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Wann wird der Anbau am Pirnaer Schiller-Gymnasium endlich fertig?

Eigentlich sollte der Neubau zum Start dieses Schuljahres in Betrieb gehen. Daraus wurde allerdings nichts, nun gibt es einen neuen Termin.

Neuer Anbau am Pirnaer Schiller-Gymnasium: Das Gebäude wurde um einen bestehenden Baum herum geplant.
Neuer Anbau am Pirnaer Schiller-Gymnasium: Das Gebäude wurde um einen bestehenden Baum herum geplant. © Norbert Millauer

Noch vor den diesjährigen Sommerferien nährte das Pirnaer Rathaus die Hoffnung auf ein baldiges Ende. Für den Anbau am Schiller-Gymnasium, ohnehin schon gewaltig im Bauverzug, gab es einen weiteren Fertigstellungstermin. Die Erweiterung an der Rückseite der Bildungsstätte, für die Schule enorm wichtig, sollte zum Start des Schuljahres 2021/22 in Betrieb gehen.

Doch daraus wurde nichts. Der Termin ist inzwischen verstrichen, doch bislang bevölkern weder Schüler noch Lehrer den Neubau.

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Gleichwohl wagt sich die Stadt nun optimistisch an eine neue Prognose. Am Schiller-Gymnasium, so das Rathaus, sei nun der Endspurt angesagt. Sämtliche Herausforderungen, die mit dem Bau zusammenhingen, hätten letztendlich gemeistert werden können. Ein Umzug in die neuen Räume sei nun für Oktober geplant.

Gelingt das tatsächlich, markiert der Termin das Finale eines Bauvorhabens, was längst nicht so lief, wie es laufen sollte - für die Schule aber sehr bedeutsam ist.

Container verschwinden wieder

Denn die Bildungsstätte braucht dringend zusätzlichen Platz. Das bestehende Gebäude an der Seminarstraße, vor einigen Jahren schon einmal erweitert, ist längst zu klein geworden.

Es reicht weder aus, um alle angemeldeten Fünftklässler aufzunehmen, noch die vorhandenen Schüler ordnungsgemäß zu unterrichten.

Über 850 Schüler lernen an der Bildungsstätte, dazu kommt ein Stammpersonal von rund 100 Lehrkräften. Die Raumkapazitäten sind längst ausgereizt.

Und noch immer müssen Schüler zum Teil in Containern lernen. Diese Interims-Klassenzimmer wurden 2017 aufgestellt, weil durch den Einbau neuer Fachkabinette im Hauptgebäude mehrere Zimmer zusammengelegt wurden und somit Klassenräume wegfielen.

Doch auch dieses Provisorium hat bald ein Ende. Ist der Anbau fertig, verschwinden die Container vom Schulgelände. An deren Stelle entstehen wieder die ursprünglichen Pkw-Parkplätze.

Mehr Räume, mehr Schüler

Was noch hinzukommt: Jedes Jahr melden sich viele potenzielle Fünftklässler am Schiller-Gymnasium an, zudem werden die Schülerzahlen in Pirna in den kommenden Jahren noch einmal ansteigen.

Mithilfe des Anbaus kann die Schule künftig statt 4,5 dann fünf fünfte Klassen aufnehmen. Die Zahl der Räume ist allerdings wie für ein sechszügiges Gymnasium ausgelegt, weil wegen des binationalen deutsch-tschechischen Bildungszweiges zusätzlicher Raumbedarf besteht.

Und der Neubau ist von seiner Statik her so konstruiert, dass er sich bei Bedarf noch weiter aufstocken lässt. Doch zunächst einmal soll der Anbau in seiner jetzigen Form das Platzproblem beseitigen.

Sparen am Übergang

Der pavillonartige Neubau besteht aus unterschiedlich hohen Gebäudeteilen. An einigen Stellen gibt es drei Stockwerke, an anderen Stellen ist das Haus flacher.

Der Anbau beherbergt 15 Klassenzimmer, zwei Musikzimmer, ein Informatik-Kabinett sowie einen Mehrzweckraum.

Zudem gibt es zusätzliche Duschen, Toiletten und Umkleiden für den Leichtathletik-Sportunterricht, der auf dem Schulgelände stattfindet.

Alt- und Neubau verbindet ein spezieller Übergang, der aus Spargründen zunächst etwas abgespeckt daherkommt.

Laut des Rathauses wird dieser Übergang - ursprünglich als richtiger Gebäudeteil geplant - vorerst nur als eine Art zweiter Rettungsweg ohne weiteren Ausbau ausgebildet. Die vorgesehene Verkleidung könne auch später nachgerüstet werden.

Auf diese Weise spart Pirna zunächst etwa 200.000 Euro ein - nicht unerheblich bei einem Projekt, was sowohl zeitmäßig als auch kostentechnisch etwas aus dem Ruder gelaufen ist.

Angebote waren viel zu teuer

2015 beschloss der Stadtrat, einen Anbau am Schiller-Gymnasium zu errichten. Zum Schuljahresstart 2020/21 sollte er fertig sein - vorausgesetzt, der Fördermittelbescheid trifft bis März 2017 ein, die Baugenehmigung liegt bis September 2017 vor und die Arbeiten können im August 2018 starten.

Doch die Fördermittelzusage kam erst im Dezember 2017, Pirna musste daraufhin den Zeitplan korrigieren und das Bauende verschieben.

Ein weiteres Problem: Mehrere Angebote für zuvor ausgeschriebene Leistungen - beispielsweise für Baustelleneinrichtung, Baugrundverbesserung und Rohbau - lagen weit über den städtischen Kostenschätzungen.

So bezifferte Pirna die Kosten für die Baugrundverbesserung anfänglich mit 180.000 Euro, das günstigste Angebot lag bei 487.000 Euro - ein Plus von 171 Prozent, was nicht finanzierbar war.

Pirna hob die Ausschreibungen auf und wiederholte das Prozedere, was aber einen enormen Bauverzug zur Folge hatte.

Planer-Wechsel und Lieferengpass

2019 hieß es, der Anbau werde frühestens im Februar 2021 fertig, doch auch dieser Termin ließ sich nicht halten. Aus Kostengründen musste die Stadt erneut Ausschreibungen aufheben und wiederholen.

Hinzu kamen ein laut der Stadt einvernehmlicher Wechsel des Planungsbüros, die coronabedingt schwierige Angebotslage sowie damit verbundene Lieferengpässe - was alles zusammen das Vorhaben abermals verzögerte.

Inzwischen aber, so das Rathaus, habe man alle Herausforderungen gemeistert, die Inbetriebnahme des Anbaus im Oktober sei fest geplant.

1,6 Millionen Euro teurer

Für den Anbau waren ursprünglich 6,7 Millionen Euro veranschlagt, nach Aussage des Rathauses liegen die Kosten inzwischen bei 8,3 Millionen Euro.

Der Stadtrat beschloss bereits Ende 2020, zusätzlich 1,3 Millionen Euro bereitzustellen, damit der Anbau im Sommer 2021 fertig wird.

Diese Erhöhung resultiert vor allem aus dem veränderten Bauablauf sowie den ausschreibungsbedingten Mehrkosten. Ein Teil der Mehrkosten konnte gedeckt werden, weil das Land die Fördermittel-Summe erhöhte.

Der Rest wurde mit Geld kompensiert, was Pirna ursprünglich für die Beseitigung von Hochwasserschäden aus dem Jahr 2013 zurückgelegt hatte, für diesen Zweck aber nicht mehr benötigte.

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