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Bischofswerda: Mehr Barrieren sollen fallen

Das Projekt "Bischofswerda Inklusiv" will dafür sorgen, dass Menschen mit Handicap es im Alltag leichter haben. Erste Erfolge gibt es schon - doch noch ist viel zu tun.

Die Rampe an der Christuskirche in Bischofswerda ist ein Beispiel dafür, wie Inklusion funktionieren kann. Kerstin Hammer vom Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter und David Gratzl von "Bischofswerda Inklusiv" wollen nun weitere Barrieren abbauen.
Die Rampe an der Christuskirche in Bischofswerda ist ein Beispiel dafür, wie Inklusion funktionieren kann. Kerstin Hammer vom Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter und David Gratzl von "Bischofswerda Inklusiv" wollen nun weitere Barrieren abbauen. © Steffen Unger

Bischofswerda. Wenn David Gratzl in die Bischofswerdaer Christuskirche möchte, hat der Rollstuhlfahrer seit einigen Jahren auch endlich eine einfache Möglichkeit dafür. "Wir haben das Gespräch mit der evangelischen Kirche gesucht. Da war das Ergebnis, dass der Pfarrer die Kirche und den Gemeinderaum barrierefrei gestalten wollte und das schließlich auch gemacht hat", freut er sich im Gespräch mit Sächsische.de.

Wenn Menschen mit Einschränkungen auf sich aufmerksam machen, kann sich etwas zum Positiven ändern. Am Ende profitieren dann auch andere von einer solchen Veränderung. "Der Zugang wird gut genutzt von Menschen, denen das Treppensteigen schwerfällt oder unmöglich ist, aber zum Beispiel auch von Familien mit Kinderwagen", berichtet Pfarrer Joachim Rasch.

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Vorher gab es nur eine mobile Rampe. "Die musste extra angelegt werden, war sehr schwer und außerdem ziemlich steil", erklärt Rasch. Als es vor rund drei Jahren die Möglichkeit auf Fördermittel gab, habe man diese dankend genutzt.

Das Beispiel zeigt, wie Inklusion funktionieren kann und dass sie niemanden wehtut. Um noch mehr zu verändern, gibt es seit Mitte 2020 in Bischofswerda ein Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, Barrieren aus der Welt zu schaffen. "Bischofswerda Inklusiv" wird von David Gratzl geleitet und möchte für ein angenehmeres Leben aller Bischofswerdaer sorgen.

Hinweis auf barrierefreien Eingang der Bücherei fehlt

"So ein Projekt funktioniert natürlich nur, wenn sich möglichst viele Menschen daran beteiligen – aus der Kommunalpolitik, aber auch Vereine oder Verbände vor Ort und die Betroffenen selber", sagt Gratzl, für den die direkte Arbeit mit betroffenen Personen aufgrund der Corona-Pandemie derzeit schwer ist.

Normalerweise sollte es schon zahlreiche Informationsveranstaltungen für unterschiedliche Personengruppen geben - bisher musste sich der Projektleiter aber mit Einzelgesprächen zufriedengeben. "Was wir im Schwerpunkt aktuell machen, ist die Netzwerk-Arbeit", berichtet er. Unterstützung bekommt Gratzl dabei von verschiedenen Stellen. Wichtigster Partner ist dabei die Stadtverwaltung Bischofswerda.

"Die Stadt möchte uns für künftige Verkehrsprojekte mit einbeziehen. Die Möglichkeit mitzugestalten finden wir ganz toll", erzählt er. Von der Stadtverwaltung heißt es: "Künftig wird die Zusammenarbeit sicherlich noch so ausgebaut, wie sie in der Vergangenheit mit dem mittlerweile leider aufgelösten Behindertenverband Bischofswerda erfolgte."

Denn eines sei klar: "Es ist schön, wenn sich Menschen Gedanken machen, was ich als Rollstuhlfahrer brauche. Aber noch besser ist es, wenn ich direkt gefragt werde, was ich brauche", sagt David Gratzl. Dabei gehe es oft nur um klitzekleine Dinge.

"Die Stadtbibliothek hat jetzt einen sehr schönen barrierefreien Eingang bekommen", nennt er ein Beispiel. Doch befindet sich dieser an der Rückseite des Gebäudes und demnach an einer anderen Adresse. "Darauf findet man am normalen Eingang keine Informationen. Es würde ein Zettel ausreichen, damit man den Hinweis bekommt, dass es diese Möglichkeit gibt", sagt er. Eine Lösung dafür sei inzwischen in Arbeit.

Baubeginn für Aufzug im Bahnhof nicht mehr 2021

Doch auch größere Aufgaben stehen in den nächsten Jahren an. Im Mittelpunkt steht dabei auch der Bereich des öffentlichen Verkehrs. "Der Bahnhof ist ein ganz großes und zentrales Thema. Wir hoffen, dass ein Aufzug vielleicht schon eher kommt als die Bahnsteig-Erhöhung", betont Kerstin Hammer vom Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter, der eng mit dem Projekt vor Ort zusammenarbeitet.

"Vor allem die Dachhöhe stellt uns beim Einbau der Aufzüge im Zusammenhang mit den gültigen Bau-Richtlinien vor große planerische und bautechnologische Herausforderungen. Außerdem gilt es, den vorgesehenen Ausbau der Bahnstrecke zu berücksichtigen. Nach erteilter Genehmigung kann erst mit der detaillierten Ausführungsplanung begonnen werden", heißt es von DB-Pressesprecher Jörg Bönisch.

Somit sei ein Baubeginn noch in diesem Jahr nicht möglich. Bis Ende nächsten Jahres muss der Umbau aber abgeschlossen sein. Denn das Nahverkehrsgesetz verlangt bis 2022 einen komplett barrierefreien öffentlichen Nahverkehr. "Das ist natürlich eine Mammutaufgabe, die so kurzfristig gar nicht zu bewältigen ist", sagt Kerstin Hammer.

Deshalb habe man einen Kompromiss gefunden. "Jeder Ort soll zumindest eine Haltestelle bekommen, die barrierefrei zugänglich ist. Dafür hat eine Priorisierung direkt beim Verkehrsverbund Zvon stattgefunden, bei der die Haltestellen gewichtet wurden, auch in den kleineren Orten", betont sie.

Kontaktmöglichkeit: i[email protected]

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