Bischofswerda
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Bischofswerda erinnert an jüdische Kaufmannsfamilie

Am 27. Januar wird deutschlandweit der Opfer des Naziregimes gedacht - in Bischofswerda unter anderem vorm ehemaligen Wohnhaus drei Betroffener.

Von Miriam Schönbach
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Die Stolpersteine an der Bischofstraße 15 in Bischofswerda erinnern an Samuel, Friderike und Hella Hoffmann. Die schlichten Quader aus Beton und Messing wurden 2015 verlegt.
Die Stolpersteine an der Bischofstraße 15 in Bischofswerda erinnern an Samuel, Friderike und Hella Hoffmann. Die schlichten Quader aus Beton und Messing wurden 2015 verlegt. © Archivfoto: Steffen Unger

Bischofswerda. Gegen das Vergessen: Zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust und des Nationalsozialismus lädt der SPD-Ortsverein Bischofswerda und Umgebung für Freitag, den 27. Januar, 18 Uhr, zum Gedenken an die Stolpersteine ein. Anlässlich des Jahrestags der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz soll in der Bischofstraße 15 in Bischofswerda an die jüdische Kaufmannsfamilie Hoffmann erinnert werden. Zudem wird der Initiator der Stolpersteine in Bischofswerda, Matthias Hüsni, die Steine säubern. „Jeder, der dabei sein möchte, darf auch Kerzen oder einzelne Blumen mitbringen“, heißt es in der Mitteilung.

Tochter emigriert, Eltern werden ins Ghetto gebracht

Die Stolpersteine in Bischofswerda wurden 2015 vor dem einstigen Wohnhaus von Samuel und Friderike Hoffmann und deren Tochter Hella verlegt. Der gebürtige Bautzener betrieb seit 1910 ein erfolgreiches Textilwarengeschäft an der Dresdner Straße 3 in Bischofswerda, bis die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen. Die Tochter, liiert mit einem später führenden NS-Parteifunktionär aus Kamenz, emigrierte sofort nach Brasilien. Ihre Eltern aber blieben in der Stadt und wurden vermutlich am 28. Juli 1942 über Dresden in das Ghetto Theresienstadt gebracht.

Nach aktuellen Forschungen wurde Samuel Hoffmann mit Hilfe der New Yorker Hilfsorganisation Vaad Hatzalah und des Internationalen Roten Kreuzes Anfang Februar 1945 aus dem Lager in die Schweiz in Sicherheit gebracht. Seine Frau starb vermutlich in Theresienstadt. Der Textilhändler kam nach dem Krieg schwer gezeichnet vom Ghetto und mit Narben vom Schlag eines Gewehrkolbens nach Bischofswerda zurück. Er siedelte 1947 nach Dresden um, wo er am 17. Februar 1952 starb.

OB legt Kranz am Gedenkstein nieder

Bereits um 11 Uhr gedenkt Bischofswerdas Oberbürgermeister Holm Große (parteilos) am 27. Januar am Gedenkstein auf der Kirchstraße vor der heutigen Grundschule an die Opfer des Nationalsozialismus. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, sind zur Kranzniederlegung auch Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bischofswerda sowie Vertreter von Institutionen und Betrieben eingeladen.

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die im Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. In Bischofswerda wurde das Projekt durch den Burkauer Lehrer und Heimatforscher Matthias Hüsni initiiert.

Gedenken am 27. Januar 2023: Kranzniederlegung um 11 Uhr am Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus in der Kirchstraße; Erinnerung an den Stolpersteinen um 18 Uhr in der Bischofstraße 15 in Bischofswerda