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Bio boomt nicht nur wegen Corona

Regionale Ökoprodukte sind seit dem vergangenen Jahr noch gefragter als zuvor - und Hofläden erleben einen regelrechten Aufschwung.

© Foto: Thorsten Eckert

Die Menschen haben viel Zeit zum Kochen und kaufen dafür gute Lebensmittel. Und wer sein Geld nicht in die Gaststätte schaffen kann, der greift für Bioprodukte gerne mal tiefer ins Portemonnaie. Laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung stieg in den ersten Pandemiemonaten die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln „deutlich stärker“ als der restliche Lebensmittelhandel. Die Kundschaft schätzt das regionale Angebot vor Ort, egal ob in den Hofläden in Weixdorf, Langebrück, Großerkmannsdorf oder in zahlreichen anderen Orten in der Region: Viele sächsische Hofläden können sich in den vergangenen Monaten über gestiegene Umsätze und zahlreiche Neukunden freuen. Corona macht es möglich. Denn statt in Kantinen, Restaurants und Imbissen wird wieder zu Hause gegessen. Nicht zuletzt wegen den umfangreichen Möglichkeiten zum Homeoffice und dem hier und da auch gestiegenen Gesundheitsbewusstsein.

Bewusstsein für gesundes Essen

Ist die Pandemie also der Auslöser, um sich endlich besser zu ernähren? Wer schon länger mit dem Gedanken gespielt hat, sich nachhaltiger zu ernähren, hatte dazu jetzt die Gelegenheit. Nicht zuletzt ist in den vergangenen Jahren das Bewusstsein der Menschen gegenüber Bio-Lebensmitteln angestiegen. Mit jedem Lebensmittel-Skandal werden die Verbraucher kritischer. Und wer im Hofladen kauft, weiß eben am Ende auch, wo die Produkte herkommen. Egal ob es sich um regional erzeugte Produkte wie Kartoffeln, Eier, Obstsäfte, Milchprodukte, Wein, Obst und Gemüse, oder auch Fleisch und Wurstwaren handelt – das gute Gefühl gibt es beim Einkauf gratis obendrauf.

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Bio- und Hofläden für kurze Wege

Kurze Wege machen die Produkte nachhaltiger. Zum Teil wird die regionale Milch auch gleich im Nachbarort weiterverarbeitet, so beispielsweise wird aus der Milch vom Oesehof in Seifersdorf in der Käserei im nahegelegenen Schönborn Käse für den Hofladen. Käse, Milch und Eier werden außerdem rund um die Uhr am Automaten angeboten. Verbraucherfreundlich rund um die Uhr. Und Milchtankstellen gibt es zwar nicht direkt im Stadtgebiet Dresden, aber in den Kreisen Meißen, Freital, Pirna und Bautzen. Wenn die Pandemie irgendwann einmal Geschichte ist, könnten vielleicht auch in den Bio- und Hofläden der Region die Umsätze wieder sinken. Dennoch schaut man zuversichtlich in die Zukunft und hofft, dass sich viele an den Geschmack der gesunden regionalen Produkte gewöhnt haben werden.

Kreativität ist Trumpf

Spontane Reaktionen und kreative Ideen sind gefragt. Händler müssen seit Corona oft schnell reagieren und neue Vertriebswege finden. Oder gleich ganz neue Standbeine erfinden.

Nachdem klar war, dass in Kamenz die Einkaufsnacht im November ausfallen muss, taten sich mehr als 30 Händler zusammen und luden zum Spätshopping an einem Freitagabend bis 22 Uhr und schufen somit für ihre Kunden neue Shoppingmöglichkeiten. Für viele Händler lautete im Frühling des vergangenen Jahres eine Lösung die Einrichtung eines Internet-Shops oder der Verkauf über Plattformen wie amazon oder ebay. Auch bei geschlossenem Werksverkauf konnten den Kunden ihre Wünsche erfüllt werden, wie zum Beispiel bei der Deutschen Kunstblume in Sebnitz.

Aber selbst einen Online-Shop zu etablieren übersteigt oft die Möglichkeiten der meisten kleinen Manufakturen, deshalb können gemeinsame Internetportale eine praktikable Lösung sein. Zusammenhalt wurde bereits im vergangenen Jahr groß geschrieben. So halfen sich die Händler in Döbeln gegenseitig. Dort hatten die Kunden auch im Lockdown die Möglichkeit, vor Ort zu kaufen. Sogar Ware aus geschlossenen Läden. Im geöffneten Tabak- und Spirituosengeschäft, das als Anbieter von Zeitungen und Lotto-Annahmestelle offen sein durfte, konnten auch Gutscheine für die Stadtparfümerie und ein Modegeschäft sowie ein Kosmetik- und Wellness Studios erworben werden. Im Bioladen gab es nicht nur Getränke, sondern auch Bücher und Weihnachtskarten aus einem benachbarten Geschäft.

In Görlitz gab es im vergangenen Frühjahr gar „Klopapier-Kekse“, nicht aus Papier, sondern aus Mürbeteig bei Goethe-Back. Rund 800 Stück der ungewöhnlichen Kekse gingen bei Diana Davis über die Ladentheke. Und das süße Klopapier diente einem guten Zweck. Der Erlös von mehr als 1800 Euro ging an den Tierpark in Görlitz. Händler mit kreativen Ideen gibt es also viele in Sachsen - und oft helfen ungewöhnliche Ansätze nicht nur dabei, neue Kunden zu gewinnen, sondern erhöhen auch den Bekanntheitsgrad der Anbieter weit über die Heimatregion hinaus.

Ideen für den Handel

„Nicht nur klicken, auch anfassen!“ Unter diesem Motto starteten 2020 die Handelsverbände eine Kampagne, die das Einkaufserlebnis als sinnliche Erfahrung inszenieren soll. Ziel ist es, über die Gemeinschaftsinitiative „Anfassbar gut“ die Städte zu beleben und den durch die Corona-Pandemie stark in Mitleidenschaft gezogenen lokalen Einzelhandel somit zu unterstützen. Einen kuscheligen Pullover anfassen, an Parfüm oder Blumen riechen, die neue Lieblingsplatte im Plattenladen hören, mit der Familie durch liebevoll gestaltete Läden stöbern und dabei durch die neue Sonnenbrille sehen, lokales Einkaufen spricht alle Sinne an und genau das macht es zu einem emotionalen Erlebnis. Das gilt auch nach den jetzigen Schließungen der Geschäfte. Hier kann man seinen Lieblingsladen nominieren: www.anfassbargut.com/nichtnurklicken.

Zahlreiche Initiativen sollen seit vergangenem Jahr den lokalen Handel stützen, bekannter machen und damit auch neue Absatzwege erschließen. Bei den www.lokalhelden-sachsen.de können sachsenweit Restaurants gesucht und mit einer Essensbestellung unterstützt werden, für das Stadtgebiet Dresden gibt es lecker-dresden.de. Für die Dresdner Neustadt gibt es eine Übersicht von Dienstleistern, Gastronomie und Handel unter neustadt-bringts.de. Die Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Dresden hatte zum Weihnachtseinkauf die Kampagne „Maximal Lokal“ gestartet und zum Geschenkekauf in den teilnehmenden Geschäften aufgerufen.

Unter www.dresden-lieblingsort.de gibt es Gutscheine für Gastro, Handel und Kultur, initiiert vom City Management Dresden e. V., regionale Anbieter präsentieren ihre Produkte auch auf www.ddv-lokal.de. Eine umfangreiche Übersicht über heimische Lebensmittel und Gartenbauerzeugnisse ist im Verbraucherportal unter www.regionales.sachsen.de zu finden: Vom Bäcker über den Imker und Winzer bis hin zum landwirtschaftlichen Hofladen.

Sellerie statt Sitzplatz

„Wir könnten uns grün ärgern, machen wir aber nicht. Wir werden lieber kurzerhand ein Pop-Up Gemüseladen.“ So kurz und knapp stand es auf der Internetseite von Sproutfood in der Rothenburger Straße 12 in der Dresdner Neustadt. Der Lebensmittelhandel boomt – Homeoffice und Corona taten ein Übriges.

„Wir wollten unserem Kiez während des Lockdowns helfen, gesunde Lebensmittel zu beziehen“, sagt Luise Koenitz, Geschäftsführerin der Sprout Food GmbH. Außerdem sei es doch schließlich gut, neben den überfüllten Supermärkten eine weitere Möglichkeit zu haben, um sicher einzukaufen. Also ging es Mitte Dezember spontan und schnell los. Denn mit schmackhaftem Bio-Gemüse kennen sich Koenitz und ihre Mitstreiter im Restaurant aus. „Mit dem Auenhof in Ostrau bei Döbeln haben wir eine positive und tolle Partnerschaft.“ Es sei nämlich gar nicht so leicht gewesen, zur Eröffnung des Restaurants einen Lieferanten in Bioqualität inklusive der benötigten Logistik zu finden. Nach langer Suche wurde es der Auenhof.

„Die Themen Gesundheit, Ernährung und Regionalität boomten auch vor Corona schon.“ Aus der Nische wurde „State oft the Art“. Das sei mit Sicherheit ein guter Trend. Zusätzlich steht in der Neustadt das Miteinander mehr im Mittelpunkt. „Man hilft sich gegenseitig.“ Als Anbieter von saisonaler, vollwertiger und vegetarischer Küche gibt es Speisen zum Mitnehmen im Sprout. „Unsere Gäste nutzen dieses Angebot natürlich gerne. Und nehmen dann ganz praktisch noch Obst und Gemüse für Zuhause mit.“ Die Bilanz seit Mitte Dezember ist bisher durchweg positiv. „Wichtig ist es vor allem, nicht still zu stehen“, so Koenitz.

Allerdings soll der Obst- und Gemüseverkauf nur auf den Corona-Lockdown beschränkt bleiben. „Denn wir freuen uns schon, wenn wir irgendwann wieder Gäste empfangen und bewirten dürfen.“ Im Moment bleibt erstmal nur die Abholung. Bei telefonischer Vorbestellung geht es übrigens schneller. Das gilt nicht nur für die zubereiteten Speisen, sondern auch für das gesunde Grünzeug. Wer telefonisch oder per Mail bis 11 Uhr vorbestellt, kann seine Gemüsekiste am nächsten Tag fertig gepackt abholen.

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