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Kreiselternrat: Mit Tests und Maske Schulen wieder öffnen

Bautzens neuer Kreiselternsprecher Mario Metzner fordert mehr Klarheit bei Corona-Maßnahmen in Schulen - und einen fundierten Blick auf deren Auswirkungen.

Mario Metzner ist Bautzens neuer Kreiselternsprecher. Der Vater zweier Töchter kritisiert manche Maßnahme in der Corona-Pandemie - schlägt aber sanftere Töne an als sein Vorgänger.
Mario Metzner ist Bautzens neuer Kreiselternsprecher. Der Vater zweier Töchter kritisiert manche Maßnahme in der Corona-Pandemie - schlägt aber sanftere Töne an als sein Vorgänger. © René Plaul

Bautzen. Seit vergangenem Montag ist der Königsbrücker Mario Metzner neugewählter Vorstand des Bautzener Kreiselternrates. Der 47-jährige Vater von zwei Töchtern beerbt Marcus Fuchs, um den es Ärger gab, nachdem er sich im vergangenen Jahr den Querdenkern zugewandt hatte . Sächsische.de sprach mit Metzner über die Bildungspolitik unter Bedingungen der Bundesnotbremse - und über seinen Vorgänger.

Herr Metzner, Sie kritisieren den mangelnden Stellenwert der Bildung vor dem Hintergrund des Infektionsschutzes. Was erhoffen Sie sich?

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Wir wünschen uns, dass die aktuelle Lage der Schüler mehr in den Vordergrund rückt. Vielen Eltern ist es ein Graus, dass der Fokus sich auf Diskussionen über Ausgangsbeschränkungen und Lockerungen verlagert hat. Dabei ist die Debatte über Homeschooling und Wechselunterricht in den Hintergrund gerückt. Letzteres wird für Grundschulen eine echte Herausforderung. Sicher war die Notbremse eine Bundesentscheidung. Uns stört, dass die Landesregierung nicht gesagt hat: Dem stimmen wir nicht zu.

Wie hätte die Politik besser auf die Herausforderungen der Pandemie reagieren können?

Was in der Notbremse steht, diese klaren Werte, hätte mindestens ein halbes Jahr eher kommen müssen. Das Hin und Her davor war schwer zu vermitteln. Es entstanden immer wieder Verständnis-Fragen. Zum Beispiel: Wenn wir alle Kinder testen, warum müssen sie dann Masken tragen? Sicher gibt es da Erklärungen, aber die muss man liefern. Hier braucht es eindeutige Antworten des Kultusministeriums. Gerade das Thema Masken ist hypersensibel. Ohne klare Argumentationshilfen überlässt man das Feld den Kritikern.

Kritik an Schließung der Schulen

Gerade Kritiker der Maßnahmen liefern häufig einfache Antworten auf schwierige Gemenge-Lagen - nicht immer basieren die auf wissenschaftlicher Evidenz. Vertrauen die Eltern noch auf die Entscheidungen der Politik?

Das Verfahren, in der Schule Masken zu tragen und verpflichtend zu testen, ist eine praktikable Sache. Das bestätigen die meisten Eltern. Dass die Schulen trotz bestehender Hygienekonzepte wieder geschlossen wurden, wird eher kritisch gesehen. Auch ich gehe nicht davon aus, dass die Infektionszahlen dadurch nach unten gehen. Aber durch die fehlenden Tests wird das vielleicht nicht mehr gesehen.

Und das meine ich: Wir brauchen eine wissenschaftlich fundierte Studie zu den Folgen der Schutzmaßnahmen für Kinder. Sonst werden Bemühungen um deren Schutz in Misskredit gezogen. Eine fundierte Untersuchung offener Fragen würde denen helfen, die die Maßnahmen noch tragen. Die Aufgabe ist, hier nicht zu bekehren, sondern zwischen Kritikern und Befürwortern durch Argumente zu vermitteln.

Sie bemängeln jahrelange Kürzungen im Bildungssektor und Versäumnisse bei der Digitalisierung. Wie sähe für Sie nach der Pandemie ein sichtbares Zeichen dafür aus, dass aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt wurde?

Das Loch, in das man letztes Jahr gefallen ist, ist durch fehlende Investitionen in den Bildungssektor schon lange vorprogrammiert gewesen. Es wurde durch sehr guten Präsenzunterricht der Lehrkräfte kompensiert. Aber es wurde versäumt, eine Entwicklung zu digitalen Lernmöglichkeiten zu unternehmen.

Als die dann plötzlich nötig wurden, konnten die Wenigsten digitalen Unterricht abhalten - und die, die es konnten, hatten technische Probleme. Dieser Lernprozess fing da erst an. Da gab es große Unterschiede bei den Lehrern. Hier erwarte ich vonseiten des Kultusministeriums und aller untergeordneten Ämter in Zukunft eine klare Linie - aber auch die entsprechende Unterstützung.

Wechselunterricht an Grundschulen ist schwierig

Dreiviertel des Schuljahres sind vorbei. Würden Sie es begrüßen, wenn die Schulen noch in diesem Schuljahr wieder öffnen?

Der Großteil der Eltern, mit denen ich geredet habe, ist der Meinung, dass wir die Schulen mit Testungen und Maske wieder öffnen sollten. Aber der Wechselunterricht wird bei den derzeitigen Regeln gerade im Bereich der Grundschulen ein großes Problem. Weil es für die gleichzeitige Notbetreuung nicht ausreichend Personal gibt. Derzeit ist noch völlig offen, wie das gestemmt werden soll. Hier brauchen wir zuerst Antworten.

Die lange Schulabstinenz hat teilweise zu erheblichen Lerndefiziten geführt. Wie sollen die nach dem Ende der Pandemie Ihrer Meinung nach ausgeglichen werden?

Die Probleme, die wir nach der Pandemie haben werden, waren vorprogrammiert. Das geht los mit Klassen, die maximal ausgelastet sind. Wenn jetzt mehreren Kindern empfohlen wird, eine Klasse zu wiederholen, geht das stellenweise gar nicht, weil es keine Plätze gibt.

Es stellt sich also nicht nur die Frage, was für die Kinder das Beste wäre, sondern auch die nach der logistischen Machbarkeit. Eine Ideallösung wird es nicht geben. Was wir kritisch sehen, ist die Maßgabe des Kultusministeriums, die Wiederholung auf die Schulzeit - also als Sitzenbleiben - anzurechnen. Das wäre ein Schlag ins Gesicht. Wir müssen dort den sinnvollsten Weg suchen, nicht den einfachsten.

Neuwahl war eine saubere Lösung

Wie stehen Sie zu ihrem umstrittenen Vorgänger Marcus Fuchs?

Die Personalie war für uns nicht einfach. Wir hatten ganz andere inhaltliche Ideen, als Corona kam. Damals war Marcus Fuchs omnipräsent und hat viel bewegt. Umfragen sind ein legitimes Mittel des Kreiselternrates. Die Fragen in der kritisierten Umfrage waren jedoch tendenziös.

Das ging weiter im Oktober, als Fuchs im Zusammenhang mit der Querdenker-Demo in Dresden aufgetreten ist. Er hat versucht, dieses Engagement von seiner Tätigkeit im Kreiselternrat zu trennen. Das ist schwierig und war ein Punkt, der Eltern verärgert hat, weil er nicht ihre Meinung vertreten hat. Insofern war es richtig, dass Herr Fuchs seine Position hat ruhen lassen und letztlich eine Neuwahl herbeigeführt wurde. Das war eine saubere Lösung.

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