hat Hans Fallada viel geleistet, aber als Mensch zugleich auch sehr gelitten“, begründet die Schulleiterin. Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen, wie Hans Fallada mit bürgerlichem Namen heißt, hinterließ der Nachwelt unter anderem solche Werke, wie „Kleiner Mann, was nun?“ und „Jeder stirbt für sich allein“.

Die Menschen, nicht die Schule, werden gefeiert

Heute ist die Bildungseinrichtung in Rietschen eine Schule mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung. Die Mehrheit der rund 90 Kinder, die hier von der ersten bis zur neunten Klasse unterrichtet werden, hat die Leiden von sozialer Ausgrenzung, schulischer Zurücksetzung und Benachteiligung selber erfahren müssen. Deshalb stellt sie Magdalena Häßler an die Spitze ihrer Begründung, warum dieses Fest für alle daran Beteiligten so wichtig ist. „Wir feiern in erster Linie nicht die Schule als Einrichtung, sondern die Menschen, die darin lehren und lernen“, erklärt sie. „Wir feiern die jungen Menschen, die uns zum Lachen, aber auch manchmal an den Rand der Verzweiflung bringen. Wir feiern die Lehrer und Pädagogen, die der Schule oft schon seit Jahrzehnten die Treue halten. Wir feiern aber auch die Eltern, die als Elternsprecher und als Helfer bei vielen Veranstaltungen die Schule so manches Mal unterstützen. Schließlich feiern wir auch die Wohngruppen und die Ämter im Kreis und im Freistaat, die für unsere Arbeit so wichtig sind“, bekräftigt Magdalena Häßler.

An mehreren Stationen vor dem Rietschener Schulgebäude bot sich den Mädchen und Jungen die Gelegenheit ihre Kraft bei "Haut den Lukas" sowie ihre Geschicklichkeit an den Bastelständen unter Beweis zu stellen.
An mehreren Stationen vor dem Rietschener Schulgebäude bot sich den Mädchen und Jungen die Gelegenheit ihre Kraft bei "Haut den Lukas" sowie ihre Geschicklichkeit an den Bastelständen unter Beweis zu stellen. © Rolf Ullmann

Ein schönes Schulgebäude mit seiner Ausstattung ist als Voraussetzung für gutes Lernen sehr wichtig. Doch es sind letztendlich die Menschen, die durch ihre Tätigkeit für den Lernerfolg bürgen. „Wir finden an unserer Bildungseinrichtung eine Schülerschaft mit einer großen Individualität vor. Kein Kind darf dabei von der Schule aufgegeben werden. Sie alle bedürfen einer ganz besonderen Zuwendung“, beschreibt die Schulleiterin die Herausforderungen.

Während der anschließenden Besichtigung gewinnen die neugierigen Gäste einen anschaulichen Eindruck von den Klassenräumen und Kabinetten, die im schulischen Alltag den Klassen mit ihren jeweils acht bis neun Schülern zur Verfügung stehen. Sie werden während des Unterrichts zumeist von einer Lehrerin oder einem Lehrer und zugleich von einer pädagogischen Fachkraft betreut.

Barbara Wulf (links im Foto) gestaltete mit der Unterstützung einiger Pädagogen in einem Klassenraum eine Zeitreise zurück in das Jahr 1981 in der DDR.
Barbara Wulf (links im Foto) gestaltete mit der Unterstützung einiger Pädagogen in einem Klassenraum eine Zeitreise zurück in das Jahr 1981 in der DDR. © Rolf Ullmann

Vier Stunden in der Unterstufe beziehungsweise sechs Stunden Unterricht in den Klassen der älteren Schüler verlangen sehr viel von allen ab. Doch mit Kreativität und vor allem auch mit viel Teamgeist meistern die 20 Pädagogen ihre gewiss nicht immer leichte Aufgabe. Sowohl Ines Kowalski, die mit den Kindern das Stück zum Auftakt des Festes einstudierte, als auch Anna Winkler sowie Sarah Kunath, die den Tag federführend vorbereitet haben, heben diesen Teamgeist als Garant für den Erfolg ausdrücklich hervor.

1981 schlug die Geburtsstunde der Schule, und genau in dieses Jahr werden die Besucher durch eine Ausstellung in einem der Klassenräume zurückversetzt. Die Lehrerin Barbara Wulff hatte zahlreiche Exponate aus ihrem eigenen Haushalt, aber auch mit Unterstützung anderer Kollegen, zu einer sehenswerten Schau des DDR-Alltags dieser Zeit zusammengetragen. Das einhellige Urteil aller Besucher: eine unbedingt ansehenswerte Präsentation mit Gegenständen, welche die meisten selbst noch kannten und die sie ein Stück ihres Lebens begleitet haben.

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