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Pirna: Müssen Schüler jetzt Schulen putzen?

Die Stadt streicht die Grundreinigung der Bildungsstätten in diesem Jahr. Wird die Aufgabe damit automatisch auf die Schüler abgewälzt?

Putzaktion in der letzten Schulwoche: Jaron, Tabea und Tim (v.l.) aus der achten Klasse wischen Tische und Säulen im Pirnaer Herder-Gymnasium ab.
Putzaktion in der letzten Schulwoche: Jaron, Tabea und Tim (v.l.) aus der achten Klasse wischen Tische und Säulen im Pirnaer Herder-Gymnasium ab. © Marko Förster

Am 26. Juli beginnen in Sachsen die Sommerferien, Unterricht in den letzten Tagen davor findet kaum noch statt. Auf dem Plan am Pirnaer Herder-Gymnasium stehen unter anderem Exkursionen und Projekttage - allerdings auch ein eher ungewöhnliches Vorhaben: ein Putztag.

Gleich zu Beginn der letzten Schulwoche wischen, fegen und putzen sich die Gymnasiasten durchs Schulhaus, reinigen Tische, wischen Fensterbretter ab, ebenso Heizkörper und Regale, kratzen Kaugummis von Tischen und Stühlen, räumen auf, entrümpeln.

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Doch was eher nach einem entspannten Schuljahresausklang aussieht, wirft doch einige Fragen auf. Ziehen die mit Schülern besetzten Reinigungsgeschwader so ganz freiwillig durch die Bildungsstätte? Oder gilt für sie jetzt ein Putz-Zwang?

Angesichts des konzertierten Kehraus machte schnell das Gerücht die Runde, die Schüler seien quasi zum Wisch-Kommando verdonnert worden, weil die Stadt wegen fehlender Gelder und Sparzwang massiv an der Schulreinigung kürze. Doch ist da was dran?

Pirna streicht einen Reinigungs-Turnus

Fest steht: Ja, Pirna streicht in diesem Jahr eine Reinigung, spart dadurch aber nicht wirklich und nimmt weder Schüler noch Lehrer für diese Aufgabe in die Pflicht.

Um dieses System zu verstehen, gilt es, das Reinigungs-Dickicht etwas zu lichten. Das Konstrukt der Dienstleitungsverträge, um die Pirnaer Schulen zu reinigen, ist ein dreigeteiltes und gliedert sich nach Auskunft der Stadt in drei Grundarten.

Erstens gibt es die sogenannte Unterhaltsreinigung. In wiederkehrenden festen Zeitabständen werden sämtliche Flächen in den Schulgebäuden gereinigt. Der feste Zeitabstand bedeutet: montags bis freitags täglich. Am Herder-Gymnasium beispielsweise werden alle Klassenzimmer, Flure, Treppenhäuser und Schülertoiletten dabei fünfmal wöchentlich von Reinigungskräften gesäubert. So funktioniert es auch in den anderen Bildungsstätten.

Kehraus mit Lerneffekt: Jonas, Emma, Tim, Tabea und Tarja (v.l.) aus der achten Klasse fegen in einem Klassenzimmer des Pirnaer Herder-Gymnasiums.
Kehraus mit Lerneffekt: Jonas, Emma, Tim, Tabea und Tarja (v.l.) aus der achten Klasse fegen in einem Klassenzimmer des Pirnaer Herder-Gymnasiums. © Marko Förster

Mehraufwand wegen Corona

Bei dieser Unterhaltsreinigung kürzt die Stadt weder Umfang noch Mittel - im Gegenteil. Die tägliche Reinigungszeit für diese Unterhaltsreinigungen wurde nach Aussage der Stadt für alle Schulgebäude täglich um mehrere Stunden erweitert.

Der Grund: Wegen der Corona-Pandemie und der Vorsorge fallen zusätzliche Aufgaben an. So müssen Handläufe, Türklinken, Tische und Sanitärgegenstände regelmäßig abgewischt und desinfiziert werden.

Diese Mehrarbeiten werden auch aktuell noch erbracht, die Zusatzkosten für diesen coronabedingten Mehraufwand betragen für die Stadt etwa 12.500 Euro im Monat.

Zweitens gibt es die Glasreinigung, dabei werden einmal im Jahr sämtliche Glasflächen der Gebäude gereinigt. Auch an dieser Leistung kürzt die Stadt nichts.

Eine Absage, drei Gründe

Etwas anders sieht es bei der dritten Variante aus, der sogenannten Grundreinigung. Sie entspricht im Wesentlichen der Unterhaltsreinigung, zudem werden dabei aber Fußböden intensiv gereinigt und gepflegt, auch andere Arbeiten kommen hinzu, beispielsweise die Reinigung von Hochschränken, Lampen etc. Diese Grundreinigung findet in der Regel einmal im Jahr je Schulgebäude statt.

Diese Grundreinigung - und nur diese - hat die Stadt einmalig für die Sommerferien 2021 abgesagt - aus drei Gründen.

Einerseits gab es laut der Stadt 2020 länger andauernde Grundreinigungen während der Schulschließungen, um die Reinigungskräfte nicht in Kurzarbeit schicken zu müssen und das Reinigungspersonal in den Schulgebäuden halten zu können.

Andererseits wurden durch die langen coronabedingten Schulschließungen die Fußböden und andere Bereiche weniger strapaziert - sodass nach Aussage des Rathauses die Einmalpflege verschoben werden kann.

Zusammenfassend lag aufgrund der besonderen Situation durch die Corona-Pandemie der Schwerpunkt der Stadt auf den täglichen Unterhaltsreinigungen sowie dem zusätzlichen Infektionsschutz an den häufig benutzten Flächen.

Durch diese Dauer-Desinfektion, die auch jetzt noch stattfindet, sind die Schulhäuser ohnehin sehr sauber.

Einspareffekt ist gleich null

Mit der einmaligen Absage der Grundreinigung spart die Stadt letztendlich auch nichts ein. Eine Grundreinigung am Herder-Gymnasium beispielsweise kostet nach Angaben des Rathauses etwa 5.700 Euro.

Wegen des zusätzlichen coronabedingten Reinigungs- und Desinfektionsaufwandes gibt die Stadt derzeit aber - wie schon erwähnt - rund 12.500 Euro jeden Monat zusätzlich für die Schulen aus.

Die Stadt habe in keinem Pirnaer Schulhaus die täglichen Unterhaltsreinigungen reduziert. Aus diesem Grund sei keine zusätzliche Reinigung durch die Schüler notwendig. Am Herder-Gymnasium, so das Rathaus, hätten Schüler und Lehrer die Putzaktion selbst initiiert.

Das stimmt: Einerseits wollen die Gymnasiasten damit ein Signal setzen, dass sie mit der gecancelten Grundreinigung nicht einverstanden sind.

Andererseits hat die Aktion auch einen Lerneffekt: Das eigenhändige Großsaubermachen und der damit verbundene Aufwand soll die Schüler animieren, ihr Schulhaus künftig sauberer zu hinterlassen.

Übrigens: Ab 2022 lässt die Stadt die Bildungsstätten wieder regulär in den Sommerferien grundreinigen.

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