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Billig-Motorrad führt zu Anklage

Ein vermeintliches Schnäppchen brachte einen 55-Jährigen vor Gericht. Dort musste er sich wegen Hehlerei verantworten.

© dpa

Von Helene Braun

Es klingt nach einem verlockenden Angebot: Eine Kawasaki für 2 700 Euro. Als ein 55-jähriger Mann aus Kassel sich auf diesen Deal einließ, hätte er sich jedoch nicht erträumen lassen, dass ihn der Kauf vors Amtsgericht Döbeln bringt. Dort wurde ihm nun Hehlerei vorgeworfen..

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Die Kawasaki erstand er für nur 1 300 Euro im Oktober 2017 in Döbeln. Schon wegen des niedrigen Kaufpreises hätte der Angeklagte ahnen müssen, dass das Motorrad gestohlen ist, so die Ansicht der Staatsanwaltschaft Chemnitz. Zur Tatzeit handelte der Beschuldigte gewerblich mit Motorrädern. Die Kawasaki soll er ausgeschlachtet und die Teile für 700 Euro verkauft haben.

„So war es nicht“, sagte der Angeklagte. Er schildert, dass er die Kawasaki bei Ebay Kleinanzeigen für einen Kaufpreis von 2 700 Euro gefunden hatte. Das Motorrad sei 3 000 Euro wert gewesen. Gemeinsam mit einem Freund fuhr er nach Döbeln und schaute sich das Fahrzeug an. Das gefiel ihm. Er handelte den Kaufpreis auf 2 200 Euro herunter. Allerdings hatte der Beschuldigte nur 1 300 Euro dabei. Ein Versuch, weitere 1 000 Euro bei der Bank abzuheben, scheiterte. Deshalb zahlte er bei dem Döbelner Verkäufer nur 1 300 Euro an. Es wurde ein Kaufvertrag aufgesetzt, in dem der Verkäufer glaubhaft versicherte, dass das Motorrad nicht gestohlen sei. Dann wurde dem Angeklagten ein kleiner Fahrzeugschein vorgelegt. In dem stand ein anderer Name als der des Verkäufers. Der Kfz-Brief war nicht vorhanden und es gab auch nur einen Fahrzeugschlüssel. Auf den anderen Namen im Fahrzeugschein angesprochen, sagte der Verkäufer, dass die Kawasaki einem Freund gehöre. Der würde in Eisenach wohnen. Allerdings hatte das Motorrad weder ein Kennzeichen von Eisenach noch eines von Döbeln. Der Verkäufer wollte dem Beschuldigten am Sonnabend nach dem Kauf den Kfz-Brief nach Kassel bringen und im Gegenzug die restlichen 900 Euro kassieren. Doch das geschah nicht.

Der Verkäufer ließ sich nicht blicken und holte auch das noch ausstehende Geld nicht ab. Anrufe blieben erfolglos. Eine E-Mail-Adresse gab es nicht mehr. Der Verkäufer aus Döbeln war nicht mehr zu erreichen. Dafür stand im Januar beim Angeklagten die Polizei vor der Tür. Die durchsuchte die Werkstatt des Beschuldigten und beschlagnahmte die Teile, die von der Kawasaki noch übrig waren.

Der Freund des Beschuldigten, der beim Kauf der Kawasaki mit dabei war, bestätigte in der Zeugenbefragung die Aussage des Angeklagten. Auf die Frage von Richterin Karin Fahlberg nach dem fehlenden Kfz-Brief, sagt der Zeuge: „Wir dachten, dass der Brief wegen eines Kleinkredites bei der Bank liegt.“

Richterin Karin Fahlberg sprach den Angeklagten frei. „Es gibt keine Gründe, für Zweifel“, sagte sie in der Urteilsbegründung. Allerdings habe der Kauf des Motorrades einen Beigeschmack von Hehlerei. „Die Grenze Schnäppchenjäger und Hehlerei ist oft schmal“, so Fahlberg. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.