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"Wir bekommen keine Chance"

Der Butterberg-Gasthof in Bischofswerda wollte zu Ostern wenigstens draußen Gäste bewirten. Weil das nicht geht, kommt zu bestehenden Problemen ein neues hinzu.

Heidi und Karl-Heinz John führen seit 20 Jahren den Berggasthof Butterberg in Bischofswerda. Die Corona-Krise trifft sie hart.
Heidi und Karl-Heinz John führen seit 20 Jahren den Berggasthof Butterberg in Bischofswerda. Die Corona-Krise trifft sie hart. © Steffen Unger

Bischofswerda. Bis zu 350 Gäste finden im Berggasthof auf dem Bischofswerdaer Butterberg und dem hauseigenen Biergarten Platz. Doch in diesen frühlingshaften Tagen fehlt von ihnen jede Spur. "Wir haben wenigstens mit Öffnungen im Außenbereich gerechnet", sagt Eigentümer Karl-Heinz John mit Blick auf die kommenden Oster-Feiertage. Doch nun muss das Restaurant weiterhin geschlossen bleiben. "Wir sind enttäuscht und verbittert, dass wir keine Chance bekommen, um Teile der Gastronomie zu öffnen", betont er.

Damit verschärfen sich die Probleme, die seit vielen Monaten bestehen. Ein Großteil der Mitarbeiter befindet sich in Kurzarbeit, die laufenden Ausgaben werden nur zum Teil durch staatliche Hilfen gedeckt, und die vor dem Lockdown gekauften Lebensmittel sind auch nicht mehr lange verwertbar. "Das große Problem mit dem Warenbestand ist, dass schrittweise immer mehr Produkte das Mindesthaltbarkeitsdatum überschreiten", betont John.

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Imbissstand bringt wenig ein, ist aber ganz wichtig

Der Familienbetrieb steht vor großen Herausforderungen. Als kleiner Gasthof im Jahr 1860 erstmals aufgebaut, kaufte John vor 21 Jahren die Ruine auf dem 384 Meter hohen Butterberg von der Stadt Bischofswerda. Die Firma von Karl-Heinz John sanierte das Gebäude vollständig, welches Mitte 2001 als Berggasthof am Butterberg wiedereröffnet wurde. Seitdem war man stets ein Anlaufpunkt für Wanderer, Touristen, aber auch für Tagungen und Übernachtungsgäste.

"Das, was erst immer ganz normal und selbstverständlich war, ist jetzt etwas Besonderes", sagt Geschäftsführerin Heidi John. Denn ihren Gästen kann sie aktuell nur einen kleinen Imbiss zum Mitnehmen anbieten. Von den 23 Mitarbeitern sind rund zwei Drittel in Kurzarbeit. Voll da sind neben ihr nur die vier Auszubildenden. "Die Lehrlinge muss ich sowieso bezahlen, denn für die gibt es keine Kurzarbeit", betont Heidi John. Somit war schnell klar, wer sich um den kleinen Imbissstand kümmern wird.

Die Einnahmen durch den Verkauf von Bratwurst und Co sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber es geht dabei um viel mehr. "Wenn wir komplett schließen würden, würde der Buschfunk viel erzählen. Wir wollen am Ball bleiben und mit den Leuten sprechen, die vorbeikommen", erklärt Heidi John. Denn von einer dauerhaften Schließung sei man trotz der schwierigen Situation noch ein gutes Stück entfernt. "Wir sind seit 20 Jahren gut situiert und haben uns sattelfest gemacht, sodass wir das mit tränenden Augen überstehen werden", betont sie.

Außenbereich bietet genug Platz für den Mindestabstand

Im Gegensatz zu vielen anderen Gasthäusern hätte man beim Berggasthof am Butterberg auch kein Problem damit, die Tische im Außenbereich mit großen Abständen aufzustellen und den Gästen viel Sicherheit zu bieten.

Denn das Gelände, zu dem auch ein Spielplatz und ein Streichelzoo gehören, bietet viel Platz für die Umsetzung des Mindestabstands. "Wir haben uns auch selbst ein Hygienekonzept erstellt - angelehnt an das vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband - und es auf unser Haus abgestimmt", betont Heidi John.

Wenn es nach ihr und ihrem Mann geht, könnte der Gasthof sofort wieder öffnen. Von der Politik erhoffen sie sich, dass sie zumindest in einem Monat wieder Speisen vor Ort anbieten dürfen. "Wir brauchen auf jeden Fall ein Konzept, dass wir spätestens im Mai gewisse Öffnungsschritte machen können", sagt Karl-Heinz John. Denn es bestehe auch das Risiko, dass Mitarbeiter nicht mehr in ihren alten Job zurückkehren wollen.

Neues Personal für Küche und Service wird gesucht

"Die Gefahr, dass sich Personal, das jetzt in Kurzarbeit ist, anderweitig orientiert, wäre ein weiterer schwerer Verlust für die Gastronomie, weil weitere Fachkräfte schwer zu bekommen sind", erklärt Karl-Heinz John. Obwohl es bisher zu keiner Kündigung gekommen sei, suche man nach neuem Personal für Küche und Service. Denn für einen Neustart möchte der Berggasthof gut vorbereitet sein. "Wir rechnen damit, dass unser Stammpersonal weiter zu uns hält und uns tatkräftig unterstützt, wenn es wieder losgeht", sagt er.

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Wann auch immer das sein wird - am Butterberg rechnet man mit einem großen Andrang. "Ich höre jeden Tag zehnmal am Telefon, dass Leute endlich mal wieder schön weggehen und essen wollen", sagt Heidi John. Nach dem Lockdown im letzten Jahr sei das Geschäft im Sommer sehr gut gewesen. Darauf hofft man auch diesmal. "Wir wünschen uns, dass wir wieder öffnen dürfen, klare Regeln und dass wir ein mit guten Arbeitskräften bestücktes Team bleiben und somit die Zukunft bewältigen können", sagt sie.

Dieser Artikel wurde am 31.03.2021 um 15.03 Uhr geändert.

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