merken

Birkenstock bekommt Betriebsrat

Etwa ein Jahr haben Gewerkschaft und Mitarbeiter daran gearbeitet – und sind nun Vorbild auch für die Görlitzer Kollegen.

© Matthias Weber

Von Anja Beutler

Görlitz. Die Beschäftigten des Bernstädter Birkenstock-Werkes werden nach Ostern einen Betriebsrat wählen. Den ersten wichtigen Schritt dazu haben sie getan: Am vergangenen Mittwoch haben trotz Dreischichtbetrieb knapp 230 der etwa 500 Beschäftigten einen Wahlvorstand gewählt, der nun alles Nötige vorbereiten wird. Uwe Garbe von der IG Metall, zu der die Schuhindustrie traditionell gehört, ist zufrieden: „Unter den sechs Wahlvorstandsmitgliedern ist auch ein polnischer Kollege“, betont er. Ein wichtiges Zeichen, arbeiten doch bei Birkenstock in nicht unerheblichem Maße polnische Angestellte. Um auch sie mit im Boot zu haben, hatte die Gewerkschaft Treffen mit Dolmetschern organisiert und Flyer übersetzt.

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Was? Ein Suzuki? Klar, ist cool!

Viel Esprit und frischer Charme - deshalb ist das Energiebündel Suzuki Swift so beliebt.

Uwe Garbe hat als Gewerkschafter der IG Metall den Weg des Bernstädter Birkenstock- Werkes von Anfang an intensiv begleitet. © Susanne Sodan

Etwa ein Jahr hat es gedauert, um den Weg zu mehr Mitbestimmung zu ebnen – im Frühjahr 2017 war die Forderung der Angestellten erstmals auch in der SZ und dem MDR laut geworden. Die Zusammenarbeit mit der Birkenstock-Betriebsleitung war anfangs nicht ganz unproblematisch. „Inzwischen funktioniert es, der Bernstädter Betriebsleiter war bei der Betriebsversammlung zur Wahl dabei und wir durften die Räume im Unternehmen für die Versammlungen nutzen“, sagt Uwe Garbe.

Birkenstock-Produktionsleiter Sean Harris bestätigt ein entspanntes Verhältnis beider Seiten. Man habe zwar in den letzten Monaten in Bernstadt fast keinen Kontakt mit der IG Metall gehabt. Grundsätzlich arbeite Birkenstock aber an allen Standorten mit den Arbeitnehmern und ihren Interessenvertretern erfolgreich zusammen. „Die Betriebsversammlung zur Wahl des Wahlvorstands haben wir als Geschäftsführung konstruktiv begleitet. Das ist für uns eine Selbstverständlichkeit“, schildert Harris seine Sicht der Lage.

Die nächsten Etappen bis zum Betriebsrat sind nun klar: Der Wahlvorstand benötigt von der Unternehmensleitung zunächst die genaue Zahl der Mitarbeiter. „Wir rechnen damit, dass es mindestens ein elfköpfiger Betriebsrat wird“, erklärt der Gewerkschafter. Bevor es ernst wird, erhalten die Mitglieder des Wahlvorstandes die nötigen Schulungen, zudem wird es einen offiziellen Aufruf zur Kandidatur geben. Da bei all den Schritten auch immer Fristen einzuhalten sind, rechnet Garbe ohnehin nicht vor April damit, dass es tatsächlich Wahlen geben kann.

Dass sich nun – gewissermaßen mit Rückenwind der Bernstädter Kollegen – auch im Görlitzer Birkenstock-Werk mehr tun wird, hofft Gewerkschafter Garbe durchaus. „Der Standort ist allerdings fast doppelt so groß“, skizziert er die Lage. Auch hier gebe es bereits Kontakte zwischen Mitarbeitern und Gewerkschaft und auch Signale, dass ein Betriebsrat gewünscht werde. „Wir merken das generell daran, dass Birkenstockmitarbeiter verstärkt in unsere Gewerkschaft eintreten“, sagt Garbe. Konkrete Zahlen kann er auf Nachfrage allerdings nicht nennen. Die Vorgänge in Bernstadt beobachte man in Görlitz aber mit großem Interesse, bestätigt er. Die Frage nach einem Betriebsrat in Görlitz stellt sich in den Augen von Sean Harris derzeit noch nicht. Im Fall des Falles werde man aber auch dort diesen Prozess konstruktiv begleiten, sagt er.

Die Gründe, warum den Birkenstock-Mitarbeitern das Thema Mitbestimmung auf den Nägeln brennt, rühren aus den Veränderungen, die das Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren durchlaufen hat. Die Birkenstock Group hat sich grundlegend neu aufgestellt. Die Arbeitsorganisation veränderte sich. Um effizienter zu sein, entstanden in den Hallen Produktionsstrecken, bei denen wie am Fließband gearbeitet werde, beschreiben Mitarbeiter. Auch der Lärmpegel sei teilweise deutlich höher als zuvor, was viele als sehr unangenehm empfinden. Mitreden wollen die Mitarbeiter auch bei der Einteilung zu Schichten und Wochenendarbeit, die derzeit oft kurzfristig angekündigt werde, sagt Produktionsmitarbeiterin Tina Wählt, die im Wahlvorstand dabei ist. Generell, so schätzt es Uwe Garbe ein, seien viele Rahmenbedingungen wie Verdienstmöglichkeiten oder Urlaubstage gar nicht so das Kernproblem: „Es geht um Wertschätzung“, sagt er.

Produktionsleiter Harris selbst schätzt zwar das Betriebsklima im Unternehmen gegenüber der SZ als gut ein: „Die große Mehrheit der Belegschaft trägt unseren Kurs voll und ganz mit.“ Immerhin habe sich das Werk in Bernstadt mit großem Tempo und erheblichen Investitionen zu einem zukunftsträchtigen Produktionszentrum und einer tragenden Säule der Produktionssparte der Birkenstock Group gewandelt. „Klar ist aber auch: Ganz ohne Anlaufschwierigkeiten läuft so ein Prozess nicht ab. Das wissen wir und dem begegnen wir mit offener Kommunikation“, sagt der Produktionsleiter.

Osterüberraschung