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Bis aufs Blut

Zwei Meißner Unternehmen treten im Blutspenden gegeneinander an. Sie möchten damit ein Zeichen setzen.

© Claudia Hübschmann

Von Stephan Hönigschmid

Meißen. Ein Auto kommt von der Fahrbahn ab und landet mit voller Wucht mitten in der Prärie. Blutüberströmt liegt eine junge Frau von gerade einmal 20 Jahren im Fahrzeug und kämpft um ihr Leben. Glücklicherweise ist der Rettungswagen schnell zur Stelle, so dass sie sich bereits kurze Zeit später im Krankenhaus befindet. Dank Notoperation und zahlreichen Bluttransfusionen können die Ärzte ihr Leben retten.

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Obwohl es sich bei dem Fall um ein fiktives Beispiel handelt, zeigt er doch eines deutlich auf: Blutspenden ist kein abstraktes Thema. Jeder kann in eine Situation geraten, in der er oder sie dringend darauf angewiesen ist. Allerdings ist die Erkenntnis das eine und die Umsetzung das andere.

Gerade im Alltag fehlen vielen Menschen Zeit, Lust und Muße, um tatsächlich zur Tat zu schreiten. Auch der Personalreferentin des Unternehmens Photon Meissener Technologies GmbH, Heike Hamann, ist dieser Missstand nicht verborgen geblieben. Weil ihr das Blutspenden aber trotzdem am Herzen liegt, hatte sie vor einiger Zeit eine Idee.

„Wir wollten gern etwas Gutes tun. Deshalb hat sich Frau Hamann an das DRK gewandt und gefragt, ob wir in unserem Unternehmen eine Blutspendeaktion durchführen könnten“, sagt Photon-Geschäftsführer Michael Brandhorst.

Da für ein derartiges Projekt mindestens 40 Spender notwendig sind, damit es sich lohnt, fragt Hamann kurzerhand bei der benachbarten Kabelwerk Meißen Wilhelm Balzer GmbH nach und rennt dort ebenfalls offene Türen ein. Um die Spannung ein wenig zu erhöhen, überlegen sich die Firmen zudem, dass es doch interessant wäre, die Aktion als Wettkampf zu gestalten: Wer spendet mehr Blut?

Gesagt, getan. Nach Monaten der Vorbereitung geht die Aktion am Montag ab 12 Uhr über die Bühne. In einem Konferenzraum von Photon stehen nun auf einmal mehrere Kranken-Liegen, Plasteschläuche- und Beutel sowie jede Menge Laborzubehör. Als eine der ersten Spenderinnen schreitet Photon-Mitarbeiterin Gudrun Tanneberger zur Tat. „Ich gehe sonst regelmäßig bei Haema Blut spenden, finde es aber schön, heute bei der Arbeit Gelegenheit dazu zu haben. Da spare ich mir gleich einen Weg“, sagt die 58-Jährige. Aufgrund ihrer Blutspende-Routine hat sich die Montiererin auch gleich entsprechend präpariert. „Im Zuge der Vorbereitung habe ich heute schon zwei Liter Wasser getrunken“, so Tanneberger, die jedes Jahr viermal Blut spendet und damit die für Frauen empfohlene Maximalzahl voll ausschöpft.

Während dieser Vorgang für die 58-Jährige nichts Ungewöhnliches ist, stellt das Abzapfen des wichtigen Lebenssaftes sowohl für Photon-Geschäftsführer Michael Brandhorst als auch für den Chef der Kabelwerke Lars Balzer eine Premiere dar.

„Meine Frau macht es regelmäßig, konnte mich aber bisher nicht überreden. Da es heute in der Firma stattfindet, beteilige ich mich aber natürlich“, so der Geschäftsführer, der sich darüber freut, dass sich so viele seiner 85 Mitarbeiter freiwillig angemeldet haben.

Bevor es losgeht, müssen alle zunächst einen Fragebogen ausfüllen, um Vorerkrankungen abzuklären, sich an einem Laborstand den Hämoglobinwert bestimmen lassen und anschließend noch kurz einen Arzt besuchen. Erst dann darf das Blut entnommen werden. Zusätzlich werden außerdem noch 500 Milliliter-Laborproben abgefüllt, die später auf Geschlechtskrankheiten oder Hepatitis getestet werden.

Wer will, kann auch noch eine Probe abgeben, um sich als Stammzellspender typisieren zu lassen. So sucht das DRK momentan einen Stammzellspender für einen Leukämiekranken 36-jährigen Meißner.

Nach Angaben des DRK ist die Versorgung mit Blutspenden gegenwärtig stabil, allerdings sind in Sachsen nur drei Prozent der Bevölkerung bereit dazu. Möglich wären 33 Prozent. „In Meißen lag die Anzahl der Blutspenden in den vergangenen Jahren bei knapp 4 000 pro Jahr“, sagt die Sprecherin des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost, Kerstin Schweiger. Es würden immer wieder neue Spender benötigt, weil beispielsweise Blutkonserven gerade einmal 32 bis 35 Tage haltbar sind, so Schweiger, die zudem betonte, dass der Wettbewerb zweier Firmen zwar selten, aber eine prima Idee sei, um Spender zu gewinnen.

Nach etwa vier Stunden eifrigen Blutspendens siegt schließlich die Photon GmbH mit 33 Spendern. Von den 180 Mitarbeitern der Kabelwerke haben 23 gespendet.