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Kita-Verein kämpft mit RTL ums Ottenhainer Schloss

Gemeinde und Kita-Verein haben sich zwar zu einem Schließungstermin verständigt, aber der Verein will mit einem TV-Promi das Ruder doch noch herumzureißen.

Von Anja Beutler
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Die Kita Ottenhain soll zum September 2022 schließen. Verein und Eltern kämpfen für eine Verlängerung.
Die Kita Ottenhain soll zum September 2022 schließen. Verein und Eltern kämpfen für eine Verlängerung. © Matthias Weber (Archiv)

Dass die Kita im Ottenhainer Schloss bis Ende August 2022 geöffnet sein wird, ist jetzt sicher: Die Gemeinde Kottmar und der Verein für Kinder- und Jugendarbeit Ottenhain, der die Einrichtung betreibt, haben beide eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Der Verein hatte lange mit der Unterschrift gehadert, da damit das Ende der Einrichtung "Kinderschloss Tausendfuß" besiegelt ist. Doch Bürgermeister Michael Görke (parteilos) hatte dem Verein erklärt, dass ohne eine Zustimmung die Kita bereits zum Jahresende 2021 schließen müsse. Deshalb habe man sich doch dafür entschieden, bestätigt Kita-Leiterin Daniela Brendler auf Nachfrage.

Aufgeben wollen die Vereinsmitglieder trotzdem nicht. Deshalb hat der Verein verschiedene Dinge angekurbelt, um doch noch Wege aufzuzeigen, um das Schloss als Kita zu halten. "RTL war zu Dreharbeiten hier", bestätigt Daniela Brendler. Gedreht wurde für die neue Verbrauchershow "Echt jetzt?" mit Ilka Bessin, die vielen als Comedian in der Rolle der "Cindy aus Marzahn" bekannt ist. In der Sendung versucht Bessin, beim Lösen von Problemen zu helfen. Die Sendung mit der Ottenhainer Kita soll voraussichtlich im November ausgestrahlt werden.

Verein nutzt alle Hilfs- und Beratungsangebote

Zudem hat sich der Verein selbst auf die Suche nach Lösungswegen gemacht. Da es bislang immer wieder hieß, es gebe keine Förderprogramme, mit denen man das Schloss sanieren könne, haben sich die Vereins-Mitglieder an die kreiseigene Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz mbH (ENO) gewandt, die Gemeinden in solchen Fällen hilft. "Dort hat man nach Förderprogrammen gesucht und inzwischen auch Möglichkeiten gefunden", sagt Kita-Leiterin Brendler. Die ENO bestätigt den Kontakt und die Such-Unterstützung für den Verein im Rahmen ihres Service-Angebotes auf Nachfrage. Es sei um prinzipielle Möglichkeiten gegangen. Auch mit dem Landesjugendamt ist der Verein in Kontakt. Hier bestätigt eine Sprecherin, dass man den Verein als Träger "hinsichtlich seiner Anliegen entsprechend beraten" habe. Die Behörde entscheidet unter anderem, ob eine Einrichtung eine Betriebserlaubnis bekommen kann.

Genau das steht mit Blick auf den schlechten Zustand des Hauses und den mangelhaften Brandschutz auf der Kippe. Wie Kreissprecherin Julia Bjar auf Nachfrage mitteilte, hatte der Landkreis mit seinem für Brandschutz zuständigen Amt nach dem jüngsten Vor-Ort-Termin für einen Kita-Betrieb nur noch bis Ende August 2022 plädiert. Das Landesjugendamt sei in diesem Zusammenhang noch nicht konkret eingeschaltet oder tätig geworden, sagt die Kreissprecherin. Mit Blick auf das fehlende Brandschutzkonzept will der Verein gern unterstützen. Man habe einen Fachmann an der Hand, könnte das gegebenenfalls als Eigenleistung des Vereins einbringen, heißt es. Ob das in der Praxis realistisch wäre, müssten Rat und Verwaltung dann beurteilen.

Verein will Gehör im Rat

"Wir wollen doch nichts Negatives, wir wollen uns mit der Gemeinde gemeinsam einbringen", betont Erzieherin Brendler. Sie möchte den Ratsmitgliedern die Vorschläge des Vereins erklären, aber dazu habe es keine Gelegenheit gegeben, sagt sie: "Vielleicht würden die Räte ihre Entscheidung, die Kita zu schließen, doch noch einmal überdenken?" Auf eine Einladung des Vereins für ein Treffen mit den Räten Mitte Oktober habe sie zu hören bekommen, dass man jetzt noch nicht mit dem Verein sprechen wolle - sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt, sagt Daniela Brendler. Ein Grund dafür ist offenbar auch, dass der Verein zwischenzeitlich rechtlich gegen die Schließungspläne vorgegangen war.

Dass die Gemeinde finanziell abgesehen von den geplanten Investitionen keine großen Projekte stemmen kann, hat Bürgermeister Görke immer wieder deutlich gemacht - vor allem mit Blick auf geschätzte 2,1 Millionen Euro Sanierungskosten für das Ottenhainer Schloss. Und Hauptamtsleiterin Kerstin Höhne hatte ihrerseits betont, dass man für die Zeit nach der Schließung sich mit den Eltern jeweils um einen neuen Kitaplatz für die Kinder kümmern wolle, damit niemand zu weite Wege hat oder generell in der Luft hänge.