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So finden Sie den richtigen Schulranzen für Ihr Kind

Ginge es allein um das coolste Motiv, wäre die Suche nach dem Schulranzen kniffelig genug. Dabei soll er auch rückenfreundlich sein und im Straßenverkehr auffallen. Worauf Eltern achten sollten.

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Ein Schulranzen sollte nicht nur schön aussehen, sondern auch Tragekomfort bieten.
Ein Schulranzen sollte nicht nur schön aussehen, sondern auch Tragekomfort bieten. ©  Robert Michael/dpa (Symbolbild)

Sommerferien in Deutschland in die Schule – und sie alle brauchen einen Schulranzen. In den Fachgeschäften ist jetzt entsprechend viel los. Doch mitunter fühlt man sich dabei an den Kauf eines Brautkleids erinnert: Kinder führen Modell um Modell vor, Eltern machen Fotos, beratschlagen sich via Smartphone mit anderen Familienmitgliedern und posten dann ein Bild des stolzen Bald-Schulkinds mit dem neuen Ranzen in den sozialen Medien.

Am Ende sind viele Eltern auch erleichtert, es geschafft zu haben. Denn der Kauf des perfekten Schulranzens kann schweißtreibend sein. Während es früher fast nur die Wahl zwischen dem roten und blauen Ranzen von dem einen oder dem anderen Hersteller gab, gilt es heute, aus einer riesigen Zahl verschiedener Formen, Farben und Muster auszuwählen. Doch auch Ergonomie und Sicherheit spielen eine Rolle.

Wann sollte das Kind einen Ranzen bekommen?

„Viele Eltern haben schon bestimmte Vorstellungen“, sagt Klaus Müller, Geschäftsführer eines großen Nürnberger Spielwarengeschäfts, das eigenen Angaben nach etwa 3.000 Modelle in seiner Ranzenabteilung hat. Um das gewünschte Modell zu ergattern, gehen Eltern mit ihren Kindern oft schon Monate vor der Einschulung einen Ranzen kaufen, hat Müller beobachtet. „Oft ist es ein Weihnachtsgeschenk. Spätestens zu Ostern soll das Kind den Ranzen haben.“ Notwendig ist das nicht unbedingt. „Es gibt Trend-Motive, die sind schnell ausverkauft“, sagt Müller. Aber trotzdem gebe es noch bis zum ersten Schultag eine große Auswahl.

„Der Schulranzenkauf ist ein magischer Moment“, sagt Marktforscher Axel Dammler. „Der Eintritt in die Schule ist etwas Großes. Der Schulranzen repräsentiert das, bildet aber auch die Geschmackswelt des Kindes ab.“ Deshalb gebe es auch so viele Designs: Jedes Kind soll sich wiederfinden. Es will aber möglichst auch das Einzige in der Klasse mit diesem Modell sein, sagt er.

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Was sollte ein Ranzen kosten?

Für einen neuen Schulranzen müssen Eltern meist tief in die Tasche greifen. Nach einer vor einigen Jahren erhobenen Studie des Konsumforschungsunternehmens GfK geben Eltern im Schnitt 238 Euro für die Erstausrüstung aus. Aktuelle Erhebungen dazu gebe es nicht, sagt Sabine Frühwald von GfK. Die Inflation und die Kostensteigerungen in vielen Bereichen wirkten sich aber auch auf den Schulbedarf aus. Den größten Posten bei der Einschulung mache der Schulranzen aus. Je nach Marke kann man da schon mal mit Preisen zwischen 200 und fast 300 Euro rechnen.

Was kann ich tun, wenn ich mir keinen Ranzen leisten kann?

Gerade für ärmere Familien ist das nach Angaben des Deutschen Caritasverbandes nicht zu stemmen. Im vergangenen Februar hatte dieser seine Beratungsstellen zum Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder aus bedürftigen Familien befragt. Sie bekamen darüber zu diesem Zeitpunkt jährlich pauschal 154,50 Euro für Schulbedarf. 2022 liegt die Summe bei 156 Euro pro Jahr. Der Großteil der Befragten gab damals an, dass die Summe nie (44 Prozent) oder nur manchmal (43 Prozent) ausreiche.

Gerade bei der Einschulung und beim Wechsel auf die weiterführende Schule sei das ein Problem, sagte eine Sprecherin des Caritasverbands, weil eine neue Schultasche, Zubehör und teure Taschenrechner die Pauschale deutlich überstiegen. Die explodierenden Preise verschärften die Situation zusätzlich, da die Regelsätze weniger stark stiegen.

Die Caritas und andere Hilfsverbände sammeln deshalb seit Jahren gebrauchte Schulranzen und Turnbeutel, um sie bedürftigen Familien zu spenden.Nach Vorausberechnungen der Kultusministerkonferenz wird die Zahl der Schulanfänger in den nächsten beiden Jahren noch weiterwachsen. Für die Hersteller eine gute Nachricht, denn der Schulranzen-Markt ist hart umkämpft. „In den vergangenen Jahren sind viele Anbieter dazugekommen“, sagt Christian Bergemann von der Steinmann Gruppe, zu der unter anderem die Marke „Scout“ gehört.

Auch die hohen Energiekosten und Frachtraten machen den Herstellern zu schaffen. Darauf hat das Unternehmen Hama im bayerischen Monheim bei seinen Ranzen der Marke „Step by Step“ reagiert. „Um unsere Qualität und die Standards in der Produktentwicklung und -produktion sowie im Bereich Nachhaltigkeit aufrechtzuerhalten, sind aber auch wir nicht umhingekommen, die Verkaufspreise geringfügig anzupassen“, teilt es mit. Die Steinmann Gruppe verzichtet dagegen auf Preiserhöhungen. „Wir liegen mit ,Scout‘ schon im oberen Preissegment und möchten die Familien nicht zusätzlich belasten“, sagt Bergemann. Auch Händler Müller ist skeptisch, ob die Menschen angesichts der hohen Lebenshaltungskosten weiterhin bereit sind, so viel für Schulranzen auszugeben. „Die Schmerzgrenze ist erreicht“, meint er. Sabine Frühwald erwartet Vermeidungs- und Ausweichstrategien. Kinder müssten dann zum Beispiel den Ranzen der älteren Geschwister übernehmen. Auch ein neuer Ranzen etwa zum Übertritt in die 5. Klasse könnte wegfallen. (dpa)

Bunt und mit Reflektoren: So sollte ein Schulranzen aussehen.
Bunt und mit Reflektoren: So sollte ein Schulranzen aussehen. © Ronald Bonss/Archiv

Worauf es beim Ranzenkauf ankommt

  • Das Wichtigste beim Ranzenkauf ist das Kind, denn auf seinen Rücken muss er passen. Es sollte verschiedene Modelle probetragen. Ist das Passende gefunden, geht es an die Motiv- und Farbauswahl.

  • Der Ranzenrücken sollte gepolstert und nicht zu hart sein, das Polster an mehreren Stellen am Rücken anliegen.

  • Das Gewicht wird möglichst weit oben und nahe am Körperschwerpunkt getragen. Je weiter weg es sich vom Körper befindet, desto größer ist die Hebelwirkung.

  • Gute Schultergurte sind mindestens vier Zentimeter breit. Sie werden so eingestellt, dass der Ranzen an beiden Schulterblättern anliegt und etwas über der Schulterhöhe abschließt. Der Brustgurt verhindert, dass sie nach außen rutschen. Der Beckengurt verteilt den Druck flächig am Körper.

  • Ein leerer Ranzen wiegt je nach Hersteller zwischen 400 und 800 Gramm. Dabei gilt: Je leichter, desto instabiler. Die Faustregel, dass der Ranzen nicht schwerer als 15 Prozent des Körpergewichtes des Kindes sein darf, ist überholt. Orthopäden gehen davon aus, dass selbst ein Gewicht von 30 Prozent die Kinder nicht überlastet, solange ihre Rückenmuskulatur gut trainiert ist.

  • Leuchtende Farben schützen das Kind im Straßenverkehr. Laut Schulranzennorm DIN 58124 müssen sogar mindestens 20 Prozent der sichtbaren Teile fluoreszieren. Aber vielen gefällt das nicht. Hersteller bieten daher neonfarbene Zusatzelemente an, die am Ranzen angezippt werden.

  • Praktisch sind Bodenwannen, die einen Nässeschutz bieten, Seitentaschen für Brotdosen und Trinkflaschen sowie Organizerfächer für Krimskrams. (rnw/sp)