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Bischofswerda hat jetzt schnelles Internet

Die Arbeiten in der Stadt und den Ortsteilen sind erledigt. Das Landratsamt spricht von einem erfolgreichen Projekt. Doch es gibt auch Kritik.

Tausende Haushalte in Bischofswerda können ab sofort auf schnelleres Internet über Breitband zugreifen.
Tausende Haushalte in Bischofswerda können ab sofort auf schnelleres Internet über Breitband zugreifen. © Symbolfoto: dpa/Lino Mirgeler

Bischofswerda. Rund 3.000 weitere Haushalte in Bischofswerda können ab sofort auf schnelles Internet über Glasfaserkabel zugreifen. Denn die von der Firma SachsenNetze ausgeführten Arbeiten in Schiebock und den Ortsteilen sind nun abgeschlossen. Bei einer Abschlussveranstaltung auf dem Butterberg wurde symbolisch der Startschuss für das schnellere Internet über Breitband gegeben, denn ab sofort können es alle betroffenen Haushalte nutzen.

Allein für Bischofswerda gab es rund 2,3 Millionen Euro von Bund und Ländern, womit der Breitbandausbau zu 100 Prozent gefördert wurde. "Im Juli 2017 haben wir unser erstes Angebot für dieses Cluster abgegeben", erinnert sich SachsenNetze-Geschäftsführerin Kathrin Kadner. Man erhielt den Zuschlag und sei damals ein blauer Punkt unter vielen magentafarbenen gewesen. Denn das Unternehmen, das damals noch Enso hieß, war im Landkreis Bautzen von lauter Projekten der Telekom umgeben.

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Fünf Schulen mit Glasfaseranschluss versorgt

"Wir freuen uns besonders, dass wir für fünf Schulen einen neuen Glasfaseranschluss geschaffen haben", fügt Kadner an. Daneben habe man 413 Wohnhäuser und rund 400 Gewerbeimmobilien durch insgesamt 355 Kilometern Kabeln mit schnellerem Internet versorgt. Dazu kommen 1.185 Haushalte, die Internet über die lokale Firma Infokabel beziehen und dafür das Telefonkabel nutzen. Durch eine neue Technologie können hier ebenfalls viel größere Datenmengen in kurzer Zeit transportieren werden.

Neben den Glasfaserkabeln hat man teilweise auch Hausanschlüsse für Strom und Gas erneuert. "Wir müssen den Bürgern damit kein erneutes Aufreißen der Straßen zumuten", sagt Kadner.

Zahlreiche heimische Firmen involviert

"Über 30 Fachfirmen waren beteiligt für Tiefbau, Montage, Straßensperrungen, Vermessungen und Ingenieurdienstleistungen", sagt Kadner. Bei anderen von der Telekom geleiteten Projekten im Landkreis Bautzen gab es bei solchen Firmen in der jüngeren Vergangenheit außerhalb von Schiebock immer wieder Kritik, da diese teilweise unsauber gearbeitet hätten. In Bischofswerda sei das aber aus ganz bestimmten Gründen nicht der Fall gewesen.

"Wir haben fast ausschließlich auf regionale Firmen gesetzt", erklärt Projektleiter Reinhard Jung. Diese einheimischen Unternehmen könnten und wollten es sich keinesfalls erlauben, zu fuschen, da sie von Aufträgen in der Region abhängig sind. "Bei uns haben alle am Abend im eigenen Bett gelegen", fügt er an.

"Bei 97 Prozent hat alles reibungslos geklappt", fügt Landrat Michael Harig (CDU) an und meint damit die bisherigen Arbeiten im gesamten Landkreis. "Wir hatten Firmen aus ganz Deutschland, Polen, Tschechien, Rumänien und der Türkei", betont er, mit denen die Arbeiten sauber und ordentlich abgeschlossen worden seien.

Ländlicher Raum wird attraktiver

Von dem nun verfügbaren schnelleren Internet in Bischofswerda werde auch die Stadt selbst profitieren. Dessen ist sich Tamara Zieschang, die Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, sicher, die aus Berlin angereist war, um zum Abschluss des Projektes zu gratulieren.

"In Stendal steigen die Grundstückspreise, weil es der letzte ICE-Halt vor Berlin ist und viele Menschen die 100 Kilometer zum Arbeitsplatz in Kauf nehmen, um auf dem Land zu leben", sagt sie. Grundstein dafür sei auch dort das flächendeckend verfügbare Internet über Breitband.

Wenn sie auf die vergangenen Monate zurückblickt, hätte man dies auch hier dringend gebraucht. "Plötzlich saßen wir alle nebeneinander und versuchten unsere Videokonferenzen zu absolvieren", erinnert sich Zieschang. Doch kam es dabei immer wieder zu Problemen, weil die Leitung schlichtweg zu langsam war, was nun nicht wieder vorkommen werde.

Und auch für Unternehmen ist schnelles Internet von hoher Bedeutung. "Bei Neuansiedlungen ist die erste Frage von Investoren meist: Wie sieht es mit schnellem Internet aus?", berichtet Oberbürgermeister Holm Große (parteilos). Und auch die Schüler würden sich darüber freuen, dass man nun "Internetverbindungen zum modernen Lernen" anbiete.

Noch immer graue Flecken

Doch können weiterhin nicht alle Haushalte in Bischofswerda und den Ortsteilen der Stadt von schnellem Internet profitieren. Bei der vom Landkreis genutzten Förderung konnten nur sehr schlecht versorgte Gebiete mit einer Bandbreite unter 30 Mega-Bit pro Sekunde ausgebaut werden, sagt Große.

Damit blieben zum Beispiel in Goldbach einige "graue Flecken", wo die Bewohner noch von Breitband träumen müssen. Doch dieser Traum soll nicht unerfüllt bleiben. "Bis 2025 wollen wir den Unternehmen und Privathaushalten flächendeckend den Zugang zu Gigabit-Verbindungen anbieten", betont Zieschang.

Aktuell kann bereits die sogenannte "Graue-Flecken-Förderung" in Gebieten beantragt werden, in denen die Internetverbindung unter 100 Megabit pro Sekunde liegt. "Wir haben das Unternehmen SachsenEnergie und den Landkreis bereits um einen schnellstmöglichen Ausbau gebeten", sagt Große.

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