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Bischofswerda: Streit um eine zweite Drogerie

Am Drebnitzer Weg will ein Investor einen dm-Markt ansiedeln. Der Stadtrat hat jetzt den Weg dafür geebnet. Es gibt aber trotzdem noch ein Hindernis.

Viele in Bischofswerda möchten gern, dass sich ein DM-Markt in der Stadt ansiedelt. Der Stadtrat hat den Weg dafür jetzt geebnet. Welche Folgen hat das für Rossmann am Markt?
Viele in Bischofswerda möchten gern, dass sich ein DM-Markt in der Stadt ansiedelt. Der Stadtrat hat den Weg dafür jetzt geebnet. Welche Folgen hat das für Rossmann am Markt? © SZ/Richard Walde

Bischofswerda. Nach langen Diskussionen hat der Bischofswerdaer Stadtrat jetzt eine wichtige Entscheidung für die Entwicklung des Handels getroffen: Er gab dem Einzelhandels- und Zentrenkonzept seine Zustimmung - mit einer nicht unbedeutenden Änderung: So wurden Drogerieartikel, wie sie Rossmann am Markt anbietet, von der Liste der zentrenrelevanten Sortimente gestrichen. Das heißt, dass sich künftig Drogerie-Anbieter auch außerhalb der Innenstadt ansiedeln könnten.

Kurzfristig wird das keine Folgen für Rossmann haben, langfristig könnte die Filiale allerdings durch Mitbewerber aus Bischofswerda verdrängt werden. Doch ob und wann ein zweiter Drogeriemarkt in Schiebock entstehen kann, ist derzeit offen.

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Das liegt daran, dass Bischofswerda im sächsischen Landesentwicklungsplan von 2013 als Grundzentrum eingestuft wurde. Und in einem solchen darf kein zweiter Drogeriemarkt genehmigt werden, wie Birgit Weber, Beigeordnete im Landratsamt, erläuterte. Sie nahm als Vertreterin des Landkreises an der Stadtratssitzung teil.

Somit müssen auch die Pläne für einen dm-Markt, der neben der Netto-Filiale am Drebnitzer Weg einziehen sollte, erstmal begraben werden. "Am Drebnitzer Weg können Fachmärkte und alles andere entstehen, aber kein Drogeriemarkt", betonte Birgit Weber.

Am Drebnitzer Weg dürfen sich neben einem Lebensmittel-Discounter auch Fachmärkte ansiedeln, aber keine Drogerie.
Am Drebnitzer Weg dürfen sich neben einem Lebensmittel-Discounter auch Fachmärkte ansiedeln, aber keine Drogerie. © SZ/Richard Walde

Doch dafür haben einige Stadträte überhaupt kein Verständnis. "Rossmann hat schon drei Drogerien weggebissen, und da sollte man auch mal Konkurrenz zulassen", forderte unter anderem Robert Geburek (Bürger für Bischofswerda) in einer hitzigen Debatte. "Rossmann macht sich mittlerweile selber Konkurrenz durch die Ansiedlung in Neukirch und Großröhrsdorf", sagte AfD-Stadtrat Frank Fichte.

"Sie als Stadtrat haben sich auf der einen Seite den Schutz der Innenstadt als Ziel gesetzt, und dann gibt es Investoren, die außerhalb des Zentrums bauen möchten", gab Birgit Weber zu bedenken. Und weiter: "Ich weiß nicht, warum sich der Investor an diesem Thema festgebissen hat, denn der Rossmann war schon damals da."

Dass sich ein zweiter Drogeriemarkt ansiedelt, wäre erst möglich, wenn Bischofswerda vom Grund- zum Mittelzentrum heraufgestuft wird. Das strebt die Stadt zwar an, ohne neuen Landesentwicklungsplan ändert sich aber erstmal gar nichts. "Das wird noch dauern", ist sich Oberbürgermeister Holm Große (parteilos) sicher. Er geht davon aus, dass frühestens in drei oder vier Jahren ein neuer Landesentwicklungsplan erarbeitet wird.

Rossmann fürchtet die Konkurrenz

Für Rossmann könnte die Änderung im Einzelhandels- und Zentrenkonzept dennoch richtungsweisend sein. Das Unternehmen reagiert auf Anfrage von Sächsische.de gespalten auf die Abstimmung im Bischofswerdaer Stadtrat. "Insgesamt begrüßen wir die getroffenen Festlegungen des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes, da sie vor allem auf den Erhalt einer funktionsfähigen und attraktiven Innenstadt sowie die Sicherung einer wohnortnahen Grundversorgung abzielen", heißt es in einer Stellungnahme durch Pressesprecherin Vivian Thürnau.

Sollte es in einigen Jahren dennoch die Möglichkeit für eine dm-Filiale geben, könnte das Folgen für die Innenstadt haben. "Es ist zu erwarten, dass die Ansiedlung eines weiteren Drogeriemarkts zu hohen Umsatzrückgängen für unseren Markt in der Innenstadt führen würde", betont Thürnau. Da man dann aufgrund der begrenzten und kostenpflichtigen Parkplätze in der Innenstadt benachteiligt sei, müsste der Erhalt des Standortes "neu überdacht werden".

Einen möglichen Wegzug von Rossmann möchte der Oberbürgermeister aber mit allen Mitteln verhindern. Denn es sei viel Geld in die Filiale geflossen. "Wir haben als Stadt Stadtsanierungsmittel unter anderem dafür in die Hand genommen, um den Rossmann als Magnet für die kleinen Unternehmen in der Innenstadt zu etablieren", betonte er.

Edeka soll für Belebung der Innenstadt sorgen

Eine Belebung des Zentrums verspricht sich die Stadt auch durch den geplanten Edeka am Standort des heutigen Diskas. Als sogenannter Vollsortimenter würde er relativ zentrumsnah alle denkbaren Waren des täglichen Gebrauchs anbieten. "Die geplante Ansiedlung von Edeka an der Stolpener Straße dient zur Stärkung der Innenstadt", heißt es im Einzelhandels- und Zentrenkonzept. Demnach geht man davon aus, dass sich die Kunden vor oder nach ihrem Besuch bei Edeka in die Innenstadt aufmachen, um auch dort einzukaufen.

Dass der Weg bis zu dieser Entscheidung kein einfacher war, machte der Oberbürgermeister deutlich. "Edeka ist das Ergebnis einer langen Auseinandersetzung im Stadtrat."

Wie viele Menschen sich künftig tatsächlich vom Edeka-Parkplatz über die neu entstehende Wesenitz-Brücke aufmachen, um in der Stadt einzukaufen, bleibt abzuwarten. Die Autoren des Konzepts sind da sehr optimistisch: "Die Ansiedlung eines großflächigen Magnetbetriebs wird die Innenstadt handelsseitig aufwerten und deren Position im gesamtstädtischen Einzelhandelsgefüge erheblich verbessern", schreiben sie.

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