merken
Arbeit und Bildung

Neue Chance fürs Studium

Es gibt viele Gründe, aus denen ein Studienabbruch alternativlos erscheint. Wie man ihn trotzdem vermeiden kann, hat die TU getestet.

Zu viele Bücher oder nur die falschen? Wem das Studium über den Kopf wächst, der kann bei der TU Dresden auf vielen Wegen Hilfe bekommen.
Zu viele Bücher oder nur die falschen? Wem das Studium über den Kopf wächst, der kann bei der TU Dresden auf vielen Wegen Hilfe bekommen. © AdobeStock

Der leidenschaftliche Gamer, der Informatik studieren will, um selber Spiele programmieren zu können, aber schlecht in Mathe ist. Der Cosplay-Fan, der sich für Japanologie entscheidet, um seinen Idolen auch semantisch näher zu kommen, aber die Sprachbarriere unterschätzt hat. Oder auch der Sohn des Chefs, der dem Vater zuliebe in die Betriebswirtschaftslehre einsteigt, die ihm gar nicht liegt. Es gibt viele Gründe, sich für ein vermeintlich falsches Studium zu entscheiden. Auch eine Änderung der privaten Lebenssituation kann plötzlich einen Abbruch des Studiums nahelegen.

Doch soweit muss es gar nicht kommen. An der TU Dresden hat man in den vergangenen fünf Jahren ganz explizit getestet, wie sich auch verschlungene Studienwege wieder auf Kurs bringen lassen. In einem frisch erschienenen Buch berichten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ihren Erfahrungen. Im Mittelpunkt der Publikation „Wege zum Studienerfolg“ stehen zwölf Berichte über Studienerfolgsprojekte. Dazu gehören auch ein sogenannten Frühwarnsystem, ein Schreibzentrum und ein mobiles Studienassistenzprojekt. Die Forschungslage zum Thema Studienabbruch sei ausgezeichnet, sagt Mitherausgeber Dr. Christian Schäfer-Hock, der als Projektmanager in verschiedenen Studienerfolgsprojekten arbeitete. „Was bisher fehlte, war eine detaillierte Darstellung möglicher Gegenmaßnahmen. Die praktischen Handlungsoptionen gegen Studienabbruch breit zugänglich darzustellen, ist mindestens genauso wichtig. Studienabbruch lässt sich mit passenden Maßnahmen verringern oder sogar vermeiden. Deswegen stehen in unserem Buch die konkreten Studienerfolgsprojekte an der TU Dresden im Mittelpunkt. Das ist einmalig in Deutschland. Soweit wir wissen, hat bisher keine Hochschule in Deutschland so transparent Einsicht in ihre Studienerfolgsbemühungen gewährt“, so der Mitherausgeber. Insgesamt 41 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie weitere Mitarbeiter der Dresdner Universität zeigen in zwölf Beispielprojekten, wie sich Studienabbrüche – und damit auch vermeidbare Brüche in Lebensläufen und Karrieren – vermeiden lassen. Im Fokus stehen zum einen die zugrundeliegenden Konzepte und Methoden, zum anderen aber auch konkrete n Hürden und Erfolge. Die Palette ist breit. Sie reicht von digitalen, web- und datengestützten Ansätzen über beratungsorientierte, diagnostische und praxisbezogene Angebote bis hin zur Verbesserung der Studierfähigkeit durch optimierte Wissensvermittlung, effektiveres Lernverhalten und die Steigerung der Sprach und -Schreibkompetenzen der Studierenden. Für Lehramtsstudierende hat die TU passende Mentoring- und Coaching-Programme auf den Weg gebracht.

TOP Reisen
TOP Reisen
TOP Reisen

Auf ins Weite, ab in die Erholung! Unsere Top Reisen der Woche auf sächsische.de!

Mit Gamification zum Erfolg?

Drei Projekte kommen dabei besonders viele Studierenden entgegen. So fließen beim Frühwarnsystem „PASST?!“ nach Tu-Angaben inzwischen die Studienverlaufs- und Prüfungsdaten direkt in eine Datenbank mit speziellen Auswahlregeln. Natürlich nach Rücksprache und Zustimmung durch die Studierenden. Die Zentrale Studienberatung der TU Dresden habe so die Chance, Studierende zu kontaktieren, die etwa schon mehrfach Prüfungen wiederholen mussten oder die kaum noch an Lehrveranstaltungen teilnehmen. Beides sind wichtige Anzeichen für einen möglicherweise schon geplanten Studienabbruch. „Das wird besonders bei den gegenwärtig stark digitalisierten Lehrveranstaltungen aufgrund der Corona-Pandemie von großer Bedeutung sein“, sagt Henriette Greulich, Mitherausgeberin des Buches und Leiterin des Zentrums für interdisziplinäres Lernen und Lehren (ZiLL) an der TU Dresden. Beim Schreibzentrum erfahren die Teilnehmer indes, wie sie ihre Recherchen und ihre Schreibarbeiten besser organisieren und effektiver gestalten. Immer wieder zeige sich, dass das nicht nur für Erstsemester wichtig sein kann. Beim Mobilen Studienassistenzsystem mit dem Medienzentrum der TU bekommen Erstsemester mit spielerischen Elementen – auch Gamification genannt – einen Überblick über die Universität und den Campus zu geben.

Spielerisch mehr Überblick übers Studium: Gamification macht‘s möglich.
Spielerisch mehr Überblick übers Studium: Gamification macht‘s möglich. © AdobeStock

„Unser Buch bietet als Basispublikation viele Anknüpfungspunkte für die Praxisarbeit auf dem Weg zu mehr Studienerfolg an Hochschulen und Universitäten in ganz Deutschland. Den zwölf Projektberichten haben wir dafür neben einer theoretischen Betrachtung des Studienerfolgs-Begriffs zwei quantitative Befragungsstudien vorangestellt, die einen genauen Einblick in die Probleme der Studierenden an der TU Dresden geben“, so Dr. Franziska Schulze-Stocker, ebenfalls Mitherausgeberin des Buches. Zwar unterschieden sich die Schwierigkeiten der TU-Studierenden, ihr Studium erfolgreich zu gestalten, nicht grundsätzlich von denen anderer Hochschulen und Universitäten. „Aber es gibt doch einige Spezifika technisch ausgerichteter Universitäten. In naturwissenschaftlichen und technischen Studienfächern ist die Zahl der Studienabbrechenden immer schon vergleichsweise hoch.“

Und welcher Weg führt nun zum sicheren Studienerfolg? „Diese Frage wurde uns oft gestellt“, sagt Henriette Greulich. Letztlich halte man eine zu enge Fokussierung auf Studienabbruchzahlen aber für falsch. „Das ist auch die Position der TU Dresden. Es muss stattdessen insgesamt darum gehen, breite und multidisziplinäre Maßnahmenkataloge zur Steigerung des Studienerfolgs aufzustellen, umzusetzen, je nach Studienfach zu evaluieren und bei Erfolg zu verstetigen. Das würde die Hochschulen in Deutschland erfolgreicher und noch attraktiver machen. Quasi nebenbei würden dann auch die Abbruchzahlen sinken“, so die Expertin.

Schulze-Stocker, Franziska/Schäfer-Hock, Christian/Greulich, Henriette (Hg.) 2020: Wege zum Studienerfolg. Analysen, Maßnahmen und Perspektiven an der Technischen Universität Dresden 2016-2020 (unter Mitarbeit von Anne Jaschan), Dresden: TUDpress. 465 Seiten, ISBN: 978-3-95908-188-7.

Mehr zum Thema Arbeit und Bildung