SZ + Pirna
Merken

Schiller-Gymnasium Pirna: Jetzt wird im Neubau unterrichtet

Mit mehreren Monaten Verspätung ist der Anbau nun fertig. Er bietet zusätzlichen Platz, den die Schule dringend benötigt.

Von Thomas Möckel
 6 Min.
Teilen
Folgen
Kristian Raum, Schulleiter des Pirnaer Schiller-Gymnasiums, im neuen Anbau: Mehr Platz, helle Zimmer, spezielles Farbkonzept.
Kristian Raum, Schulleiter des Pirnaer Schiller-Gymnasiums, im neuen Anbau: Mehr Platz, helle Zimmer, spezielles Farbkonzept. © Daniel Schäfer

Zum Einstand geht es gezwungenermaßen erst einmal nach draußen. Am Montag, der erste Schultag nach den Herbstferien, schrillt am Pirnaer Schiller-Gymnasium kurz vor halb zwölf der Alarm los. Die Lautsprecher schicken ohrenbetäubende Intervalltöne über den Schulhof, aus allen Türen drängt es ins Freie.

Binnen kurzer Zeit müssen fast 1.000 Schüler und Lehrer das Schulgebäude an der Seminarstraße verlassen. Sie alle sammeln sich auf einer Fläche am hinteren Schulhof, so ist das festgelegt. Alle harren gespannt der Dinge, aber nach ein paar Minuten verstummen die Sirenen, Schulleiter Kristian Raum gibt Entwarnung, alle dürfen zurück.

Einen Ernstfall gab es nicht, es war ein Fehlalarm, offenbar ausgelöst durch Restarbeiten an einem Gebäude, um das es an diesem Tag vordergründig gehen soll. Das geplante Prozedere verzögert sich wegen des Alarms um ein paar Minuten, dann kann es endlich losgehen. Und auch, wenn der Rahmen eher klein gehalten ist – zu feiern gibt es Großes.

Besonderer Tag fürs Gymnasium

Mit mehrmonatiger Verspätung und nach massiven Problemen in der Bauphase ist der Anbau am Schiller-Gymnasium nun in Betrieb. Seit dem ersten Tag nach den Herbstferien werden die Gymnasiasten jetzt auch in dem Neubau unterrichtet.

„Das ist für unsere Schule ein ganz besonderer Tag“, sagt Kristian Raum. Der bauliche Zuwachs sei immens wichtig für das Gymnasium. Viele, so der Schulleiter, hätten unter enormen Zeitdruck ihr Bestes gegeben, damit nun alle den Neubau nutzen können.

Zwar sind noch nicht alle Arbeiten restlos erledigt, aber immerhin kann sich der Anbau nun mit Leben füllen. „Schüler und Lehrer finden hier jetzt beste Bedingungen vor“, sagt Pirnas Bürgermeister Markus Dreßler (CDU). Und der Neubau bietet zusätzlichen Platz, den die Bildungsstätte dringend benötigt.

Musiziert: Die neue Band "Schillernde Kapela" spielt zur Eröffnung des Neubaus.
Musiziert: Die neue Band "Schillernde Kapela" spielt zur Eröffnung des Neubaus. © Daniel Schäfer
Unvollendet: Der Übergang vom Neu- zum Altbau bleibt aus Kostengründen zunächst ohne Verkleidung.
Unvollendet: Der Übergang vom Neu- zum Altbau bleibt aus Kostengründen zunächst ohne Verkleidung. © Daniel Schäfer
Umbaut: Der neue Anbau wurde um große erhaltenswerte Bäume herum konzipiert.
Umbaut: Der neue Anbau wurde um große erhaltenswerte Bäume herum konzipiert. © Norbert Millauer
Gefeiert: 2019 ist Richtfest am Neubau, bis zur Eröffnung wird es aber noch lange dauern.
Gefeiert: 2019 ist Richtfest am Neubau, bis zur Eröffnung wird es aber noch lange dauern. © Daniel Förster
Gerüttelt: Zum Beginn der Bauarbeiten stabilisiert schweres Gerät den Untergrund.
Gerüttelt: Zum Beginn der Bauarbeiten stabilisiert schweres Gerät den Untergrund. © Daniel Schäfer

Mehr Platz für die Schüler

Das bestehende Schulgebäude an der Seminarstraße, nach der Fusion von Schiller- und Fetscher-Gymnasium schon einmal erweitert, war inzwischen zu klein geworden. Das bisherige Platzangebot reichte weder aus, um alle angemeldeten Fünftklässler aufzunehmen noch um die vorhandenen Schüler gescheit zu unterrichten.

Fast 900 Schüler lernen an der Bildungsstätte, dazu kommt ein Stammpersonal von rund 100 Lehrern. Die Raumkapazitäten waren längst ausgereizt. In den zurückliegenden vier Jahren mussten die Schüler zum Teil auch in Containern lernen. Diese Interims-Klassenzimmer wurden 2017 aufgestellt, weil durch den Einbau neuer Fachkabinette im Hauptgebäude mehrere Zimmer zusammengelegt wurden und somit Klassenräume wegfielen. Und das Schiller-Gymnasium verzeichnet seit Jahren anhaltend hohe Anmeldezahlen von neuen Fünftklässlern.

Mithilfe des Anbaus kann die Schule künftig statt 4,5 dann fünf fünfte Klassen aufnehmen. Die Zahl der Räume ist allerdings wie für ein sechszügiges Gymnasium ausgelegt, weil wegen des binationalen deutsch-tschechischen Bildungszweiges zusätzlicher Raumbedarf besteht. Um möglicher weiterer Platznot vorzubeugen, haben die Planer die Statik des Anbaus schon jetzt so berechnet, dass er sich zur Not noch weiter aufstocken lässt.

Rechner und Keyboards fehlen noch

Der neue Anbau schmiegt sich in den parkähnlichen Garten hinter der bestehenden Bildungsstätte. An einigen Stellen hat das Gebäude drei Etagen, an anderen nur zwei. Die Planer konstruierten das pavillonartige Haus so, dass es um zwei erhaltenswerte Bäume drumherum gebaut werden konnte.

Im Innern beherbergt der Neubau 15 Klassenzimmer, alle sehr großzügig, die großen Fenster lassen viel Licht in die Räume. Tische und Stühle sind nicht fest montiert, sondern beweglich, sie können so passend zu jedem Raumkonzept variabel angeordnet werden.

Hinzu kommen noch zwei Musikzimmer und ein Informatik-Kabinett. In einem der Musikzimmer fehlen noch die Keyboards, im Informatikraum noch die Rechner. Aber all das soll in Kürze installiert werden. Darüber hinaus gibt es noch Lehrerzimmer, Integrationszimmer, einen Mehrzweckraum mit variabler Trennwand. Und in einem bestimmten Raum hat der Schulleiter Besonderes vor.

Lernen und chillen im Foyer

Im Erdgeschoss des Neubaus liegt zentral das neue Foyer, ein großer heller Raum. Dorthin verlegt Kristian Raum die „Gemeinsame Lernzeit“, ein neues fakultatives Angebot für die Schüler, immer montags bis donnerstags jeweils von 14 bis 16 Uhr. Die Gymnasiasten können in dieser Zeit ganz in Ruhe Hausaufgaben erledigen, Vorträge vorbereiten, in kleinen Gruppen diskutieren, chillen. Der Schulleiter will dort noch eine Frischetheke installieren lassen, in der kleine Snacks für die Schüler bereitliegen. „Mit diesem Angebot wollen wir die Schüler zum Lernen animieren und zugleich die Schule als Lern- und Lebensort etablieren“, sagt Raum.

Der gesamte Neubau folgt einem speziellen Farbkonzept. Die Flure sind in Weiß gehalten, die Türen kommen in Grau daher. Im Erdgeschoss sind neben den Sichtbetonwänden einige Wände in Hellgrün getüncht, es symbolisiert die Nähe zur Natur. Ocker-Töne im ersten Stock greifen die Farbe des Schul-Hauptgebäudes auf, in der zweiten Etage ziert helles Blau die Wände – weil man dort dem Himmel ein Stück näher ist.

Eines bleibt allerdings vorerst unvollendet – der Übergang vom Neu- zum Altbau, der nun abgespeckt daherkommt. Eigentlich war der Übergang als richtiger Gebäudeteil geplant, jetzt bleibt er aber zunächst unverkleidet und ist lediglich als zweiter Rettungsweg ohne weiteren Ausbau ausgebildet. Auf diese Weise spart Pirna etwa 200.000 Euro – nicht unerheblich bei einem Projekt, bei dem zeitmäßig und finanziell nicht alles rund lief.

Viel teurer als geplant

Bereits 2015 hatte der Stadtrat beschlossen, einen Anbau am Schiller-Gymnasium zu errichten. Zum Schuljahresstart 2020/21 sollte er fertig sein, sofern bestimmte Maßgaben erfüllt waren. Waren sie aber nicht, so konnte der Bau erst viel später als geplant beginnen.

Hinzu kam ein gravierendes Problem: Mehrere Angebote für zuvor ausgeschriebene Leistungen lagen weit über die städtischen Kostenschätzungen. Pirna hob daher mehrfach Ausschreibungen auf und wiederholte das Prozedere – was das Vorhaben insgesamt erst jetzt fertig werden ließ.

Für den Anbau waren zunächst 6,7 Millionen Euro veranschlagt, doch zum Schluss summierten sich die Baukosten auf 8,3 Millionen Euro. Die Mehrkosten deckt Pirna mit eigenem Geld aus dem Haushalt sowie höheren Fördermitteln.