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Bischofswerda: Ist das Kunst?

Künstler aus fünf Ländern haben die Fassade des ehemaligen Kinos in der Karl-Liebknecht-Straße neu gestaltet. Das Ergebnis polarisiert.

Sie ist ein Blickfang in der tristen Karl-Liebknecht-Straße in Bischofswerda: Doch die Meinungen über die neue Kino-Fassade gehen weit auseinander.
Sie ist ein Blickfang in der tristen Karl-Liebknecht-Straße in Bischofswerda: Doch die Meinungen über die neue Kino-Fassade gehen weit auseinander. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Die Fassade des ehemaligen Kinos ins Bischofswerda ist bunt. Abstrakte Motive mischen sich mit Abbildern der Wirklichkeit. Die Graffiti stechen in der tristen Karl-Liebknecht-Straße hervor. Dort reihen sich braune und graue Häuser aneinander. Das Kino gehörte vor wenigen Wochen mit seinem unansehnlichen Putz ebenfalls noch zu diesem eher traurigen Straßenbild.

Doch seit Anfang September haben auf Einladung der Bischofswerdaer Malerin Anja Herzog 16 Künstlerinnen und Künstler aus fünf Ländern die Hülle des Kinos verwandelt. Das Ergebnis gefällt nicht allen. Das ergab zumindest eine kurze Straßenumfrage von Sächsische.de. „Schrecklich, einfach schrecklich. Es passt hier einfach nicht rein. Direkt gegenüber ist die Volksbank, nebenan die Polizei. Man hätte sich auch ein hübscheres Motiv und andere Farben überlegen können“, sagt Simone Lehmann. Und Maximilian Wachalski von der Volkssolidarität findet: „Es ist sehr gewöhnungsbedürftig. Vieles kann man nicht richtig entziffern. Mein Geschmack ist es eher nicht.“

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Die Stadt will für Neues offen sein

Dass es nur Zustimmung gibt, war auch nie der Sinn hinter der Kunstaktion, sagt die Initiatorin Anja Herzog. „Es war abzusehen, dass es nicht allen gefällt“, sagt sie. „Die Stadt wirbt mit dem Slogan ,Offen für Neues'. Deswegen war es uns wichtig, auch mal etwas Neues zu machen.“

Das sehen auch andere Bürger so, zum Beispiel Johannes Schmeiß, der lange Zeit die Bäckerei an der Karl-Liebknecht-Straße führte: „Es ist mal etwas Neues, etwas anderes. Warum also nicht? Andere finden es vielleicht nicht so schön. Mich stört es aber nicht.“ Seine Frau Gerlinde stimmt ihm zu: „Es ist interessant. Ich finde, dass es die Stadt lebendiger, bunter macht.“

So sah die Hülle des ehemaligen Kinos von Bischofswerda vor der Kunstaktion aus. Das Gebäude passte mit seinem unansehnlichen Putz ins eher traurige Straßenbild.
So sah die Hülle des ehemaligen Kinos von Bischofswerda vor der Kunstaktion aus. Das Gebäude passte mit seinem unansehnlichen Putz ins eher traurige Straßenbild. © Archivbild: Steffen Unger

Mike Hänsel findet gut, dass sich die Künstler ausprobieren durften. „Früher sind solche Graffiti illegal entstanden. Das hat sich zum Glück geändert. Ich finde gut, dass die Stadt da auch so offen ist.“ Katja Einenkel dagegen meint: „Naja, es geht so. Die Farben passen nicht zusammen. Ein roter Grundton hätte besser zu der oberen Backsteinfassade gepasst.“

Doch die Farben Blau und Gelb haben einen bestimmten Hintergrund. „Das sind die Bischofswerdaer Stadtfarben“, sagt Anja Herzog. Das gefällt vor allem Heike Hartmann, die ebenfalls bei der Volksolidarität arbeitet. „Ich sehe das sehr locker. Die Sicht nach draußen ist auf jeden Fall besser. Die neue Fassade ist schöner als das Grau vorher“, sagt die lustige, lebensfrohe Frau.

Auch Caroline Firnharber findet die Neugestaltung super. „Es ist toll für die Jugend in der Stadt, und genau die soll das Kunstwerk ansprechen. Meine Tochter ist 15 und findet es richtig stark. Wir Älteren können zwar nicht alles lesen, aber das ist meiner Meinung nach auch nicht der Sinn.“

In den sozialen Netzwerken sind die Stimmen gegen das Kunstwerk deutlich kritischer. „Das ganze alte Kino sieht schrecklich aus. Das alles hat nichts mehr mit Schiebock zu tun“, meint Franziska Wegner. „Das Kino sieht gruselig aus. Echt eine Schande für Schiebock“, findet Diana Niemann.

Kunst liegt im Auge des Betrachters

Ist das also nun Kunst oder kann das weg? Leo Schöning - Vorsitzender des Vereins KulturOrt, dem Eigentümer des ehemaligen Kinos - hat dazu eine sehr klare Meinung. „Kunst liegt immer im Auge des Betrachters. Das sollte jedem klar sein. Wenn wir jetzt wieder von Kunst sprechen, die uns nicht gefällt und sie deshalb nicht zeigen, bewegen wir uns schnell wieder in die Zeit von vor 90 Jahren.“

Damals bezeichneten die Nationalsozialisten alle Kunstwerke und kulturellen Strömungen, die ihrem Kunstverständnis und dem Schönheitsideal widersprachen, als entartete Kunst. „Davor sollten wir uns hüten. Die Gesellschaft, in der wir heute leben, sollte verschiedene Kunstrichtungen aushalten können“, meint Leo Schöning. Der Ansatz, dass Kunst jedem gefällt, sei dabei der falsche. „Kunst entsteht aus einem selbst. Jeder Künstler kann daher auch damit leben, dass nicht jeder Betrachter sein Kunstwerk schön findet.“

Fassadengestaltung ist nur eine Übergangslösung

Ohnehin sei die neu gestaltete Fassade nur eine Übergangslösung, bis das Gebäude denkmalgetreu saniert wird. Wann das passiert, ist weiterhin unklar. Im Januar hatte  der Antrag des Vereins auf Förderung der dringend erforderlichen Dachsanierung die erforderliche Mehrheit im Stadtrat knapp verfehlt. Seitdem befinde man sich zwar in guten Gesprächen mit der Stadt. Wann es aber wieder auf die Tagesordnung des Stadtrates kommt, steht noch nicht fest. „Der Antrag liegt bei der Stadt vor. Wir können nur hoffen und fragen immer wieder nach“, sagt Leo Schöning. Positive Signale habe es  auf jeden Fall schon gegeben.

Wenn es dann mit der Dachsanierung klappt, sind zwei weitere Bauabschnitte geplant. Für das Dach verspricht sich der Verein eine 100-prozentige Förderung, bei den anderen Abschnitten soll das Projekt mit 90 Prozent gefördert werden. „Ein solch höher Fördersatz ist durchaus realistisch. Denn wir als Kulturbetrieb bekommen andere Fördersätze als ein Wirtschaftsbetrieb“, sagt Leo Schöning. Bis es aber zur Sanierung kommt, bleibt die Fassade bunt.

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