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Zehn Fragen aus dem Klassenzimmer

Handy einziehen, Schultaschen kontrollieren, viele Hausaufgaben aufgeben: Was ist in Sachsen eigentlich erlaubt?

Was wären Kinder ohne ihre Smartphones? Im Unterricht sind sie meist nicht erwünscht, es sei denn, sie sollen für Recherchen genutzt werden.
Was wären Kinder ohne ihre Smartphones? Im Unterricht sind sie meist nicht erwünscht, es sei denn, sie sollen für Recherchen genutzt werden. © 123rf

Die ersten vier Schulwochen sind vorüber, in Sachsens Schulen hat sich Routine eingespielt. Die ersten Tests wurden geschrieben, die ersten Gedichte aufgesagt, sicher auch schon Handys von den Lehrern konfisziert. Das wirft Fragen auf.

Ist es in Ordnung, dass Schulen die Benutzung von Handys verbieten?

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Im Schulgesetz ist das nicht geregelt. Daher bestimmen die Schulen den Umgang mit dem Handy im Unterricht und in den Pausen intern in ihren Hausordnungen, sagt Dr. Susann Meerheim vom Kultusministerium. Meist ist das eine Frage, mit der sich nur die weiterführenden Schulen auseinandersetzen müssen. Üblicherweise sind Handys im Unterricht stumm zu schalten. An manchen Schulen sollten sie den ganzen Schultag ausgeschaltet im Ranzen bleiben, an anderen dürfen sie in den Hof- oder Mittagspausen genutzt werden, an einigen in jeder Pause. Klingelt oder piepst das Handy verbotenerweise im Unterricht, dürfen die Lehrer es teilweise einkassieren, aber meist nur bis zum Ende des Schultages. An manchen Schulen müssen die Eltern das Telefon persönlich abholen. Es gibt aber auch kreativere Sanktionsmaßnahmen, wie das Backen von Strafkuchen, den dann die ganze Klasse verzehren darf.

Dürfen Lehrer verlangen, dass das Handy im Unterricht genutzt wird?

Schnell mal Vokabeln nachschlagen oder eine historische Person googeln – Smartphones können auch im Unterricht sinnvolle Dienste leisten. Aber es sind private Geräte, auch das Datenvolumen ist Privatbesitz. Schülern darf daher nicht vorgeschrieben werden, dass sie ihr Handy für Schulaufgaben im Unterricht verwenden müssen, zumal es bei der technischen Ausstattung der einzelnen Schüler große Unterschiede gibt. Verwenden sie ihr Telefon im Unterricht für schulische Zwecke, muss das freiwillig erfolgen, und wenn, dann am besten im Schul-Wlan.

Wie viele Hausaufgaben dürfen aufgegeben werden?

Dafür gibt es keine konkreten Vorgaben. Die sächsischen Schulordnungen verlangen nur sehr schwammig, dass die Menge „angemessen“ sein müsse. Das heißt: Der Lehrer entscheidet. Generell sollten Hausaufgaben so vorbereitet und gestellt werden, „dass die Schüler sie ohne außerschulische Hilfe in angemessener Zeit bewältigen können“, heißt es etwa in der Schulordnung für Grundschulen. „Angemessen orientiert sich am behandelten Lernstoff, an Wiederholungs- und Festigungszielen am zeitlichen Rahmen sowie der schulischen Gesamtbelastung“, erklärt Roman Schulz vom Landesamt für Schule und Bildung in Chemnitz (Lasub).

Umfang und Schwierigkeitsgrad der Hausaufgaben sollten dem Entwicklungsstand des einzelnen Schülers angepasst werden. An Grundschulen werden Hausaufgaben generell im Unterricht besprochen und überprüft. An Oberschulen und Gymnasien passiert das zumindest stichprobenartig. Grund- und Oberschülern dürfen über die Ferien keine Hausaufgaben erteilt werden, Gymnasiasten hingegen schon, wenn sie selbstständig und in angemessener Zeit erledigt werden können. Für sie gilt auch nicht, worauf sich Oberschüler laut Schulordnung explizit berufen dürfen: „Die Lehrer sind verpflichtet, die tägliche Gesamtbelastung des Schülers zu berücksichtigen.“ Allerdings, so Schulz, sollten Hausaufgaben „eher motivieren als frustrieren.“

Wie viele Klassenarbeiten dürfen pro Woche maximal geschrieben werden?

Auch das ist in den einzelnen Schulordnungen geregelt. Ihre Zahl wird am Schuljahresanfang durch die Klassenkonferenz in den Schulen festgelegt. Lehrer müssen die Klassenarbeiten gleichmäßig auf das Schuljahr verteilen und in der Regel mindestens eine Woche zuvor ankündigen. In der Grundschule darf an einem Tag nicht mehr als eine, pro Woche nicht mehr als zwei Klassenarbeiten geschrieben werden – weder an zwei aufeinanderfolgenden Tagen noch unmittelbar nach den Ferien. Oberschüler und Gymnasiasten schreiben maximal drei Arbeiten pro Woche, in der Regel maximal eine am Tag. Die Anzahl der Kurzkontrollen legt der Fachlehrer fest.

Ab wann müssen Schulschwänzer ein Bußgeld zahlen – und wie hoch ist es?

Wer die Schule schwänzt, verletzt die Schulpflicht, die seit 1919 in Deutschland gilt. Das ist gemäß Paragraf 61 des sächsischen Schulgesetzes eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße geahndet werden kann. Es obliegt zunächst also den Schulen, inwiefern sie mit dem Wegbleiben vom Unterricht umgehen. Üblicherweise werden zunächst die Eltern informiert, es gibt einen Eintrag ins Klassenbuch. Schwänzt der Schüler drei Tage – die nicht zusammenhängen müssen – gibt es eine schriftliche Mahnung. Haben sich fünf unentschuldigte Fehltage angesammelt, informiert die Schule das Ordnungsamt. Es kann dann ein Bußgeld von bis zu 1.250 Euro kassieren. Für die Ahndung zuständig sind die Landkreise und kreisfreien Städte. Sie übermitteln dem Kultusministerium einmal im Jahr die Zahl der Ordnungswidrigkeitsverfahren. Im Kalenderjahr 2018 wurden 6.972 Verfahren gemeldet, 2019 waren es 7.013 Verfahren.

Dürfen Lehrer eigentlich in die Schultasche schauen?

Der Ranzen gehört zur Privatsphäre des Schülers. Von daher kommt es darauf an, was der Anlass für den Lehrerblick in die Tasche wäre. Will der Lehrer dem Grundschüler helfen, die richtigen Unterrichtsutensilien herauszusuchen, dann sei das sicher kein Problem, solange es zusammen mit dem Kind erfolge, so Roman Schulz. Eine anlasslose Ranzenkontrolle sei jedoch nicht zulässig. „Den Ranzen auszukippen, wie in DDR-Zeiten, das geht nicht“, sagt er. Besteht bei älteren Schülern der Anfangsverdacht, dass Drogen oder eine Schusswaffe in der Schultasche versteckt sind, dann muss die Polizei hinzugezogen werden, die eine Kontrolle durchführen darf.

Können interessierte Eltern im Unterricht hospitieren?

In manchen Bundesländern, wie Schleswig-Holstein oder Rheinland-Pfalz, ist das möglich. In Sachsen nicht.

Gilt es als Schulschwänzen, wenn Schüler fürs Klima demonstrieren?

Ja. Schüler dürfen während des Unterrichtes nicht an Demonstrationen teilnehmen, auch wenn das Thema sehr wichtig ist, so Lasub-Sprecher Roman Schulz. Das würde als Verstoß gegen die Schulbesuchsverordnung gewertet werden und könne nicht mit dem Demonstrationsrecht entschuldigt werden, schreibt die Stiftung Warentest in einem Schulspezial.

Wie lange dürfen Eltern ihre Erstklässler bis zum Platz begleiten?

Grundsätzlich regelt das jede Schule für sich. „Aber normalerweise ist, auch abgesehen von den Corona-Schutzmaßnahmen, am Schultor Schluss“, sagt Roman Schulz. Dass Eltern ihre Schulanfänger gerade an den ersten Tagen bis zum Platz bringen und beim Auspacken der Sachen helfen, sei an den Grundschulen durchaus möglich, aber pädagogisch nicht auf Dauer sinnvoll. „Die Kinder sollten auch eine bestimmte und altersgemäße Selbstständigkeit erlangen“, so Schulz.

Müssen auch sehr schüchterne Kinder vorsingen oder Gedichte vortragen?

Prinzipiell ja. ABC-Schützen müssen das natürlich noch nicht. Techniken, die für das Vortragen wichtig sind, erlernen die Kinder schrittweise.

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