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Schulen erhalten "Corona-Laptops"

Bis zu 40.000 Laptops verschenkt der Freistaat Sachsen an Schulen. Die Computer sollen die Kinder während einer Corona-Quarantäne für zu Hause erhalten.

In der Bannewitzer Oberschule Am Marienschacht sitzen die beiden Schüler Leandro (links) und Florian (rechts) mit einem Leih-Laptop in der Hand.
In der Bannewitzer Oberschule Am Marienschacht sitzen die beiden Schüler Leandro (links) und Florian (rechts) mit einem Leih-Laptop in der Hand. © Daniel Schäfer

"Wir hoffen eigentlich nicht, dass es wieder zu Schulschließungen kommt", sagt der Schulleiter der Bannewitzer Oberschule Am Marienschacht, Gert Winter. Vorbereitet ist er aber jetzt, denn in seiner Schule sind die neuen Laptops für den Ernstfall bereits angekommen. 20 Geräte wurden vor knapp drei Wochen geliefert. 

Anders sieht es in Altenberg aus, sagt der Schulleiter des Glück Auf Gymnasiums, Volker Hegewald, welches wegen mehrerer positiver Tests auf Covid-19 seit dem 6. Oktober bis zum 16. Oktober geschlossen ist: "Mich rief eine alleinerziehende Mutter an, mit mehreren Kindern, die jetzt einen dieser Laptops brauchen würde. Leider sind unsere noch nicht da."

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Die "Corona-Laptops" sollen Kinder für den Unterricht zu Hause erhalten, die technisch nicht so gut ausgestattet sind. "Wir hatten bereits vor den Sommerferien eine Abfrage bei den Eltern gemacht, um herauszufinden, welche unserer 1.200 Kinder ein Tablet brauchen", sagt Volker Hegewald. Dabei habe sich herausgestellt, dass 400 Kinder keinen eigenen Computer haben, aber, so Hegewald: "Erstaunlich ist, dass 98 Prozent ein internetfähiges Handy besitzen. Das sind immerhin nur 24 von 1.200 Kinder, die keins haben."

Für seine Schüler habe er jetzt 112 I-Pads bestellt. Diese sollen in der letzten Oktoberwoche an seinem Gymnasium ankommen.

In der Bannewitzer Oberschule läuft die Befragung der Eltern noch, sagt Schulleiter Gert Winter: "Wir haben das so gemacht, dass wir die Eltern beim Elternabend anonym fragten, wer einen dieser Leih-Laptops braucht und erwarten die Antworten in den nächsten Tagen." Seiner Schätzung nach sind zwischen zehn und 20 Kinder der insgesamt 310 Schüler an seiner Schule technisch nicht gut in ihrer Familie ausgestattet: "Das betrifft Kinder, die sich zum Beispiel einen Computer mit einem Geschwisterkind teilen müssen, oder auch mit den Eltern, wenn diese zu Hause arbeiten."

Wer bekommt "Corona-Laptops"?

Die Kinder. Denn die sogenannte Mobile-Endgeräte-Förderverordnung ist während der Corona-Situation durch die Bundesregierung ins Leben gerufen worden und soll Schüler mit der nötigen Technik unterstützen, die zu Hause keinen eigenen PC haben. Somit konnten alle sächsischen Schulträger bis zum 19. August beim Staatsministerium für Kultus Sachsen Förderanträge für ihre Schulen stellen. 

Die Förderverordnung Sachsens hat dafür rund 28 Millionen Euro insgesamt bereitgestellt. 25 Millionen Euro kommen aus dem Sofortausstattungsprogramm des Bundes und 2,7 Millionen Euro aus Landesmitteln. „Wir können damit rund 30.000 bis 40.000 Geräte anschaffen. Das Programm leistet damit einen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit“, meint Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Neben Laptops, Notebooks und Tablets können auch Software-Programme für das digitale Lernen und Videokameras angeschafft werden. Ausgeschlossen sind Handys und die Wartung der Geräte.

Welche Schulen haben Laptops bestellt?

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge haben fast alle Kommunen beziehungsweise Schulträger an dem Programm teilgenommen und Fördergelder beantragt.

Eine der ersten Gemeinden, die bereits die Geräte haben ist Bannewitz, sagt der Fachbereichsleiter Heiko Wersig: "Wir haben beim hier ansässigen Unternehmen NetComplete bestellt und die 20 Laptops schnell bekommen." Bannewitz hatte aus dem Fördertopf rund 42.000 Euro erhalten und für alle drei Schulen in seiner Trägerschaft insgesamt 40 Geräte gekauft.

Die meisten anderen Städte und Gemeinden warten noch auf die Schüler-Laptops.

In Neustadt in Sachsen wurden die Geräte bei "Cyberport" in Dresden bestellt. Nach Angaben der Stadtsprecherin Sarina Mann seien drei Unternehmen aus der Gegend angefragt worden: "Von Cyberport erhielten wir das wirtschaftlichste Angebot. Einen Liefertermin haben wir noch nicht final erhalten."

Insgesamt gab es für Neustadts Schulen rund 50.000 Euro. "Das Geld wurde auf alle drei städtische Schulen relativ gleichmäßig aufgeteilt, um jeder Schule einen Klassensatz bereitzustellen", erklärt Sarina Mann.

Eine Aufteilung anhand der Schülerzahlen wäre weniger sinnvoll gewesen sagt sie, "da die Geräte ja auch zum Einsatz kommen sollen, wenn nicht gerade ein Teil oder die ganze Schule geschlossen werden muss."

So sei nun eine Art „mobiles Computerkabinett“ geplant, das auch im normalen Schulalltag flexibel genutzt werden könne. "Dazu erhalten die beiden Grundschulen jeweils 28 Convertibles, also Geräte, die Notebook und Tablet in einem sind, und die Oberschule 32 Geräte", sagt Sarina Mann. "Wir beschaffen für alle Schulen die gleichen Geräte, um im Falle einer ausgeweiteten Schließung einer Schule, die Geräte von den anderen Schulen auch leihweise weitergeben zu können", sagt Sarina Mann.

200 Laptops für Freitaler Schüler

Auch die Stadt Freital stellt allen sieben städtischen Grund- und drei städtischen Oberschulen Geräte zur Verfügung, teilt Stadtsprecher Matthias Weigel mit: "Wir haben 20 Laptops pro Schule bestellt inklusive Zubehör wie Tasche und Laptopwagen." Insgesamt seien 200 Geräte bestellt worden.

Einige Kommunen, wie Freital, Pirna und die Gemeinde Bannewitz bemängeln jedoch, dass die Folgekosten-Finanzierung nicht geregelt sei. Denn auch Betrieb und Wartung würden Kosten in den Haushalten verursachen. Viele Fördermittel kämen als Anschubfinanzierung und die Kommunen müssten dann die Folgekosten selbst aufbringen, teilen die Städte und Gemeinden gleichlautend mit.

Die Kreisstadt Pirna hat vom Freistaat Sachsen rund 225.000 Euro für die Anschaffung von Laptops oder Tablets für das sogenannte Homeschooling erhalten. "Hinzu kommen weitere 9.500 Euro Eigenmittel aus dem städtischen Haushalt, um die Geräte für alle Schulen gleichermaßen zu nutzen", sagt Stadtsprecher Thomas Gockel. Von dem Geld wurden 256 I-Pads und 128 Notebooks bestellt. Diese Geräte sollen den Kindern aller städtischen Schulen im Ernstfall zur Verfügung stehen. 

Lohmen hat für die Grundschule Geld aus dem Fördertopf beantragt. Bürgermeister Jörg Mildner (CDU) sagt: " Von den 6.184,69 Euro wollen wir einen Laptop für Lehrer und 10 für die Schüler kaufen." Bestellt wurden die Geräte bei KISA. Mit Lieferschwierigkeiten rechne Mildner aber nicht.

Werden Lieferengpässe erwartet?

Den Schulen steht es laut sächsischem Kultusministerium frei, wo sie die Laptops oder Tablets kaufen und welche Produkte sie wählen. Dadurch könnte die deutschlandweit gültige "Mobile-Endgeräte-Förderverordnung" allerdings zu Engpässen und Preissteigerungen bei mobilen Computern führen. So verzeichnet zum Beispiel der "Zweckverband Kommunale Informationsverarbeitung Sachsen - KISA", bei dem einige Schulen im Landkreis ihre Geräte bestellten, "derzeit einen deutlich steigenden Auftragseingang."

Für Notebooks und Tablets würden "konkrete Liefertermine von den Lieferanten nicht bekannt gegeben", aber "aktuell liegen die Lieferzeiten noch im normalen Rahmen", sagt Nancy Reim, KISA-Marketing & Kommunikation. "Bei bestimmten Modellen kann es aufgrund eines Modellwechsels aber zu Verzögerungen kommen. Wir empfehlen deshalb allen Kunden ihre Bestellung frühzeitig abzusenden."

Die reine Lieferzeit liege momentan bei drei bis vier Wochen.


Schulträger, die im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge an dem Programm teilnehmen:

Gemeinde Klingenberg erhält 32.584,16 €
Große Kreisstadt Pirna erhält 225.454,90 €
Gemeinde Gohrisch erhält 6.757,35 €
Gemeinde Struppen erhält 5.898,36 €
Stadt Königstein erhält 18.725,87 €
Große Kreisstadt Freital erhält 143.507,74 €
Stadt Wilsdruff erhält 71.123,95 €
Sabel Freital gAG erhält 17.752,35 €
Stadt Neustadt in Sachsen erhält 50.221,98 €
Stadt Rabenau erhält 8.475,32 €
Gemeinde Kreischa erhält 25.941,34 €
Stadt Dohna erhält 30.579,86 €
Gemeinde Bannewitz erhält 43.121,04 €
Stadt Altenberg erhält 30.522,60 €
Stadt Bad Schandau erhält 6.070,16 €
Gemeinde Müglitztal erhält 4.924,85 €
Evangelischer Schulverein Pirna e.V erhält 41.116,74 €
Stadt Glashütte erhält 14.545,48 €
Stadt Heidenau erhält 97.408,89 €
Stadt Stolpen erhält 33.729,47 €
Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge erhält 341.589,66 €
Gemeinde Dürrröhrsdorf-Dittersbach erhält 10.078,76 €

Stadt Bad Gottleuba-Berggießhübel erhält 27.487,52 €
Stadt Liebstadt erhält 8.246,26 €
Erste Europäische Schule für Physiotherapie, Ergotherapie usw. erhält 9.277,04 €

Christlicher Schulverein Wilsdruffer Land e.V. erhält 30.980,72 €
Dr. Hirsch gemeinnützige Schulges. mbH erhält 3.493,21 €
Med. Ausbildungszentrum KLINIKBAVARIA gemeinnützige GmbH erhält 9.964,22 €
Stadt Tharandt erhält 13.457,43 €
Gemeinde Rosenthal-Bielatal erhält 4.523,99 €
Stadt Hohnstein erhält 5.325,71 €
Gemeinde Hermsdorf/Erzgeb. erhält 3.665,00 €
Große Kreisstadt Dippoldiswalde erhält 69.405,98 €
Gemeinde Lohmen erhält 6.184,69 €
Stadt Stadt Wehlen erhält 4.695,78 €
Große Kreisstadt Sebnitz erhält 63.278,55 €

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