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Freital

"Fußball allein funktioniert nicht“

Jörg Schneider, Chef des Hainsberger SV, über den Zusammenschluss von drei Freitaler Sportvereinen – und Kritik daran.

Jörg Schneider ist Präsident des Hainsberger SV. Der Mehrspartenverein mit rund 1 000 Mitgliedern ist der größte von drei Klubs, die 2020 in Freital zum größten Sportverein im Landkreis fusionieren könnten. © Karl-Ludwig Oberthür

Gut möglich, dass Freital bald den größten Sportverein im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge stellt. Hainsberger SV, FV Blau-Weiß Stahl und SG Motor Freital könnten zum Großverein mit rund 1 500 Mitgliedern verschmelzen. 

Die Vorstände der Klubs wurden bei Mitgliederabstimmungen beauftragt, die Fusion vorzubereiten. Über den Zeitplan, künftige Sportstätten und Kritik spricht Jörg Schneider, Präsident vom Hainsberger SV, dem größten der möglichen Fusionspartner. Mit den beiden anderen Vereinschefs hatte sich der 60-jährige Freitaler vorher dazu abgestimmt.

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Herr Schneider, was halten Sie vom Namen „Freitaler SV“? Das war der Favorit bei einer Auswahl möglicher Namen für den Freitaler Großverein in einer SZ-Umfrage zur Fusion.

Da gab es einige interessante Ideen. Einen Favoriten habe ich nicht. Viele Möglichkeiten gibt es aber nicht. Denn der neue Name sollte eher kurz sein. Bei den Mitgliederversammlungen der drei Vereine im September wollen die Vorstände Namensvorschläge zur Abstimmung vorlegen. Wir sind offen für Ideen. Ein eigener Wettbewerb dafür ist jedoch nicht vorgesehen.

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Der Plan, aus drei Freitaler Großvereinen einen zu machen, findet Unterstützung. Auch beim Namen gibt es einen Favoriten. Das Ergebnis der SZ-Umfrage:

Worüber stimmen die Mitglieder der drei Vereine im September noch ab?

Vor allem soll eine Grundsatzentscheidung getroffen werden. Soll die Verschmelzung bis 1. Juli 2020 kommen oder nicht? Dazu ist jeweils eine Dreiviertelmehrheit der anwesenden Mitglieder erforderlich. Zugleich würde die Verschmelzung der Vereine beschlossen. Entwürfe zu Strukturen, Statuten und zum Beispiel auch Vereinsfarben und das Wappen werden vorgestellt und sollen zur ersten gemeinsamen Mitgliederversammlung entschieden werden.

Die Mitglieder der Klubs hatten im März bei drei zeitgleichen Treffen ihre Vorstände mit einem klaren Votum beauftragt, die Vereinsfusion vorzubereiten. Allerdings gab es auch Kritik …

Wenn man etwas Neues schafft, muss man etwas Altes aufgeben. Der Zuspruch in allen drei Vereinen insgesamt ist groß. Auch die Sponsoren haben sich alle positiv dazu geäußert. Bedenken, die es gibt, nehmen wir ernst und wollen sie mit Argumenten ausräumen. Wichtig ist, dass die Mitglieder der drei potenziellen Partner auf dem Laufenden gehalten werden.

Aber was ist mit Traditionen, der Identifikation von Fans und Mitgliedern mit ihrem Verein? Das ginge verloren, oder?

Die Traditionen sollen auch im neuen Verein ihren Platz finden, das ist wichtig. Gerade unsere Historie hat aber gezeigt, dass Fusionen möglich sind. Zusammenschlüsse gab es doch immer wieder in Freital. Fakt ist, keiner der Vereine vermag es bisher, trotz aller Anstrengungen, seine Stärken entscheidend umzusetzen. Vor allem mit personellen Problemen bei Übungsleitern, Organisation et cetera haben alle drei Klubs zu kämpfen. Mit einer Bündelung der vorhandenen Kräfte könnte man auch dem personellen Mangel entgegenwirken.

Mit dem neuen Großverein soll mindestens ein hauptamtlicher Mitarbeiter angestellt werden. Kann einer allein die angesprochenen Probleme lösen?

Klar braucht so eine neue Geschäftsstelle noch Zuarbeiten aus den Abteilungen. Hier würde dann aber alles zusammenlaufen. Hier würden Förderanträge gestellt, Hallenzeiten beantragt, Mitgliederanliegen bearbeitet. Er oder sie wäre ein fester Ansprechpartner für alle. Jetzt kommt es vor, dass zum Beispiel zu viele der täglichen Anfragen unbeantwortet bleiben, weil unseren ehrenamtlichen Verantwortlichen einfach Zeit fehlt. Wichtig ist, dass die ehrenamtlichen Abteilungs- und Übungsleiter entlastet werden, damit sie sich auf den Sport und das Training konzentrieren können. Die nicht fachsportspezifische Arbeit würde die neue Geschäftsstelle erledigen. Das funktioniert jedoch nur bei einer bestimmten Vereinsgröße.

Wie wird die künftige Geschäftsstelle finanziert?

Bisher ist es in den drei Vereinen so: Ein Teil der Mitgliederbeiträge geht an den Verein, ein zweiter fließt in die jeweilige Abteilung. Mit dem allgemeinen Sockelbeitrag würde dann zum Beispiel auch die Geschäftsstelle finanziert werden. Und da macht es natürlich einen Unterschied, ob ein Verein 250 oder 1 500 Mitglieder hat.

Werden die Kosten so einer Fusion auf die Mitglieder abgewälzt?

Nein. Das ist nicht geplant.

Fusionskritiker befürchten, dass der Fußball den neuen Verein dominiert. Warum fusionieren nicht nur die Fußballabteilungen der drei Klubs?

Weil Fußball alleine nicht funktioniert. Der neue Klub soll ein Mehrspartenverein sein. Das ist sehr wichtig, schon wegen der angestrebten notwendigen Größe. Der Zusammenschluss soll dazu führen, dass künftig mehr und bessere Sportangebote gemacht werden. Außerdem wollen wir Talente fördern, die Nachwuchsarbeit insgesamt verbessern – im Fußball, aber eben nicht nur dort. Wir wollen vor allem über den Nachwuchs wachsen – in mehreren Sportarten.

Werden andere Abteilungen im Großverein den Fußball und die womöglich ambitionierten Ziele mitfinanzieren?

Sicher kommt es vor, dass Abteilungen andere unterstützen. Das ist Sinn eines gemeinnützigen Vereins. Etwas reichere Abteilungen, das kann auch Fußball sein, unterstützen über einen gewissen Zeitraum andere Abteilungen. Wir wollen dann aber sehen, dass diese Abteilungen aktiv versuchen, wieder auf die Beine zu kommen.

Der neue Freitaler Verein soll auch ein Nachwuchsleistungszentrum werden. Gerade im Fußball gibt es diesbezüglich Bedenken, dass bisherige Teams aufgelöst werden. Wird das nicht-leistungsorientierte Angebot schrumpfen?

Mit einer Fusion werden die Kader größer, der Wettbewerb auch. Wir wollen professionelle Strukturen und eine solide Basis schaffen, um hier etwas zu entwickeln. Unabhängig davon soll es im Kinderbereich definitiv Angebote für Freizeitteams geben, die einfach nur kicken wollen.

Das Stadion des Friedens soll das neue Zentrum des Großvereins werden. Sind Baumaßnahmen geplant, um die angesprochenen Ziele umzusetzen?

Erste technischen Erweiterungen müssen binnen drei Jahren erfolgen, sonst könnten wir der erhoffte Effekt nicht erreichen. Das betrifft die künftigen Räume der Geschäftsstelle. Auch müssen Umkleide- und Lagermöglichkeiten verbessert werden. Genauso wie das dortige Angebot für den Schulsport. Die Bogensportanlage wird dieses Jahr bereits erneuert. Die Leichtathleten der SG Motor, die im Stadion trainieren, sind eingebunden bei Gesprächen zu den möglichen künftigen Umbauarbeiten.

Wird der neue Verein auch Pächter des Stadions? Und was wird aus den Anlagen von Hainsberger SV und Stahl?

Motor ist Pächter beim Kreissportbund, der das Stadion bei der Stadt Freital gepachtet hat. Der neue Verein wird quasi den Vertrag bei der Stadt übernehmen. Die Pachtverträge von Hainsberg und Stahl würden vom neuen Verein als Rechtsnachfolger übernommen. Die Verträge laufen also weiter. Fragen wie diese werden derzeit mit einem Anwalt geklärt, der sich mit Vereinsfusionen beschäftigt. Das können wir alleine nicht stemmen. Es ist noch viel zu tun bis zum Herbst. Und, auch wenn schon ein weiterer Verein angefragt hat, den ich hier nicht nennen mag, wollen wir erst mal nur eine Fusion mit drei Vereinen anschieben.

Das Gespräch führte Stephan Klingbeil.

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