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Bischofswerda

Neues Projekt hilft Menschen mit Handicap

Von Stufen bis zur fehlenden Blindenschrift - für Behinderte gibt es im Alltag viele Barrieren. In Bischofswerda und Umgebung will ein Netzwerk sie beseitigen.

Menschen mit Handicap treffen auf viele Hindernisse. Ein neues Projekt in Bischofswerda und Umgebung will die Situation verbessern.
Menschen mit Handicap treffen auf viele Hindernisse. Ein neues Projekt in Bischofswerda und Umgebung will die Situation verbessern. © Symbolfoto: SZ-Archiv/Jürgen Lösel

Bischofswerda. Ein neues Projekt soll in Bischofswerda und Umgebung dafür sorgen, dass Menschen mit Behinderungen besser im Alltag integriert werden. Noch gibt es für Menschen mit Handicap viele Barrieren, sagt Maria Borowski, die das Pilotprojekt „Bischofswerda Inklusiv ­­­– ein Netzwerk ohne Barrieren“ koordiniert.

Die größten Hürden seien aber nicht fehlende Stufen, hohe Bordsteinkanten, nicht existierende Blindenschrift oder eine schwer verständliche Sprache. Eine weitaus größere Barriere für eine uneingeschränkte Teilhabe am öffentlichen Leben seien Vorurteile. In der Gesellschaft würden Behinderungen oft als Makel wahrgenommen.

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Wichtig wäre hingegen, jeden Menschen so zu akzeptieren, wie er ist, und zu erkennen, dass es körperliche, geistige und seelische Vielfalt gibt. Außerdem gehe es darum zu überlegen, was getan werden muss, damit sich alle Menschen in der Gesellschaft willkommen fühlen und genau die Rahmenbedingungen vorfinden, die sie brauchen, um in allen Lebensbereichen selbstbestimmt leben, entscheiden und handeln zu können.

Mitarbeiter gesucht

Genau dort will das Pilotprojekt ansetzen. Das Gemeinschaftsprojekt von der "Aktion Mensch" und dem Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter Sachsen (LSKS), welches es seit gut einem Vierteljahr in Bischofswerda gibt, „soll zu mehr Teilhabe und Inklusion von Menschen mit Behinderung im ländlichen Raum beitragen“, erklärt die 30-Jährige. Aktuell suche man noch einen Projektmitarbeiter, der vor Ort als Ansprechpartner fungiert. 

Der Projektradius erstreckt sich von Bischofswerda bis zu den Gemeinden Burkau, Demitz-Thumitz, Frankenthal, Göda, Großharthau und Rammenau. In dieser Region gebe es sichtbare Defizite in der Barrierefreiheit und nur eine geringe Anzahl inklusiver Angebote, so Maria Borowski. Zudem kennen sich viele Menschen mit Inklusion nicht so gut aus. Sie merken also gar nicht, wo es überall Hindernisse gibt. Das soll sich ändern.  

Zu tun gebe es genug. Denn „Menschen mit Behinderungen wollen genauso leben wie nichtbehinderte Menschen auch. Sie möchten mobil sein und ihren Alltag ohne fremde Hilfe meistern können“, so die Projektkoordinatorin. Und sie haben ein Recht darauf. So steht es in der UN-Behindertenrechtskonvention, die auch Deutschland unterzeichnet hat. Doch mit der Unterschrift allein sei es nicht getan. „Da ist auch die Zivilgesellschaft gefragt.“ 

Stadtrundgang geplant

Es muss überlegt werden, was es braucht, um das Miteinander von Menschen mit und ohne Einschränkungen zu verbessern. Fehlen vielleicht Gebärdendolmetscher bei Veranstaltungen, barrierefreie Bahnhöfe, Blindenschrift in öffentlichen Gebäuden oder Internetseiten, die für alle zugänglich sind? Denn Inklusion hört nicht damit auf, Bordsteine abzusenken. Inklusion ist ein breites Feld. Sie umfasse Menschen, die im Rollstuhl sitzen genauso, wie Menschen mit einer Seh- oder Hörbeeinträchtigung oder Menschen, die geistige, psychische oder kognitive Beeinträchtigungen haben. 

Zunächst soll ein lokales Netzwerk aufgebaut werden, das Betroffene, Vereine, Verbände und kommunale Entscheidungsträger an einen Tisch bringt. Gemeinsam gelte es zu schauen, welchen konkreten Bedarf Betroffene in den Bereichen Wohnen, Bildung, Arbeit und Freizeit haben, und dann Lösungen zu entwickeln.

Dazu sei es nötig, den Blickwinkel zu verändern. Denn die meisten Menschen merken gar nicht, wo es überall Hindernisse gibt, so Maria Borowski. Deshalb soll es zum Beispiel einen Stadtrundgang geben, der aufzeigt, wo man auf Barrieren stößt. Denkbar wäre auch, mit einem sogenannten Alterssimulationsanzug erlebbar zu machen, wie es sich anfühlt, wenn man nicht mehr gut sehen, hören oder gehen kann.  

Barrierefrei gestalten

All das soll aber nicht mit erhobenem Zeigefinger passieren, sondern vor allem durch Moderation. „Wir haben Gelder und Möglichkeiten, um Leute zusammenzubringen“, sagt die Projektkoordinatorin. Man könne auch Schulungen und Weiterbildungen anbieten. Zum Beispiel für Architekten. Denn es wäre ein Leichtes, beispielsweise bei Planungen darauf zu achten, dass das Erdgeschoss immer barrierefrei gestaltet wird. Das ist nicht nur für Rollstuhlfahrer wichtig, sondern beispielsweise auch für Eltern mit Kinderwagen oder Senioren, die mit Rollatoren unterwegs sind.

Viele Ausgrenzungen würden aus Unachtsamkeit und Unwissenheit passieren, weiß Maria Borowski. Manche Ausschlüsse geschehen aber auch bewusst. Die Ursachen liegen dann häufig im System, wo es wie zum Beispiel im Schulsystem oder auf dem Arbeitsmarkt oft noch starre Strukturen gebe. „Aber auch die wollen wir aufbrechen.“

Das Projekt ist offen für alle. Die Kontaktaufnahme für Interessenten und potenzielle Mitstreiter ist möglich über Facebook und per E-Mail: [email protected]

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