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Birkenstock-Mitarbeiter reden jetzt mit

Der größte Produktionsbetrieb im Süden des Landkreis Görlitz hat einen Betriebsrat. Dem Beispiel aus Bernstadt könnten die Görlitzer folgen – mit allen Besonderheiten.

© Archivfoto: Weber

Von Anja Beutler

Bernstadt. Das ist mal eine Hausnummer: 84 Prozent der wahlberechtigten Birkenstockmitarbeiter haben zum ersten Mal einen Betriebsrat gewählt. Uwe Garbe von der Gewerkschaft IG Metall ist dementsprechend zufrieden. Zwei Jahre lang haben er und seine Kollegen in Bernstadt immer wieder Anlauf genommen, damit in diesem großen und international bekannten Unternehmen eine Mitarbeitervertretung eingerichtet wird. Nun ist dieser Schritt gelungen, findet Garbe: „Die Wahlbeteiligung zeigt, wie wichtig es den Mitarbeitern ist, künftig mitzubestimmen.“

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Was Garbe bei alledem besonders freut, ist die Tatsache, dass sich auch die polnischen Mitarbeiter beteiligt haben und einer von ihnen dem elfköpfigen Betriebsrat angehört. Immerhin liegt der Anteil der Arbeiter aus dem Nachbarland bei rund einem Drittel in Bernstadt. „Deshalb war es uns sehr wichtig, dass die polnischen Kollegen mitziehen, denn sie sind keine Beschäftigte zweiter Klasse“, betont Gewerkschafter Garbe. Dass sich im Zuge der Wahlvorbereitungen dabei zwischen Deutschen und Polen einiges an Chemie verbessert hat, habe er persönlich wahrgenommen: „Die polnischen Kollegen haben sicherlich andere Probleme als die deutschen, dafür hat sich Verständnis entwickelt.“ Ohnehin sei ein so hoher Anteil ausländischer Mitarbeiter in einem mit 580 Beschäftigten sehr großen Betrieb für die Region etwas Besonderes, betont Garbe. In Görlitz, im zweiten großen Birkenstockwerk der Oberlausitz, gebe es eine ähnliche Konstellation – aber noch keinen Betriebsrat. Die Görlitzer schauten sehr genau auf Bernstadt und bei den ersten Aktionen und Treffen in Görlitz gab es viel Interesse. Wenn es die Mitarbeiter wirklich wollten, sei auch hier ein Betriebsrat möglich.

Die Chemie hat sich aber nicht nur zwischen den Mitarbeitergruppen verbessert, sondern auch mit der Geschäftsführung. Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe man Räume und Möglichkeiten für die Wahl und deren Vorbereitung erhalten, die Betriebsleitung zeigte sich kooperativ. „Wir werden sehen, wie sich das verhält, wenn die ersten Sachthemen zur Debatte stehen“, sagt Garbe, der hofft, dass sich der lockere, sachorientierte Ton fortführen lässt. Betriebsräte in den Werken zu haben, ist die Birkenstock-Group aus westdeutschen Werken seit Jahren gewöhnt. Auch da hat die IG Metall – die traditionell die Bekleidungs- und damit auch die Schuhindustrie – vertritt, eine starke Stimme.