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„Bin froh, dass ich noch lebe“

Eine Radpartie findet ein jähes Ende durch einen Unfall. Alle Beteiligten hatten Glück, dass nicht Schlimmeres passierte.

© dpa/Peter Steffen (Symbolfoto)

Von Jürgen Müller

Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Meißen. Die Gruppe älterer, gesetzter Herren aus Radeberg trifft sich regelmäßig zur sonntäglichen Radtour. So ist es auch an jenem Novembertag vor zwei Jahren. Doch in Berbisdorf findet die Radpartie der sieben Herren ein abruptes Ende. Auf der sehr engen Straße kommt ihnen ein schwarzer VW-Transporter entgegen. Dessen Fahrer kommt von der rechten Seite ab, zieht nach links in Richtung der Radfahrergruppe. Dann gibt es einen mächtigen Knall. Der erste Radfahrer, der nicht mehr ausweichen konnte, ist mit dem Kopf gegen den linken Außenspiegel des Transporters gestoßen. Der Radler gerät in ein Schnittgerinne, stürzt dann samt Fahrrad über einen Metallzaun, bleibt bewusstlos liegen. Als er wieder zu sich kommt, klagte er über Nackenschmerzen. Der 56-Jährige zieht sich Prellungen und Schürfwunden zu.

Wegen fahrlässiger Körperverletzung erhielt der Unfallverursacher einen Strafbefehl, sollte 800 Euro, zahlen. Das ist am unteren Rand dessen, was man für eine fahrlässige Körperverletzung verhängen kann. Dennoch geht der Radeburger in Einspruch, aber zu der nun folgenden Verhandlung erscheint er nicht, lässt sich von seinem Anwalt vertreten. Er sei selbstständig, könne es sich nicht leisten, vor Gericht zu erscheinen, weil er zwei Bauberatungen hätte, erklärt der Verteidiger. Richterin Ute Wehner, die zuvor das Erscheinen des Angeklagten angeordnet hatte, verhandelt nun doch ohne ihn. Das ist im Strafbefehlsverfahren möglich, wenn eine entsprechende Vollmacht vorliegt.

War der Radfahrer schuld?

Der Verteidiger will die Schuld auf den Radfahrer schieben. Die Straße sei zwar eng, aber die Gruppe hätte dennoch problemlos passieren können, sagt er und vermutet, dass der geschädigte Radfahrer den Kopf unten hatte. Zudem seien die Radler nicht hinter-, sondern nebeneinander gefahren. Sein Mandant habe einen Mast umfahren müssen, sei deshalb etwas nach links geraten. Fast alle der sieben Radler sind vor Gericht als Zeugen geladen. Und sie sagen übereinstimmend etwas ganz anderes aus, selbst wenn die Wahrnehmungen individuell sehr verschieden sind. In einem sind sie sich aber einig: Der VW-Transporter kam auf ihre Straßenseite, es gab für den ersten Radfahrer kein Ausweichen mehr. „Ich musste schmerzlich erfahren, dass man als Radfahrer das schwächste Glied im Straßenverkehr ist. Wäre ein Lkw statt des Transporters gekommen, stünde ich jetzt nicht mehr hier“, sagt der Geschädigte. Ein 74-jähriger Mitradler hat das Geschehen noch dramatischer in Erinnerung: „Es war ein schrecklicher Unfall. Ich war geschockt, bin froh, dass ich noch lebe“, sagt er. Warum der Transporter auf die andere Fahrbahnseite geriet, scheint nach den Zeugenaussagen auch klar. Der Fahrer war abgelenkt, hatte offensichtlich ein Handy in der Hand. Er habe nicht telefoniert, sondern nur draufgeschaut, hatte er unmittelbar nach dem Unfall gesagt. Die Richterin verurteilt ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 1 200 Euro.