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Pirna: Bauverzug am Schiller-Gymnasium

Der dringend benötigte Anbau an der Bildungsstätte sollte längst fertig sein, doch vieles lief nicht wie geplant. Nun gibt es einen neuen Termin.

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz 2019 beim Richtfest am Pirnaer Schiller-Gymnasium: Die Hoffnung, dass Zeit- und Kostenplan eingehalten werden, blieb unerfüllt.
Sachsens Kultusminister Christian Piwarz 2019 beim Richtfest am Pirnaer Schiller-Gymnasium: Die Hoffnung, dass Zeit- und Kostenplan eingehalten werden, blieb unerfüllt. © Archiv: Daniel Schäfer

Bernd Wenzel, bis 2020 insgesamt 22 Jahre Leiter des Pirnaer Schiller-Gymnasiums, hätte zu seinen aktiven Zeiten gern noch ein Projekt vollendet. Er hätte gern gesehen, dass der Anbau an der Bildungsstätte fertig ist, er wollte seinem Nachfolger eigentlich keine Baustelle hinterlassen. Der Wunsch blieb jedoch unerfüllt, vor allem aus zwei Gründen.

Erstens musste Wenzel im Sommer 2020 dann doch in den Ruhestand gehen. Zweimal war es ihm gelungen, seine Dienstzeit jeweils um ein Jahr zu verlängern. Ein drittes Mal genehmigte ihm die zuständige Schulbehörde nicht. So war mit 67 Schluss mit dem Direktoren-Dasein. Am Anbau wurde da noch immer gebaut.

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Zweitens sind die Arbeiten an den Neubau derart in Verzug, dass der ursprüngliche Fertigstellungstermin ohnehin nicht zu halten war. Dabei hatte Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) beim Richtfest im Dezember 2019 optimistisch verkündet: "Ich hoffe, dass die Erweiterung schnell fertig wird und im Kostenrahmen bleibt."

Doch die ministeriale Hoffnung erfüllte sich nicht. Die Kosten liefen aus dem Ruder, der Anbau wurde nicht wie geplant fertig. Immerhin gibt es jetzt einen neuen Termin. Sächsische.de fasst das Projekt sowie die Ursachen für den Verzug zusammen.

Warum ist der Anbau fürs Gymnasium nötig?

Das bestehende Schulgebäude an der Seminarstraße, vor einigen Jahren schon einmal erweitert, ist zu klein geworden. Es reichte weder aus, um alle angemeldeten Fünftklässler aufzunehmen noch um die vorhandenen Schüler gescheit zu unterrichten.

Über 850 Schüler lernen derzeit an der Bildungsstätte, dazu kommt ein Stammpersonal von 100 Lehrern. Längst sind die Raumkapazitäten ausgereizt. Zurzeit noch müssen die Schüler teilweise auch in Containern lernen, die 2017 aufgestellt wurden, weil durch den Einbau neuer Fachkabinette im Hauptgebäude mehrere Klassenzimmer wegfielen.

Hinzu kommt, dass sich jedes Jahr viele Fünftklässler am Schiller-Gymnasium anmelden, zudem werden die Schülerzahlen in Pirna in den kommenden Jahren weiter steigen.

Mit dem Anbau soll es gelingen, dass die Bildungsstätte künftig statt der 4,5 dann fünf fünfte Klassen aufnehmen kann. Und der Neubau ist statisch so konzipiert, dass er sich bei Bedarf noch weiter aufstocken lässt.

Blick auf dem Neubau nebst geplantem Übergang zum Altbau: Das Zwischenstück wird vorerst nur als zweiter Rettungsweg ausgebildet - ohne weiteren Ausbau.
Blick auf dem Neubau nebst geplantem Übergang zum Altbau: Das Zwischenstück wird vorerst nur als zweiter Rettungsweg ausgebildet - ohne weiteren Ausbau. © Archiv: Daniel Förster

Wie wird der Anbau aussehen?

Von seiner Form ähnelt der Neubau einem Pavillon, für den man mehrere unterschiedlich hohe Gebäudeteile ineinander geschoben hat. An einigen Stellen gibt es drei Stockwerke, an anderen Stellen ist das Haus flacher. Der Anbau wird 15 Klassenzimmer, zwei Musikzimmer, ein Informatik-Kabinett sowie einen Mehrzweckraum beherbergen.

Darüber hinaus gibt es zusätzliche Duschen, Toiletten und auch Umkleiden für den Leichtathletik-Sportunterricht, der auf dem Schulgelände stattfindet.

Ein Verbindungsbau schafft den Übergang vom Neu- zum Altbau, allerdings fällt dieses Zwischenstück etwas dem Sparzwang zum Opfer.

Nach Aussage des Rathauses wird der Übergang - ursprünglich einmal als richtiger Gebäudeteil geplant - vorerst nur als eine Art zweiter Rettungsweg ohne weiteren Ausbau ausgebildet. Die vorgesehene Verkleidung könne auch später nachgerüstet werden. Auf diese Weise spart Pirna zunächst etwa 200.000 Euro ein.

Wie kommt der Verzug zustande?

Aus mehreren Gründen. Der Pirnaer Stadtrat beschloss bereits 2015, einen Anbau am Schiller-Gymnasium zu errichten. Ziel war es, dass der Neubau zum Schuljahr 2020/21 fertig wird - vorausgesetzt, der Fördermittelbescheid trifft bis März 2017 ein, die Baugenehmigung liegt bis September 2017 vor und der Bau startet im August 2018.

Doch die Fördermittelzusage traf erst im Dezember 2017 im Rathaus ein, Pirna musste daraufhin den Zeitplan korrigieren und das Bauende nach hinten verschieben.

Ein weiteres Problem: Mehrere Angebote für ausgeschriebene Leistungen - unter anderem für Baustelleneinrichtung, Baugrundverbesserung und Rohbau - lagen weit über der städtischen Kostenschätzung.

So bezifferte Pirna beispielsweise die Kosten für die Baugrundverbesserung anfänglich mit 180.000 Euro, das günstigste Angebot lag bei 487.000 Euro, ein Plus von 171 Prozent. Das war mit dem vorhandenen Geld nicht zu stemmen.

Pirna hob die Ausschreibungen auf und wiederholte das Prozedere, was aber einen enormen Bauverzug zur Folge hatte. 2019 hieß es, der Anbau werde frühestens im Februar 2021 fertig, doch auch dieser Termin war schnell wieder vom Tisch.

Die Stadt musste aus Kostengründen erneut Ausschreibungen aufheben und wiederholen. Zudem kündigte das Rathaus im vergangenen Jahr dem bisherigen Planer und verpflichtete einen neuen - was das Vorhaben abermals verzögerte.

Wann wird der Anbau fertig?

Pirna hat im ersten Halbjahr 2021 noch eine Reihe von Aufträgen für das Projekt vergeben, beispielsweise für Trockenbau, Fliesenarbeiten sowie die Montage von Schul- und Büromöbeln.

Nach Aussage des Rathauses laufe derzeit der Innenausbau, der sich dem Ende nähere. Der Anbau soll nun mit Beginn des Schuljahres 2021/22 fertig sein und in Betrieb gehen.

Wie viel Geld kostet der Anbau?

Für den Anbau waren ursprünglich 6,7 Millionen Euro veranschlagt. Das Vorhaben ist aber inzwischen mit rund acht Millionen Euro Baukosten 1,3 Millionen Euro teurer als geplant. Der Stadtrat beschloss bereits Ende 2020, diese zusätzlichen 1,3 Millionen Euro bereitzustellen, um den Bau im Sommer 2021 fertigzustellen.

Diese Erhöhung resultiert vor allem aus dem veränderten Bauablauf sowie den ausschreibungsbedingten Mehrkosten. Ein Teil der Mehrkosten konnte gedeckt werden, weil das Land die Fördermittel-Summe erhöhte. Der Rest wurde mit Geld kompensiert, was Pirna ursprünglich für die Beseitigung von Hochwasserschäden aus dem Jahr 2013 zurückgelegt hatte, für diesen Zweck aber nicht mehr benötigte.

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