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Das tut sich in Bischofswerdas altem Postamt

Die Schalterhalle in dem über 120 Jahre alten Gebäude steht schon lange leer. Bald sollen dort Handwerker das richtige Werkzeug finden.

Von Miriam Schönbach
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Das alte Postamt in Bischofswerda empfängt schon lange keine Besucher mehr. Doch nun zieht neues Leben ein.
Das alte Postamt in Bischofswerda empfängt schon lange keine Besucher mehr. Doch nun zieht neues Leben ein. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Der letzte Brief ging vor 18 Jahren über den Schalter in der alten Post in Bischofswerda. Danach blieb das markante Backsteingebäude an der Bahnhofstraße für den Kundenverkehr geschlossen. Lediglich als Zustellstützpunkt nutzte die Deutsche Post das Haus noch, bis auch diese Schilder abgeschraubt wurden.

Doch nun soll neues Leben in den Klinkerbau einziehen. Die Meesenburg-Gruppe plant dort den Aufbau eines Fachmarktes rund um die Montage von Türen. „Nach der Schlüsselübergabe in dieser Woche sind wir guter Dinge, dass wir spätestens im Mai eröffnen werden“, sagt Regionalverkaufsleiter Thomas Leitner. Der Zufall führte ihn auf der Suche nach einer innenstadtnahen Immobilie zu dem über 120 Jahre alten Gebäude.

Am 8. Oktober 1896 schließen die Kaiserliche Ober-Postdirektion in Dresden und Bischofswerda einen Bau- und Mietvertrag ab. Mit dem Papier verpflichtet sich die Stadt, auf dem zwischen Bahnhofstraße und Neustädter Straße gelegenen gut 1.300 Quadratmeter großen Grundstück auf eigene Kosten ein Postgebäude zu errichten und dieses nach Fertigstellung an die Ober-Postdirektion zu vermieten. So findet es sich in den Akten des Stadtarchivs. Die Spuren sind allerdings nach Aussagen von Stadtarchivar Jan Gülzau sehr spärlich.

Mit Dienstwohnung für den Postdirektor

Die Stadt errichtet vertragsgemäß das Postgebäude in direkter Nachbarschaft zum Bahnhof, der nach seinem Bau 1845 im ausgehenden 19. Jahrhundert auch noch einen dreistöckigen Anbau mit Wartesälen und dem Bahnhofsrestaurant erhält. „Gleich gegenüber war das Glaswerk“, weiß Eberhard Lehnert vom Museums- und Geschichtsverein Bischofswerda.

Die Ursprünge der Glasindustrie in Bischofswerda gehen auf Samuel Friedrich Hammermüller zurück, der im Jahr 1865 gegenüber dem Bahnhof die „Christian-Friedrich-Tafelglas-Hütte“ gründete. Ab 1876 pachteten die Brüder Johann Carl Eduard und Carl August Heinrich Eibenstein diese Glashütte und ließen sie später hinter dem Bahngelände an der Belmsdorfer Straße erweitern.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird das Areal um den Bahnhof ein neues Zentrum Bischofswerdas, wie ein Gemälde von Adolph Michalsky aus dem Jahr 1913 zeigt. Die Stadt wächst, wie auch das Postgebäude. Bereits 1908 verpflichtet sich die Stadt, den Bau an der heutigen Bahnhofstraße 22 um einen zweigeschossigen Anbau zu erweitern.

Ein Gemälde von Adolph Michalsky aus dem Jahr 1913: Im Vordergrund rechts ist gleich neben dem Bahnhof der rote Klinkerbau der Alten Post zu erkennen.
Ein Gemälde von Adolph Michalsky aus dem Jahr 1913: Im Vordergrund rechts ist gleich neben dem Bahnhof der rote Klinkerbau der Alten Post zu erkennen. © Stadtarchiv Bischofswerda

Wie es damals üblich ist, sehen die Baupläne sowohl von 1896 als auch von 1908 eine Dienstwohnung für den Postdirektor jeweils im zweiten Obergeschoss des Postgebäudes vor, hat Jan Gülzau recherchiert. Mit einer Zahlung von 120.000 Reichsmark geht der Bau ins Eigentum der Reichspost über, ab dann verlieren sich archivalische Spuren.

Die Geschichte kennt Thomas Leitner nur in groben Zügen. Doch der zentralgelegene Denkmal-Charme in Verbindung mit über 1.000 Quadratmetern Nutzfläche überzeugte ihn, das neue Fachmarkt-Konzept genau dort auszuprobieren.

Die Meesenburg-Gruppe mit Hauptsitz in Flensburg kam vor gut zehn Jahren nach Bischofswerda. Das Familienunternehmen mit rund 1.000 Mitarbeitern und gut drei Millionen Euro Umsatz erwarb damals die Firma Wagner Bauelemente. Deren Portfolio passte in das 1758 gegründete Unternehmen aus dem Norden. Es ist ein Großhandel, spezialisiert auf den Einbau von Fenster und Türen. „Bei uns gibt es Beschläge, Schrauben, Werkzeuge aller Art – alles, was der Handwerker in die Hand nehmen muss“, sagt Thomas Leitner.

Türen erwachen mit Virtual Reality zum Leben

Bislang hatte die Meesenburg-Gruppe Lagerflächen an der Belmsdorfer Straße angemietet mit einer Fertigung für Spezialteile und Büro. Eine weitere Immobilie ist inzwischen verkauft, so wurde die Suche nach einem neuen Objekt notwendig. „Neben dem Büro, das von hier aus bundesweit Projekte plant, sehen wir in Bischofswerda und Umgebung einen Bedarf für einen Fachmarkt mit Ausstellung und Beratung, sowohl für Gewerbekunden als auch für den ambitionierten Handwerker“, sagt der Regionalverkaufsleiter.

Noch ist die ehemalige Schalterhalle der Alten Post in Bischofswerda leer. Doch bei Thomas Leitner (r.) und Nico Großeschallau von der Meesenburg-Gruppe laufen die Planungen für die Einrichtung eines Fachmarktes auf Hochtouren.
Noch ist die ehemalige Schalterhalle der Alten Post in Bischofswerda leer. Doch bei Thomas Leitner (r.) und Nico Großeschallau von der Meesenburg-Gruppe laufen die Planungen für die Einrichtung eines Fachmarktes auf Hochtouren. © SZ/Uwe Soeder

Zum ersten Mal waren er und Nico Großeschallau, Geschäftsbereichsleiter Fachmärkte, im September 2021 in der Alten Post. Damals waren noch die letzten Post-Aushänge zu sehen. Inzwischen hat der Vermieter die Räume alle geweißt, neuer Fußbodenbelag liegt in der ersten Etage. „Wir bestellen jetzt die Regale, suchen und schulen die neuen Mitarbeiter, machen die Bestückungsplanung“, sagt Nico Großeschallau.

In der unteren Etage werden sowohl Bau-Experten als auch Hobby-Handwerker alles finden, was man schnell auf seiner Baustelle braucht. Die Räume darüber bieten Platz für Büros, Besprechungen und auch Schulungen, zum Beispiel zu Anwendungen von Geräten oder neuen Vorschriften auf dem Bau. Und in einem Fachmarkt für Türen dürfen selbstverständlich auch die Türen nicht fehlen. Per App sollen sie sich bequem zu Hause auf der Couch aussuchen lassen – und mit Virtual Reality in der Alten Post zum Leben erwachen.