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Bischöfin der Herzen

Ob als Predigerin oder Buchautorin, die evangelische Theologin Margot Käßmann hat stets Massen mobilisiert. Jetzt wird sie 60.

© dpa

Von Michael Evers

Die zierliche Frau mit dem markanten Kurzhaarschnitt lässt einfach nicht locker: Unermüdlich wirbt Margot Käßmann für den Glauben und spricht dabei aus persönlicher Überzeugung statt in theologischen Floskeln. Damit erreicht sie ein breites Publikum abseits der Kirchenbänke, das ist ein Grund für ihre anhaltende Popularität. Am Sonntag wird Deutschlands wohl bekannteste Theologin 60 Jahre alt. Nur vier Wochen später wird die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Hannovers Ex-Bischöfin in den Ruhestand verabschiedet.

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Nach der spektakulären Wahl der vierfachen Mutter zur jüngsten deutschen Bischöfin 1999 avanciert die mediengewandte und charmante Käßmann schnell zu einem Aushängeschild der evangelischen Kirche. Sie wolle eine fröhliche, lebensnahe Kirche, „die sich auch einmischt in die Fragen dieser Zeit“, sagt sie. Als Person verbirgt sie sich nicht hinter ihrem Amt. Auch schwere Krisen wie eine Krebserkrankung und ihre Ehescheidung versteckt sie nicht, eine Zeitschrift bestimmt sie zur „Frau des Jahres 2006“. 2009 steigt die Theologin mit einem gewissen Hang zur Selbstdarstellung zur EKD-Chefin auf. Kritik erntet sie für ihre Einschätzung: „Nichts ist gut in Afghanistan.“ Dann der tiefe Fall: Im Februar 2010 wird Käßmann nach dem Überfahren einer roten Ampel in ihrem Dienstwagen gestoppt, sie ist angetrunken. Um Glaubwürdigkeit und moralischen Anspruch zu wahren, tritt Käßmann als Bischöfin und EKD-Chefin zurück, nimmt sich eine Auszeit. 2012 kehrt Käßmann dann als Botschafterin der EKD für das 500-jährige Reformationsjubiläum zurück.

Nun nutzt die Theologin die Möglichkeit des niedersächsischen Beamtenrechts, ab dem 60. Geburtstag mit Abzügen in Pension zu gehen. Mehr Ruhe zum Lesen und Schreiben erhofft sie sich vom Ruhestand, wie sie vor Monaten sagte, und vor allem mehr Zeit für ihre Enkelkinder. (dpa)